Platz 1? Gareth Bale. Platz 3? Carlos Vela. Es ist keine Über­ra­schung, dass die beiden Super­stars des wohl beliebs­testen MLS-Teams FC Los Angeles auch in den liga­weiten Tri­kot­ver­kaufs-Charts ganz oben ran­gieren. Doch zwi­schen den beiden Offen­siv­spie­lern, auf Rang 2, erscheint einer, den man dort nicht unbe­dingt erwartet hätte: der frü­here öster­rei­chi­sche Natio­nal­spieler Chris­tian Fuchs. Dessen FC-Char­lotte-Trikot geht nicht nur im Süden der USA weg wie warme Sem­meln.

Daheim in der Alpen­re­pu­blik sorgen die sen­sa­tio­nellen Beliebt­heits­werte des Links­ver­tei­di­gers für mediale Jubel­arien: Chris­tian Fuchs lässt einige nam­hafte Fuß­baller hinter sich“, berichtet der in Wien erschei­nende Kurier: Der Mexi­kaner Chicharito (Los Angeles (Galaxy; die Redak­tion)), der unter anderem für Man­chester United und Real Madrid stürmte, liegt genauso hinter dem frü­heren ÖFB-Team­spieler wie der Schweizer Xherdan Shaqiri (Chi­cago Fire), der mit Bayern und Liver­pool die Cham­pions League gewann.“ Fuchs distan­zierte übri­gens auch Ita­liens Euro­pa­meister-Duo Lorenzo Insigne (FC Toronto) und Giorgio Chiel­lini (FC Los Angeles).

Why the fuck ist aus­ge­rechnet Fuchs auf Rang zwei?“

Ist der Fuchser“, wie er einst auf Schalke hieß, wirk­lich so eine große Nummer in den USA? Okay, der Mann aus dem nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Städt­chen Neun­kir­chen ist Mann­schafts­ka­pitän in Char­lotte. In der abge­lau­fenen Regular Season gelangen ihm drei Tore, nicht schlecht. Auch in Deutsch­land ist der Frei­stoß-Spe­zia­list noch gut bekannt aus seiner Zeit in Bochum, Mainz und Gel­sen­kir­chen. Mit Königs­blau gewann er 2011 den natio­nalen Supercup. Später wurde Fuchs sogar eng­li­scher Meister mit Lei­cester City (2016). Aber das ist sechs Jahre her. Bei Lei­ces­ters Pokal­sieg 2021 spielte der Linksfuß nur noch eine Sta­tis­ten­rolle. Als er kurz darauf in die USA wech­selte, war Chris­tian Fuchs bereits 35 und galt als Aus­lauf­mo­dell.

Why the fuck ist aus­ge­rechnet Fuchs auf Rang zwei?“, kom­men­tierte ein offen­kundig rat­loser US-Fan die MLS-Tri­kot­ver­kaufs-Hit­pa­rade via Twitter. Die Ant­wort erhielt er vom Star per­sön­lich: Ich hab sie alle selbst gekauft“, lau­tete Fuchs‘ Ret­weet – das war wohl eher als Witz zu ver­stehen.

In Wahr­heit dürfte der rei­ßende Absatz des Char­lotte-Tri­kots mit der Rücken­nummer 22 auch einen pho­ne­ti­schen Grund haben. Wird der Name Fuchs näm­lich eng­lisch aus­ge­spro­chen [fʌks], weckt er in Ame­ri­ka­nern unwei­ger­lich eine, ähem, leicht schlüpf­rige Asso­zia­tion – so ähn­lich wie das bay­ri­sche Dorf Fucking (seit 2020 umbe­nannt in Fug­ging; die Redak­tion), an dessen Orts­ein­gangs­schild früher ganze Heer­scharen von US-Tou­risten ihre Selfie-Sticks aus­fuhren. Und dann ist da noch die Geschichte von Bernd Fucker. 

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Chris­tian Fuchs ist übri­gens nicht der erste Fuß­baller aus dem deut­schen Sprach­raum, dessen Name im Aus­land einen etwas anderen Klang hat. Der zwei­ma­lige deut­sche A‑Nationalspieler Franco Foda etwa fragte sich im Dezember 1987 bei einem Län­der­spiel in Bra­si­lien (1:1), warum die 30.000 Zuschauer wäh­rend seiner Ein­wechs­lung in schal­lendes Gelächter aus­bra­chen. Franco foder“ bedeutet im Por­tu­gie­si­schen so viel wie Gratis-Scheiße oder, wahl­weise: Gratis-Geschlechts­ver­kehr.

Auch die Fans von Celtic Glasgow konnten kaum noch an sich halten, als 2009 vor einem Europa-League-Heim­spiel gegen Rapid Wien die Gäs­te­spieler auf der Anzei­ge­tafel vor­ge­stellt wurden: A. Dober“ stand dort auf einmal zu lesen – gemeint war der Wiener Außen­ver­tei­diger Andreas Dober. Dessen Pech: Im rauen Glas­gower Straßen-Slang ist dober“ ein sehr, sehr unfeines Wort für – eri­giertes Glied.

Chris­tian Fuchs hat sich der­weil an den fri­volen Hype um seinen Nach­namen gewöhnt. Schon wäh­rend seiner Zeit in Eng­land quit­tierte er die gele­gent­li­chen Wort­witze der eigenen Mit­spieler und der geg­ne­ri­schen Fans mit einem stoi­schen No Fuchs given“ (frei über­setzt: Ich geb’n Fick drauf). Später ließ sich der geschäfts­tüch­tige Kicker diesen Slogan schützen und grün­dete ein gleich­na­miges Mode-Label mit Sitz in New York. Ein echter Ver­kaufs-Fuchs eben.