Das zweite Halb­fi­nale der Copa Ame­rica, Argen­ti­nien gegen Kolum­bien im leeren Estádio Nacional de Bra­sília Mané Gar­rincha, gesucht wurde der Gegner der Bra­si­lianer für das für Sonntag ange­setzte Finale. Soweit die Aus­gangs­lage. Es wurde ein denk­wür­diges Spiel, voller Trash Talk, einer Zwei­kampf­härte der Marke Edel­stahl und frag­wür­digen Jubel­szenen. 

Die 90 Minuten sind schnell erzählt: Beide Teams trafen je einmal, gaben sich aber vor allem auf die Socken. Zehn gelbe Karten ver­teilte Schieds­richter Jesus Valen­zuela, vier davon zwi­schen der 86. und 91. Minute. Lionel Messi kam nach 58 Minuten mit einem blu­tigen Knö­chel davon.

Richtig giftig wurde es dann aber im Elf­me­ter­schießen. Juan Cuadrado und Messi ver­wan­delten die ersten beiden Ver­suche, ehe sowohl Kolum­biens Dav­inson San­chez als auch Argen­ti­niens Rodrigo de Paul ver­schossen. Letz­terer in bester Sergio-Ramos-Manier.

Dann trat Yerri Mina für Kolum­bien an und musste sich so richtig was anhören von Argen­ti­niens Keeper Emi­liano Mar­tinez. Du bist nervös! Du lachst, weil du nervös bist“, keifte Mar­tinez und ließ der Fest­stel­lung noch eine fixe Ankün­di­gung folgen: Den halte ich! Ich fresse dich auf. Ich fresse dich auf, Bruder!“

Immerhin: Yerri Mini ver­ließ den Straf­raum in der Folge in einem Stück, den Elfer parierte Mar­tinez aber mit Ansage. Der dar­auf­fol­gende Jubel schien das Ergebnis einer leicht ent­flamm­baren Adre­nalin-Tes­to­steron-Mischung zu sein. Wer’s braucht.

Auch Lionel Messi hatte dem Ver­tei­diger noch etwas zu sagen und schrie: Tanz! Komm, tanz jetzt! Tanz jetzt!“ Mina hatte nach seinem Treffer im Elf­me­ter­schießen im Vier­tel­fi­nale gegen Uru­guay ein paar flotte Schritte auf den Rasen gezau­bert, obwohl das Spiel noch gar nicht ent­schieden war. Hat anschei­nend nicht jeden beein­druckt. 

Apropos Messi: Zu den großen Errun­gen­schaften des 21. Jahr­hun­derts zählt anschei­nend auch, dass man ein­zelne Spieler minu­ten­lang leiden, jubeln und zit­tern sehen kann. Hier ist die Messi-Cam wäh­rend des Elf­me­ter­schie­ßens:

Doch Kolum­bien hatte eine pas­sende Ant­wort parat, Miguel Borja ver­wan­delte zum 2:2, kickte den Ball aus dem Sta­dion in Rich­tung der Falk­land­in­seln und führte vor Mar­tinez einen Trip­pel­schritt-Tanz auf, den irgendein ver­zwei­felter Deutschrapper schon bald in einem über­am­bi­tio­niert pro­du­zierten Musik­video kopieren wird. Ver­spro­chen.

Dann traf Lau­taro Mar­tinez für Argen­ti­nien, bevor Kolum­biens Edwin Car­dona an Mar­tinez schei­terte. Spiel vorbei, Argen­ti­nien im Finale, große Freude und – pas­send zum Spiel – ver­letzte sich fol­ge­richtig noch ein Argen­ti­nier in der Jubel­traube (ab Minute 1:33).

Zum Abschluss stimmten die Argen­ti­nier noch einen nicht jugend­freien Gesang an und reagierten damit auf die Aus­sagen von argen­ti­ni­schen Experten, die in einer Talk Show sug­ge­riert hatten, dass eine Nie­der­lage der Argen­ti­nier gar nicht mal so schlimm sei, da sie ja zur Ent­las­sung des Natio­nal­trai­ners Lionel Sca­loni führen würde. Argen­ti­niers Spieler ant­wor­teten: Scheiß egal, was die Jour­na­listen zu sagen haben, sie können sich f***en.“