Seite 2: „Ich habe eigentlich fast immer unter Schmerzen gespielt“

Hatten Sie denn jemanden, der Ihnen geholfen hat? Heute hat ja jeder Jung­profi drei Berater.
Meinen Vater halt (lacht). Der hat zwar auch einmal Fuß­ball in der zweit­höchsten Liga gespielt, aber in dieser Materie auch keine grö­ßeren Erfah­rungen gehabt. Nein, aber ich war gut auf­ge­hoben bei Bayern Mün­chen. Uli Hoeneß hat mir seinen Steu­er­be­rater zur Ver­fü­gung gestellt und die ganzen Privat-Ver­träge für mich abge­schlossen, da war ich gut ver­sorgt. Aber Berater-tech­nisch war das damals noch nicht so wie jetzt.

Sie sagten immer gera­de­heraus ihre Mei­nung. Sind sie damit denn nie ange­eckt?
Mit den Medien hatte ich nie Pro­bleme, im Gegen­teil. Ich kam eigent­lich gut an und wurde sehr hoch­ge­puscht mit meinen bay­ri­schen Attri­buten, meinem Dia­lekt zum Bei­spiel. Ich habe mich da nicht ver­drehen lassen.

Heute wirkt jeder Spieler, als hätte er ein Medi­en­trai­ning hinter sich. Würde der junge Kögl von 1985 denn im heu­tigen Geschäft noch zurecht­kommen?
Ich habe mir dar­über sicher­lich keine großen Gedanken gemacht und auch kein Medi­en­trai­ning gehabt oder sonst jemand, der mir da mit Rat und Tat zur Seite gestanden hätte. Am ehesten war noch Uli Hoeneß der­je­nige der mir sagte, es würde zu viel oder es wäre mal an der Zeit den einen oder anderen Termin abzu­sagen. Ich wollte mal einen Por­sche haben, da hat er mir zum Bei­spiel gesagt: Das kommt nicht in Frage“, und daran habe ich mich dann auch meis­tens gehalten.

Den Por­sche hat er Ihnen ver­boten?
Ver­boten nicht, aber er hat mir schon zu ver­stehen gegeben, dass es in der Öffent­lich­keit viel­leicht keinen so guten Ein­druck macht, wenn ich mit 19 oder 20 Jahren plötz­lich mit einem 911er Por­sche vor­fahre. Obwohl er selber einen fuhr und ich das ja gesehen hatte, dass meh­rere in der Mann­schaft solche Autos hatten.

Aber Sie haben es dann bleiben lassen?
Ich habe mir dann von meiner ersten Meis­ter­schafts­prämie ein Käfer Cabriolet gekauft, das habe ich heute noch.

Sie sind einer der erfolg­reichsten Spieler der Bun­des­li­ga­ge­schichte. Fünf Mal wurden Sie mit dem FC Bayern, einmal mit Stutt­gart deut­scher Meister. Dazu kommt ein Pokal­sieg, eben­falls mit Bayern. In der öffent­li­chen Wahr­neh­mung ist das nicht mehr so prä­sent. Sind Ihnen Ihre Erfolge denn bewusst?
Was heißt bewusst? Ich weiß es schon (lacht). Sechs Meis­ter­titel sind ja nicht all­täg­lich, vor allem, weil ich nur sechs Jahre bei Bayern gespielt habe. Die Spieler, die mehr Titel haben, haben alle länger bei Bayern gespielt.

Dem stehen nur zwei Ein­sätze in der Natio­nal­mann­schaft gegen­über. Wieso das?
Das hat zwei Gründe: Ers­tens gab es damals eine ganz andere Kon­kur­renz­si­tua­tion im Sturm als heute. Damals hat Kalle Rum­me­nigge gespielt, Rudi Völler, Klaus Allofs, Pierre Litt­barski und was weiß ich, wer noch alles. Deutsch­land konnte in der Offen­sive aus dem Vollen schöpfen. Zwei­tens fing das schon damals mit den Ver­let­zungen an. Ich bin acht Mal an den Achil­les­sehnen ope­riert worden, fünf Mal rechts und drei Mal links, dazu hatte ich zwei Sprung­ge­lenks­ope­ra­tionen. Ab meinem 21. Lebens­jahr hatte ich vor allem mit der Achil­les­sehne zu kämpfen und hatte regel­mäßig Ope­ra­tionen.

Sie kamen im Verein trotzdem sehr oft zum Ein­satz. Haben Sie oft unter Schmerzen gespielt?
Eigent­lich fast immer. Ich habe auch fast nie Urlaub machen können, weil ich ent­weder in der Reha war oder auf dem OP-Tisch lag. Danach war ich dann meis­tens drei Monate ver­letzt und bin dann wieder zurück­ge­kommen, bis auf einmal, da war ich zehn Monate am Stück weg, 1991/92 beim VfB Stutt­gart.

An Franz Becken­bauer, der zu Beginn Ihrer Lauf­bahn Bun­des­trainer war, lag es also nicht, dass Ihre Natio­nal­mann­schafts­kar­riere nie richtig in Gang kam?
Nein, ganz sicher nicht. Das lag schon an mir selber, eben mit diesen Achil­les­sehnen-Pro­blemen, die ich immer hatte und bis heute habe. Jetzt ist das eini­ger­maßen zu kon­trol­lieren, aber als Spit­zen­sportler hatte ich mas­sive Pro­bleme. Dem musste ich auch alles unter­ordnen, sonst hätte ich nicht 18 Jahre in diesem Geschäft aktiv sein können. Qua­li­tativ hat sich das dann auch so aus­ge­wirkt, dass ich nicht so schnell war wie zu Beginn meiner Kar­riere, weil eben der Abdruck von den Sehnen gefehlt hat. Als Aktiver hängt man das nicht so an die große Glocke, aber es waren schon mas­sive Beein­träch­ti­gungen, ich habe ja fast nie trai­niert.

1987 standen Sie mit Bayern im Finale des Euro­pa­po­kals der Lan­des­meister gegen Porto und schossen dort sogar ein Tor.
Ja, mit einem Kopf­ball aus 16 Metern nach einem Ein­wurf, so ein Tor habe ich danach nie wieder gemacht. Ich hatte über­haupt nur vier Kopf­ball­treffer in meiner Kar­riere, glaube ich.