Hin­weis: Das Inter­view erschien erst­mals 2009.

Eike Immel, bereits als 17-Jäh­riger standen Sie erst­mals bei einem Bun­des­li­gisten zwi­schen den Pfosten. Mit Borussia Dort­mund schlugen Sie 1978 den großen FC Bayern mit 1:0. Sepp Maier soll Ihnen nach dem Spiel gra­tu­liert haben. 
Ich weiß gar nicht mehr, ob er mir gra­tu­liert hat. Es gibt ja ein Bild, auf dem mir Sepp Maier nach dem Spiel die Hand gibt, aber das hätte er wahr­schein­lich auch gemacht, wenn wir 5:0 ver­loren hätten. 

Trotzdem: Wird einem da nicht ein biss­chen anders?
Natür­lich war das ein Wahn­sinns­er­lebnis. Ich kam aus einem kleinen Dorf mit 600 Ein­woh­nern und war noch gar nicht lange in Dort­mund. Es war ja fast ein Ein­satz über Nacht, weil sich Horst Bertram ver­letzt hatte. Und dann mache ich da so ein Spiel. Im Hin­blick auf die nega­tiven Dinge, die dann pas­siert sind, wäre es viel­leicht besser gewesen, wenn das erste Spiel nicht so spek­ta­kulär ver­laufen wäre. Aber man muss es nehmen wie es kommt, und böse bin ich dar­über ganz sicher nicht. 

Sie galten als her­aus­ra­gendes Talent, aber auch als jemand, der noch Flausen im Kopf hat. Sie sollen zum Bei­spiel meh­rere Autos zu Schrott gefahren haben. Stimmt das über­haupt?
Man kann ja schlecht sagen, es stimmt alles nicht. Viele Sachen wurden aller­dings auch an den Haaren her­bei­ge­zogen oder über­spitzt dar­ge­stellt. Ich war eigent­lich ein ganz nor­maler Kerl, der relativ früh Erfolg hatte. Dann habe ich eine Vor­liebe für schnelle Autos ent­wi­ckelt, womit ich sicher­lich nicht der ein­zige war. Bestimmt habe ich da Fehler gemacht, aber die Wirk­lich­keit war wesent­lich harm­loser als das mediale Echo darauf. 

Wie war es denn in Wirk­lich­keit?
Wo soll man denn da anfangen? Es ging ja nicht nur um schnelle Autos, es ging ja auch ums Zocken. Sie dürfen nicht ver­gessen, dass die Profis heute wesent­lich besser beraten sind als wir damals. Ich hatte vor den Medi­en­ver­tre­tern über­haupt keinen Schutz, und mit 17, 18 Jahren war ich dann natür­lich ein gefun­denes Fressen – ins­be­son­dere für einen spe­zi­ellen Freund von der »Bild«-Zeitung. Wenn heute einer ein Auto zu Schrott fährt, ist das nach zwei Tagen aus den Medien ver­schwunden. Bei mir wurde meh­rere Wochen allein die Tat­sache ver­han­delt, dass es sich bei dem Auto um einen Por­sche Turbo han­delte. Für mich war das ein regel­rechter Spieß­ru­ten­lauf. Ich war damals sehr jung, und ich denke, junge Men­schen dürfen auch mal einen Fehler machen.

Und wie kam es zu den »Zocker«-Schlagzeilen nach der WM 82?
Die Geschichte war ein biss­chen anders, als sie kol­por­tiert wurde. Ich glaube, Uwe Rein­ders hat nach seinem Ein­wurftor den Stein ins Rollen gebracht, indem er irgend­wann an der Theke sagte: »Wenn ich dem Paul Breitner viel Geld beim Pokern abnehmen kann, dann kann ich dem Jean-Marie Pfaff auch einen Ball ins Tor werfen.« Das alar­mierte natür­lich alle Jour­na­listen, wor­aufhin unter den Natio­nal­spie­lern ein Rundruf gemacht wurde, dass bloß nie­mand etwas sagen soll. Ich war zu der Zeit aller­dings dum­mer­weise mit Borussia Dort­mund auf einem Tur­nier bei Ath­le­tico Madrid, und da es noch keine Handys gab, war ich dann der ein­zige, der nicht bescheid wusste. Als mich die Reporter darauf anspra­chen, habe ich gesagt, dass gespielt worden sei, aber nur zur Unter­hal­tung. Die Über­schrift lau­tete dann: »Immel sagt: Es wurde gezockt.« Und schon steckte ich in einer Schub­lade. 

Es soll um hohe Summen gegangen sein.
Wir haben Karten gespielt, und wir haben auch um Geld gespielt, das ist alles gar keine Frage. Aber es ist alles in einem ver­nünf­tigen Rahmen geblieben, dabei ist nie­mand arm oder reich geworden. Es war ein Zeit­ver­treib. Bei der WM in Spa­nien zum Bei­spiel waren wir völlig kaser­niert. Wir hatten abends nie frei, wir durften keinen Besuch von unseren Frauen bekommen, und Karten spielen war eine der wenigen Mög­lich­keiten – viel­leicht eine schlechte –, die Zeit zu über­brü­cken. Schade finde ich, dass man zwanzig Jahre Fuß­ball spielt, und das was übrig bleibt, ist: Der hat gezockt und zwei Autos kaputt­ge­fahren.

Zumal das ganz zu Beginn Ihrer Kar­riere war.
Ich war 19, viel­leicht 20 Jahre alt und danach ist so etwas nie wieder vor­ge­kommen, das ist eigent­lich der abso­lute Wahn­sinn. Ich habe dann ja auch gehei­ratet und Kinder bekommen, bin ruhiger und gelas­sener geworden, aber diese alten Kamellen werden immer wieder auf­ge­wärmt. Wenn man immer nur solche Dinge über sich liest, ist das schon ziem­lich schlimm. Man wird redu­ziert auf zwei, drei Ereig­nisse aus der Jugend. 

Ärgern Sie sich rück­bli­ckend dar­über, dass Ihnen diese Dinge pas­siert sind?
Sehen Sie, ich bin mit meiner Kar­riere sehr zufrieden. Sicher­lich würde ich heute die eine oder andere Ent­schei­dung anders treffen. Aber hin­terher ist man immer schlauer. Da kann man nur die Leute bewun­dern, die von sich sagen, sie würden alles noch mal ganz genauso machen.