Seite 3: „Im Sommer dachte ich an einen Wechsel“

Sie scheinen nicht viel zum Leben zu brau­chen. Denn auch in Sevilla wohnten Sie in einer kleinen Woh­nung mitten in der Stadt.
Na klar. Ich habe Ihnen ja bereits gesagt, dass ich gerne ins Theater oder zu Kon­zerten gehe. Da ergibt eine Miet­woh­nung im Zen­trum am meisten Sinn. Sevilla ist eine Stadt zum Leben und Genießen. Da braucht man keine große Woh­nung oder ein großes Auto. Zumal die Straßen dort sehr eng sind. Da bin ich ein­fach mit dem Rad gefahren.

Und mussten dau­ernd Pas­santen winken?
Ja, ja. Du bist gefahren und von überall rief jemand Oh, Coke, was machst du hier?“ oder Coke, was war los am Wochen­ende?“ Das war schon lustig. Hier in Deutsch­land wohne ich in Düs­sel­dorf und fahre auch sehr oft mit dem Fahrrad. Aber hier muss ich nicht so viele Leute auf der Straße grüßen (grinst).

Wie haben Sie sich gene­rell in Deutsch­land ein­ge­wöhnt?
Das Wetter ist natür­lich etwas kälter, aber ansonsten fühle ich mich wohl. Franco di Santo hat mir sehr bei der Ein­ge­wöh­nung geholfen, er ist ein wirk­lich enger Freund geworden. Gerade nach meinem Kreuz­band­riss gleich in den ersten Tagen hat mich der Zuspruch des Ver­eins und der Fans hoch­ge­zogen. Das war sehr wichtig für mich.

In der ver­gan­genen Saison erlitten Sie den Kreuz­band­riss, in dieser Saison setzt der Trainer nicht mehr auf Sie. Haben Sie Ihren Wechsel zum S04 bereut?
Nein, die Ver­let­zung kann dir als Profi überall pas­sieren, das Gleiche gilt für die Ent­schei­dung des Trai­ners. Ich muss ein­fach daran arbeiten, wieder häu­figer auf dem Platz zu stehen. Ich habe aber trotz allem eine gute Bezie­hung zu meinen Kol­legen und auch zum Trainer.

Sein erstes Spiel von Beginn an absol­vierte Coke aus­ge­rechnet im Derby gegen Dort­mund im Früh­jahr 2017. Foto: imago.

Dome­nico Tedesco sieht Sie nicht in der Drei­er­kette, son­dern im Mit­tel­feld. Was meinen Sie dazu?
Ich habe mein Leben lang als Rechts­ver­tei­diger gespielt, haupt­säch­lich in der Vie­rer­kette. Nun spielen wir nicht mehr in diesem System, aber ich kann auch in der Drei­er­kette rechts ver­tei­digen. Die Posi­tion im rechten Mit­tel­feld oder auf der Sechs traue ich mir auch zu, das wäre kein Pro­blem.

Stimmt es, dass Sie im Sommer den Klub wech­seln wollten?
Wir haben das zumin­dest dis­ku­tiert, auch mit Chris­tian Heidel. Für mich ist ein­fach wichtig, nach so einer schweren Ver­let­zung wieder regel­mäßig auf dem Platz zu stehen. Ich muss abschätzen, wie mein Körper auf die Belas­tung der Spiele reagiert. Ich hoffe, dass ich bald wieder die Chance dazu bekomme.

Zum Abschluss: Wo sehen wir Sie nach Ihrer Kar­riere? Auf der Bühne oder gar in einer Redak­tion? Schließ­lich haben Sie in Madrid auch Jour­na­lismus stu­diert.
Ja, ich bin zwar zur Uni gegangen, aber ganz ehr­lich: Das Jour­na­lismus-Stu­dium hat mir nicht sehr viel Spaß bereitet. Mir war das Ganze etwas zu theo­re­tisch und zu wenig pra­xis­be­zogen. Im zweiten Jahr hatten wir dann auch noch viele Trai­nings­ein­heiten am Nach­mittag und ich schwänzte des­halb viele Vor­le­sungen. Also: Ich werde wohl eher im Theater als in einer Redak­tion anzu­treffen sein. Dann aber nicht auf der Bühne, son­dern dahinter.