Andreas Stiene, Sie sind seit jeher mit dem Fuß­ball ver­bunden. Trotzdem dau­erte es lange, bis Sie wirk­lich glück­lich wurden. Warum?
Ich habe bis zu meinem 28. Lebens­jahr in meiner Hei­mat­stadt Essen aktiv in der Lan­des­liga Fuß­ball gespielt und bei der Polizei gear­beitet. Bis dahin habe ich mich und meine Homo­se­xua­lität ver­steckt und zwei Leben geführt. Es ging so weit, dass ich meinen Freund beim Shoppen ver­leug­nete. Dieses Schau­spie­lern hat unglaub­lich viel Energie gekostet.

Wann wurde Ihnen klar, dass sich etwas ändern muss?
Mit knapp 27 Jahren kün­digte ich meinen Job als Kri­mi­nal­kom­missar bei der Polizei. Ich begann einen Neu­an­fang im Bereich Gewerbe-Immo­bi­lien und bin dafür nach Köln gegangen. Dort hatte sich zu diesem Zeit­punkt gerade ein schwules Fuß­ball­team gegründet, für das Spieler gesucht wurden. Vorher hatte ich ganz fest geglaubt, ich sei der ein­zige schwule Fuß­baller auf der Welt. (Lacht.)

Haben Sie sich bei dem Team gemeldet?
Sogar als Erster über­haupt. So bin ich in das Cream-Team-Cologne“ gekommen, das zwi­schen­zeit­lich die beste schwule Fuß­ball­mann­schaft der Welt war. Wir haben zum Bei­spiel 1994 in New York und 1998 in Ams­terdam den WM-Titel bei den Gay Games“ geholt.

In diese Zeit fällt auch die Grün­dung des Come-Tog­e­ther-Cups. Hat Ihnen das Spielen an sich nicht mehr gereicht?
Das schon. Mich hat aber immer ein wenig gestört, dass wir als Schwule immer nur unter­ein­ander gespielt haben. Das wollte ich durch den Come-Tog­e­ther-Cup auf­bre­chen. Als erstes habe ich ein Spiel meiner Mann­schaft gegen die Kölner Poli­zei­aus­wahl mit­or­ga­ni­siert. Wir schafften damals sogar ein Unent­schieden. Viel wich­tiger war aber das Drum­herum. Die Reak­tion meiner Ex-Kol­legen war super positiv. Das hat mich mit dazu moti­viert, meine Idee von einem inte­gra­tiven Cup tat­säch­lich umzu­setzen.

Welche Erin­ne­rung haben Sie an den ersten Come-Tog­e­ther-Cup ?
1995 fingen wir mit zehn Mann­schaften an. Das waren noch aus­schließ­lich Män­ner­teams. Über den Tag hatten wir rund 1.000 Besu­cher, die haupt­säch­lich aus dem Freundes- und Bekann­ten­kreis der Spieler kamen. Gegen Abend war das Publikum in den ersten Jahren fast aus­schließ­lich schwul-les­bisch geprägt.

Und 20 Jahre später?
2013 kamen über 20.000 Besu­cher. Das Publikum ist bunt gemischt und ein großer Teil kommt nicht wegen, son­dern trotz des Fuß­balls, weil wir von Anfang an mehr als ein klas­si­sches Benefiz-Tur­nier auf­ge­boten haben. Es gibt zum Bei­spiel am Abend ein Büh­nen­pro­gramm und einen Bier­garten. Außerdem haben wir heute ein ganz anderes Stan­ding in der Gesell­schaft. Kölner Szene-Gas­tro­nomen über­nehmen bei­spiels­weise ehren­amt­lich die The­ken­dienste, was für uns natür­lich eine große Hilfe ist.

Sie unter­stützen mit einem Teil der Ein­nahmen soziale Pro­jekte. Wohin fließt das Geld?
In erster Linie helfen wir damit dem Rubicon-Bera­tungs­zen­trum“ und dem Jugend­zen­trum anyway“. Beide Pro­jekte setzen sich für Schwule, Lesben, Trans- und Bise­xu­elle in Köln ein.

Gibt es noch Ziele für den Come-Tog­e­ther-Cup?
Zunächst muss ich sagen, dass ich aus pri­vaten Gründen in diesem Jahr das letzte Mal die ganz große Orga­ni­sa­tions-Ver­ant­wor­tung tragen werde. Für die Zukunft des Cups kann ich mir eigent­lich nur wün­schen, dass alles so bleibt, wie es ist. Er muss nicht größer werden. Wir kon­zen­trieren uns aber immer darauf, viele kleine Dinge besser zu machen.

Der Come-Tog­e­ther-Cup findet jähr­lich auf den Jahn-Wiesen vor dem Rhein-Energie-Sta­dion in Köln statt. Dabei treten Frei­zeit­mann­schaften aus unter­schied­lichsten gesell­schaft­li­chen Berei­chen gegen­ein­ander an, um Vor­ur­teile abzu­bauen und Inte­gra­tion zu för­dern. 2014 findet der Come-Tog­e­ther-Cup am 29. Mai statt. www​.come​-tog​e​ther​-cup​.de