Herr Sta­nis­lawski, die nächste Zweit­li­ga­saison wird viel­leicht die beste aller Zeiten. Auf welche Mann­schaft freuen Sie sich am meisten?

In der Tat, das sind schon klang­volle Namen in Liga zwei. Glad­bach, Lau­tern, 1860 oder Köln – da kommen echte Tra­di­ti­ons­ver­eine mit sen­sa­tio­nellen Fuß­ball­sta­dien auf uns zu, ich freue mich auf alle diese Spiele! Auch am Aachener Tivoli zu spielen ist immer etwas ganz Beson­deres.



Die Kon­kur­renz ist riesig. Warum wird St. Pauli den­noch die Klasse halten?

Die Leis­tungs­dichte unter den Spit­zen­teams der Liga ist extrem hoch, keine Frage. Ich glaube aber, dass es dahinter relativ aus­ge­gli­chen zugehen wird. Wir haben den großen Vor­teil, dass wir über eine ein­ge­spielte und gut funk­tio­nie­rende Mann­schaft ver­fügen. Wichtig wird sein, dass wir mit unseren Fans im Rücken die Heim­stärke bei­be­halten, die uns auch im letzten Jahr so stark gemacht hat.

Hoffen Sie auf ein Strau­cheln der Großen?

Wenn die Großen uns unter­schätzen und gegen uns Punkte lassen sollten, kann uns das natür­lich nur Recht sein. Grund­sätz­lich schauen wir aber nur auf uns. Wenn wir unsere Leis­tung bringen, dann spielen wir auch eine erfolg­reiche Saison.

Ihre beiden Neu­zu­gänge Rene Schnitzler und Alex­ander Ludwig bringen nicht gerade Erfah­rung ins Team. Ein Nach­teil im Abstiegs­kampf?

Das glaube ich nicht. Wir haben hier eine sehr junge, ehr­gei­zige Truppe. Jeder ein­zelne Spieler will sich im Pro­fi­fuß­ball beweisen, darauf arbeiten wir seit Jahren hin. Außerdem ist es ja nicht so, dass wir nur uner­fah­rene Youngster im Team haben – Leute wie Stendel, Meggle oder jetzt auch Gunesch bringen durchaus Bun­des­liga-Erfah­rung mit.

Ihre beiden Mit­auf­steiger Hof­fen­heim und Wehen schi­cken sich an, mit großem finan­zi­ellen Auf­wand die Bun­des­liga zu stürmen. Wün­schen Sie sich ähn­liche Ver­hält­nisse auch für den FC St. Pauli?

Richtig ist: Wir haben einen der kleinsten Etats in der zweiten Liga. Bei uns gibt es nun mal keinen Mäzen im Hin­ter­grund, der seine Mil­lionen in den Club steckt. Die ganz großen Trans­fers können wir uns nicht leisten. Aber dafür ver­fügen wir über andere Qua­li­täten, wie z.B. eine homo­gene, gewach­sene Truppe oder auch die ganze Atmo­sphäre im Umfeld. Wel­ches Kon­zept sich letzt­lich durch­setzen wird, werden wir sehen.

Inner­halb des Ver­eins arbeiten auf­fällig viele ehe­ma­lige Pro­fi­spieler. Ist diese fami­liäre Atmo­sphäre das Geheimnis ihres Erfolgs?

Absolut. Die Iden­ti­fi­ka­tion mit dem Verein ist für uns alle selbst­ver­ständ­lich. Dazu gehört auch ein ver­trau­ens­voller Umgang mit allen Betei­ligten. Ein ehr­li­cher Hand­schlag hat bei uns noch eine Bedeu­tung.

Wie stressig wird ihr Dop­pel­leben als Trainer und Sport­chef einer Pro­fi­ab­tei­lung?

Diese dop­pelte Tätig­keit bedeutet wirk­lich eine Menge Arbeit. Aber wir hätten uns nicht für diese Lösung ent­schieden, wenn der Stress für eine Person zu hoch wäre. Es gibt ja außerdem einen Haufen von Leuten, die mich in meiner Arbeit unter­stützen.

Wie kom­pen­sieren Sie den Druck, der auf diesen Ämtern lastet?

Den Aus­gleich bekomme ich zu Hause, das kann ich nur immer wieder betonen. Meine Frau ist in alle Ange­le­gen­heiten ein­ge­weiht, ohne ihre Unter­stüt­zung könnte ich das alles nicht machen.

St. Paulis Finanz-Vize Andreas Wasi­lewski begrün­dete die Ent­schei­dung damit, dass eine Per­so­nal­union finan­ziell sinn­voller“ sei. Sind sie damit ein­ver­standen?

Natür­lich, diese Ent­schei­dung haben wir ja ein­ver­nehm­lich getroffen. Wir haben unter­schied­liche Alter­na­tiven geprüft und sind zusammen zu dem Ent­schluss gekommen, dass diese Lösung zur­zeit die beste ist.

Wie sehr behin­dert der Sta­di­on­ausbau den lau­fenden Spiel­be­trieb?

Das sehe ich über­haupt nicht als Pro­blem. Natür­lich freuen wir uns alle auf die neue Süd­tri­büne, aber die Atmo­sphäre in der Rück­runde war ja am Mill­erntor auch ohne Süd­tri­büne groß­artig. Wir waren das heim­stärkste Team der Liga, das sagt doch eigent­lich alles.

In der letzten Saison kam es im Vor­stand immer wieder zu internen Que­relen. Wie groß ist ihre Sehn­sucht nach Ruhe im Verein?

Sehn­sucht braucht da nie­mand zu haben, denn Ruhe haben wir ja jetzt. Natür­lich war die Situa­tion in der letzten Saison nicht ganz ein­fach, aber den Ein­fluss auf den sport­li­chen Bereich konnten wir ohnehin gering halten.

Sie haben die Mann­schaft als Tabel­len­zwölfter der Regio­nal­liga über­nommen und bis zum Auf­stieg geführt. Glauben Sie an Fuß­ball­mär­chen und den direkten Durch­marsch in die Bun­des­liga?

Da muss man schon rea­lis­tisch bleiben. Wir wollen im nächsten Jahr so erfolg­reich wie mög­lich spielen und am Ende die Klasse halten. Aber nach der letzten Hin­runde doch noch auf­zu­steigen – das war schon sen­sa­tio­nell! So gesehen sind wir ja bereits mitten in einem kleinen Fuß­ball­mär­chen. Wir sind selbst gespannt, wie das zum Schluss aus­gehen wird…