Herr Hinkel, woran sind Sie in Sevilla geschei­tert?

Von Schei­tern kann man meiner Mei­nung nach nicht spre­chen. Es kommt auf den Blick­winkel an. Ich habe es in ein­ein­halb Jahren immerhin auf 32 Pflicht­spiel­ein­sätze gebracht. Das ist in keine schlechte Bilanz, wie ich finde. Man darf nicht ver­gessen, dass Sevilla eine Top­mann­schaft hat, laut eines inter­na­tio­nalen Ran­kings war der FC Sevilla 2007 sogar der beste Klub auf der Welt.

Wes­halb haben Sie dann Sevilla ver­lassen?

Zu Beginn der neuen Saison spielte ich noch. Aber dann nicht mehr. Es war klar, dass es so nicht wei­ter­gehen konnte. Eigent­lich hatte mich der Club im Sommer 2006 als Ersatz für Dani Alves geholt. Doch sein Transfer schei­terte. Dani ist viel­leicht der welt­beste Außen­ver­tei­diger. Und trotzdem bin ich regel­mäßig in der ersten Saison zum Ein­satz gekommen. Im Sommer bot dann Chelsea angeb­lich 30 Mil­lionen Euro für Dani. Aber auch diesmal ließ ihn Sevilla nicht ziehen. Das war für mich letzt­end­lich das Zei­chen dafür, dass sich meine Wege und die des FC Sevilla trennen müssen. Wenn sie Dani bei so einem Angebot nicht her­geben, wann dann, fragte ich mich.

Tut es weh, dass Sie in der deut­schen Öffent­lich­keit als ein in Spa­nien geschei­terter Spieler ange­sehen werden?

Ich habe mir bereits vor einiger Zeit ange­wöhnt, nichts zu lesen, was in den Zei­tungen über mich steht. Man sollte ver­su­chen, sich über sich selbst Gedanken zu machen und zu schauen, wo man steht und was man geleistet hat.

Was nehmen Sie aus der Zeit in Anda­lu­sien mit?

Gene­rell war es eine sehr schöne Zeit. Meine Freundin und ich fühlten uns in Sevilla sehr wohl. Wir haben viele Freunde gefunden. Ich habe mich in Spa­nien wei­ter­ent­wi­ckelt.

Auch in fuß­bal­le­ri­scher Hin­sicht?

Auf jeden Fall. Man lernt sehr viel, wenn man mit sol­chen Welt­klas­se­leuten tag­täg­lich trai­niert. Alle Spieler sind extrem ball­si­cher und können einen sehr hohen Rhythmus gehen. Das kann man nicht mit der Bun­des­liga ver­glei­chen.

Dort hätten Sie bei Borussia Dort­mund Ihre neu gewon­nenen Fähig­keiten aus­spielen können. Warum ent­schieden Sie sich gegen den BVB?

Es war keine Ent­schei­dung gegen Dort­mund, son­dern eine für Celtic Glasgow.

Klingt höf­lich, ändert aber nichts an der Tat­sache, dass Dort­munds Sport­di­rektor Michael Zorc stink­sauer war.

Ich kann mich gut in ihn hin­ein­ver­setzen. Ich glaube, eine Falsch­mel­dung war haupt­säch­lich für seinen Ärger ver­ant­wort­lich. Als ich nach Glasgow flog, um mir die Sache dort anzu­schauen, stand im Live-Ticker schon, ich hätte bei Celtic einen Ver­trag unter­schrieben. Aber ich hatte zu dem Zeit­punkt weder bei Dort­mund noch bei Celtic irgend­etwas unter­schrieben. Zu diesem Zeit­punkt war nichts ent­schieden. Es ist doch mein gutes Recht, mir ver­schie­dene Optionen offen zu halten. Immerhin war es eine sehr, sehr wich­tige Ent­schei­dung für meine wei­tere Kar­riere.

Was gab den Aus­schlag für Celtic? War es das Geld?

Nein, sicher nicht. Es waren ver­schie­dene Fak­toren. Auf jeden Fall spielte die Wahr­schein­lich­keit, mit Celtic nächste Saison in der Cham­pions League zu spielen, eine wich­tige Rolle. Und dann ist die Stim­mung im Celtic Park ein­fach fan­tas­tisch. Ein wun­der­schönes Sta­dion. Ich schaute mir auch das neue Trai­nings­ge­lände an und war mächtig beein­druckt. Man spürt sofort, dass der Club absolut pro­fes­sio­nell geführt wird. Nach den Gesprä­chen mit Trainer Gordon Stra­chan hatte ich zudem ein sehr gutes Gefühl. Ich hatte den Ein­druck, dass er mich unbe­dingt haben will.

Was wohl auch daran liegt, dass Stra­chan der­zeit ein Pro­blem auf der rechten Abwehr­seite hat.

Stimmt. Die Spieler, die dafür vor­ge­sehen waren, sind ver­letzt. Das habe ich auch gehört. Das erhöht natür­lich meine Chancen. Mein Ziel ist es, hier regel­mäßig zu spielen und der Mann­schaft zu helfen.

Um Jogi Löw auf Sie auf­merksam zu machen?

Natür­lich würde ich gerne wieder für Deutsch­land spielen. Aber das steht momentan nicht im Vor­der­grund.

Träumen Sie sogar noch von der Euro 2008?

Momentan mache ich mir keine Gedanken zur Euro­pa­meis­ter­schaft. Die Absage für die WM 2006 war der letzte Kon­takt mit dem DFB. Es wäre krank, wenn ich mir jetzt ernst­haft vor­ma­chen würde, ich hätte gute Chancen auf eine EM-Teil­nahme. Ich will hier bei Celtic Glasgow Fuß­ball spielen. Alles andere liegt nicht in meinen Händen.