Seite 4: „Mit Sunderland war ich mir schon einig“

Also sind Sie gut mit ihm klar gekommen?
Was heißt gut? Wir waren sicher­lich keine Freunde, das muss ich schon sagen. Aber was das Sport­liche betrifft, haben wir uns, sagen wir: respek­tiert. Er hat mich schon immer auf­ge­stellt, und ich hatte einen Für­spre­cher in Dieter Hoeneß. Rein nach Leis­tung hätte er mich ohnehin spielen lassen müssen, weil es in Stutt­gart kon­stant gut gelaufen ist, aber wenn Dieter Hoeneß nicht da gewesen wäre, weiß ich nicht, ob er mich immer auf­ge­stellt hätte.

Udo Lattek, Jupp Heynckes, Chris­toph Daum, Willi Enten­mann, Egon Coordes. In Ihrer Kar­riere sind Sie einigen pro­mi­nenten Trai­nern begegnet. Wer hat Sie denn am meisten geprägt?
Geprägt hätten sie mich wohl nur, wenn ich Trainer geworden wäre. Das sind alles unter­schied­liche Typen, mit dem einen kommt man besser zurecht, mit einem anderen weniger. Aber ich denke schon, dass Udo Lattek mein bester Trainer war, seine Titel­samm­lung kommt ja nicht von Unge­fähr. Er hat immer zur rich­tigen Zeit das rich­tige gemacht und weniger Wert auf das Trai­ning gelegt. Aber psy­cho­lo­gisch und rhe­to­risch war er seinen dama­ligen Kol­legen meis­tens über­legen. Aber ich hatte in meiner Kar­riere unge­fähr 25 Trainer, da kann man kaum ver­glei­chen.

In der Saison 1995/96 kamen Sie unter dem neuen Coach Rolf Fringer in Stutt­gart plötz­lich kaum noch zum Ein­satz. Woran lag das?
Ich hatte mich vor der Saison mit dem Verein nicht auf eine Ver­trags­ver­län­ge­rung einigen können. Ich hatte Ange­bote aus Eng­land vor­liegen und wollte gerne dorthin wech­seln. Mit Sun­der­land war ich mir schon einig. Damals war man nach Ver­trags­ende aber noch nicht ablö­se­frei und Stutt­gart wollte für mich noch 3,5 Mil­lionen DM haben, das war Sun­der­land zuviel. Stutt­gart wollte mich behalten und legte mir einen Zwei-Jahres-Ver­trag vor, den ich aber nicht unter­schrieb. Erst als sich abzeich­nete, dass der VfB auf seinen For­de­rungen bestehen würde, habe ich im August doch noch einen Ein-Jahres-Ver­trag unter­zeichnet, weil ich sonst auf der Straße gestanden hätte.

Kein opti­maler Start in eine Saison mit einem neuen Trainer.
Nein, ich hatte quasi keine Vor­be­rei­tung und bin erst im letzten Moment zur Mann­schaft gestoßen. In der Vor­runde habe ich den­noch fast alle Spiele gemacht. Anfang Dezember habe ich mich wieder an der Achil­les­sehne ver­letzt. Nach der Ope­ra­tion war es unter Fringer dann ers­tens so, dass die Mann­schaft auch ohne mich Erfolg gehabt hatte und er mir zwei­tens die Zuge­ständ­nisse nicht ein­räumen wollte, die ich bei anderen Trai­nern gehabt hatte.

Was für Zuge­ständ­nisse waren das?
Vor allem Jürgen Röber und Jürgen Sun­dermann hatten Rück­sicht auf meine kör­per­li­chen Pro­bleme genommen. Bei ihnen musste ich nicht immer voll mit­trai­nieren, zumin­dest nicht bei Dingen wie Sprung­übungen und der­glei­chen. Fringer meinte aber, darauf könne er keine Rück­sicht nehmen, jeder müsse volle Pulle mit­ziehen. Das hat für mich nur keinen Sinn gemacht, weil ich dann vor Schmerzen kaum noch spielen konnte. Als schließ­lich eine schlech­tere Phase kam, hat Fringer drei, vier Spieler dafür ver­ant­wort­lich gemacht, dar­unter mich.

War damit das Ver­hältnis zum Trainer zer­stört?
Er hat Andi Buck, Axel Kruse, Gün­ther Schäfer und mich für zwei Spiele auf die Tri­büne gesetzt, und das war mir in meiner Lauf­bahn über­haupt noch nicht pas­siert. Das wollte ich nicht akzep­tieren und habe dem Verein gesagt, dass ich mich auf keinen Fall auf die Tri­büne setzen würde. Und obwohl ich noch Ver­trag hatte, gab es Ange­bote aus der Schweiz, wo das Trans­fer­fenster bis März geöffnet war. Ich habe mich dann für Luzern ent­schieden.

Diesmal legte Ihnen der Verein keine Steine in den Weg?
Nein, denn inzwi­schen war das Bosman-Urteil durch, und ich wäre im Sommer ablö­se­frei gewesen. Ich hätte zwar einen Para­gra­phen ziehen und ein Jahr länger bleiben können, aber das war mir alles wurscht, keinen Tag mehr wollte ich auf die Tri­büne. Buck, Kruse und Schäfer haben es gemacht und Fringer schnell über­lebt. Ich wollte weg, und so hat Luzern immerhin noch 500 000 Mark für mich gezahlt.

Erst wollten Sie nicht einmal weg aus Bayern, später zog es sie nach Eng­land und letzt­lich in die Schweiz. Hört sich an, als hätten Sie einen gewal­tigen Rei­fe­pro­zess durch­laufen.
Das stimmt auch. In der Bun­des­liga hatte ich alles erreicht, da gab es kein Stei­ge­rungs­po­ten­tial mehr. Inso­fern war ich offen für andere Sachen.

Bedauern Sie, dass es mit Eng­land nicht geklappt hat?
Sport­lich schon, weil es eine große Her­aus­for­de­rung gewesen wäre. Ande­rer­seits wäre ich dann sicher­lich nicht in Luzern gelandet, und das hätte mir im Nach­hinein bestimmt mehr gefehlt als heute Eng­land. Luzern war mit die schönste Sta­tion meiner Kar­riere.

Was war so beson­ders dort?
Die Schweiz war zwar Neu­land für mich, aber ich hatte schon einen gewissen Bezug zum Land, weil ich immer in Basel ope­riert worden war. Das war übri­gens auch ein Grund, warum ich dort hin­ge­gangen bin, um näher bei meinem Arzt zu sein und wöchent­lich zur The­rapie zu können. Natür­lich war das Ganze nicht so mit Erfolgen ver­bunden wie bei Bayern, aber für Luzerner Ver­hält­nisse war es auch sehr ordent­lich, einmal im Pokal­fi­nale zu stehen oder am Uefa-Cup teil­zu­nehmen. Ich hatte eine sehr schöne Zeit dort, wurde drei Mal zum belieb­testen Spieler gewählt, und die Stadt war das Para­dies für mich.