Er erzielte das erste von mitt­ler­weile 42.416 Toren in 45 Jahren Fuß­ball-Bun­des­liga und hat Jahr­zehnte lang ver­geb­lich nach TV-Auf­nahmen oder Bil­dern von diesem his­to­ri­schen Moment gesucht. »Ich habe alles ver­sucht, es gibt keine TV-Bilder. Nur ich und die Zuschauer im Sta­dion können sich daran erin­nern«, sagt der ehe­ma­lige Dort­munder und Sech­ziger Timo Konietzka, der am Samstag seinen 70. Geburtstag feiert.



Wahr­schein­lich waren am 24. August 1963 aber noch nicht einmal alle 32.000 Fans auf ihrem Platz im Weser­sta­dion zum Punkt­spiel zwi­schen Werder Bremen und Borussia Dort­mund (3:2), als der eins­tige Stür­mer­star zuschlug. Keine Minute war gespielt, da traf Konietzka für den BVB zum 1: 0, zu schnell für das Fern­sehen und für die Foto­grafen, die sich alle hinter dem Dort­munder Tor plat­ziert hatten. »Es fiel wohl nach 50 Sekunden«, erklärt der neun­ma­lige deut­sche Natio­nal­spieler und beschreibt Ent­ste­hung und Abschluss zum x‑ten Mal: »Anstoß, Franz Brungs wurde als ältester Spieler tra­di­tio­nell zuerst ange­spielt, von ihm kommt ein Pass auf die linke Außen­seite zu Emma (Lothar Emme­rich, Anm. d. Red.), der gab flach rein. Ich wurde zwi­schen Fünf­me­ter­raum und Elf­me­ter­punkt ange­spielt und habe den Ball flach mit rechts rein geschossen.«

Konietzka gibt zu, dass ihm dieser Treffer »am meisten genutzt« habe. Doch seine Erfolge und Zahlen als Aktiver sind ebenso bemer­kens­wert wie der his­to­ri­sche Moment. Deut­scher Meister 1963 mit Dort­mund und 1966 mit 1860 Mün­chen, 72 Tore in 100 Bun­des­liga-Spielen und zwi­schen 1962 und 1965 in der Tor­jä­ger­liste dreimal in Folge Zweiter hinter Rudi Brun­nen­meier, Uwe Seeler und Lothar Emme­rich. In neun Län­der­spielen erzielte er drei Tore. Schon als Spieler sie­delte der gebür­tige West­fale in die Schweiz über, wo er heute in Brunnen am Vier­wald­stät­tersee zusammen mit seiner Lebens­ge­fährtin Claudia lebt. Beim FC Zürich begann Konietzka, der auch die Schweizer Staats­bür­ger­schaft besitzt, seine Trai­ner­kar­riere.

Drahtig wie eh und je

Als Coach kehrte er in die Bun­des­liga zu Bayer Uer­dingen und Borussia Dort­mund zurück. Timo Konietzka ist drahtig wie eh und je, Gesund­heit hat bei ihm aller­höchste Prio­rität. »Ich mache alles für die Gesund­heit. Ich bin voll­kommen fit, jogge jeden Tag eine Stunde, mit Inter­vall- und Tem­po­läufen. Ich glaube, dass ich noch einige abhänge´, erzählt der Jubilar. Pas­send zu seiner Lei­den­schaft auch der Beruf, von Montag bis Freitag ver­treibt er für ein Schweizer Unter­nehmen Gesund­heits­schuhe – in ganz Deutsch­land »von Cottbus bis Saar­brü­cken und Flens­burg bis Mün­chen«. Am Wochen­ende geht er seiner Claudia zur Hand, die in Brunnen den Gasthof »Zum Ochsen« betreibt.

Timo Konietzka war ein Voll­blut­profi, Max Merkel bezeichnet er als den besten Trainer, »den ich je hatte. Seine Phi­lo­so­phie habe ich auch voll über­nommen. Ich war ein harter Hund, der den Erfolg knall­hart gesucht hat. Ich war kein Freund der Spieler«. Sport­li­chen Erfolg hatte Konietzka damit in der Schweiz, mit dem FC Zürich holte er drei Meis­ter­titel in Folge (1974−1976). Weniger gut lief es bei den Bun­des­li­gisten Dort­mund und Bayer Uer­dingen, die er vor­zeitig ver­lassen musste. Mit den Trai­nings­me­thoden war er seiner Zeit viel­leicht auch ein wenig zu weit voraus. Feld­betten, Kör­ner­früh­stück oder ein Diät­plan passten in die Zeit Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre ebenso wenig in die Land­schaft wie die Behand­lungs­me­thoden von Kult­phy­sio­the­ra­peut Dieter Trzolek. »Was soll das? Das macht zum Bei­spiel der Jürgen Klins­mann heute doch auch«, sagt Konietzka, für den »die Bun­des­liga-Spieler heute im Großen und Ganzen faul« sind.

Timo Konietzka, der immer noch einen gol­denen Anhänger (eine Kuh) als Ste­cker im Ohr hat, blickt auf ein ereig­nis­rei­ches Leben zurück. High­lights waren für ihn in sport­li­cher Hin­sicht die Län­der­spiele oder Euro­pa­po­kal­ein­sätze zum Bei­spiel gegen Real Madrid. Real-Legende Alfredo di Ste­fano war für ihn der beste Spieler aller Zeiten. Mit 70 Jahren lüftet Timo Konietzka auch ein Geheimnis um den schwär­zesten Moment seiner Kar­riere beim Spiel zwi­schen seinem Ex-Klub Dort­mund und 1860: »Nach dem 2:1 von Siggi Held bin ich auf den Schieds­richter zuge­rannt. Weil ich ihm angeb­lich die Pfeife weg­ge­nommen und gegen das Schien­bein getreten habe, musste ich wegen dieser Unsport­lich­keit ein halbes Jahr Sperre abbrummen. Nach 40 Jahren kann ich es ja zugeben: Das stimmt!«