Stefan Lorenz, zwi­schen 2005 und 2009 spielten Sie für Rot-Weiss Essen, damals noch im Georg-Mel­ches-Sta­dion. Woran denken Sie, wenn Sie­zu­rück­bli­cken?
Vor allem erin­nere ich mich daran, dass wir seit­lich ver­setzt zur Mit­tel­linie ein­ge­laufen sind. Heute ist es in den meisten Sta­dien so, dass die Mann­schaften auf Höhe der Mit­tel­linie den Platz betreten. Im Georg-Mel­ches-Sta­dion sind wir einmal schräg über das Spiel­feld, auf unsere rot-weiße Wand“ zu. Schon aus dem Spie­ler­tunnel heraus ertönte das Adiole“, was jedes Mal für Gän­se­haut sorgte. Und obwohl das Sta­dion seit den Neun­zi­gern nur noch drei Tri­bünen hatte, war es durch die flache und enge Bau­weise ordent­lich laut.

Was erzeugt sonst noch nost­al­gi­sche Emp­fin­dungen?
Ich erin­nere mich an die Gäs­te­ka­bine. Das war die gefühlt kleinste Kabine der Welt. Die Mann­schaften hockten darin über­ein­ander wie in einem Mau­se­loch. Da hatten viele Gegner schon vor dem Anstoß keine Lust mehr.

Seit Februar 2013 sind Sie zurück im Verein. Wie finden Sie das neue Sta­dion?
Vom alten Hafen­straßen-Charme ist nicht viel übrig. Das ist ein biss­chen schade. Allein wenn ich an den Rasen im Georg-Mel­ches-Sta­dion denke: Der war natür­lich gewachsen und damit auch oft tief. Wenn es dann noch geregnet hatte und das Flut­licht anging, konnte man die 18er-Stollen tragen und die Kar­tof­feln aus der Erde holen. Das ist bei den modernen Rasen und den Normen, die vom DFB vor­ge­geben werden, gar nicht mehr mög­lich. So ist es auch mit dem neuen Sta­dion. Das ist zwar wun­der­schön, aber der Rot-Weiss-Faktor ist noch aus­bau­fähig. So richtig ange­kommen bin ich noch nicht, und einige Fans, behaupte ich mal, auch nicht.

Ein alter Flut­licht­mast steht zumin­dest noch.
Zum Glück. Das neue Sta­dion ist etwas ver­setzt zum alten gebaut. Der übrig­ge­blie­bene Flut­licht­mast steht jetzt auf dem Park­platz hinter dem Sta­dion, der im Moment noch voll­endet wird. Etwas von der alten Spiel­stätte zu bewahren, war den Fans zurecht beson­ders wichtig. Die Masten hat man schon von weitem sehen können, wie ein Wahr­zei­chen. Das neue Sta­dion trägt das Flut­licht im Dach, somit bleibt ein Stück Geschichte erhalten.

Das Sta­dion Essen“ hat die Stadt finan­ziert, der Verein ist nur Pächter. Sind Sie zufrieden mit der Situa­tion?
Wir können uns nicht beschweren. Wir sind aktuell Viert­li­gist. Da liegt es auf der Hand, dass das Sta­dion nicht gänz­lich nach unseren Vor­stel­lungen gebaut werden konnte. Und wir haben noch Glück, dass große Spon­soren, die jeweils Namens­geber einer Tri­büne sind, eben­falls rot als Mar­ken­farbe haben und die Sitz­schalen daher farb­lich zum Verein passen.

Was fehlt zum Glück?
Eine Gast­stätte oder Kneipe direkt am oder im Sta­dion. Ein Ort, an dem die Fans nach dem Spiel noch am Sta­dion bleiben, wo auch die Spieler mal abge­griffen werden können. Die Profis haben im neuen VIP-Bereich zwar ihre Ecke, und das ist auch wichtig, dass sie dort Prä­senz zeigen, aber der Kon­takt zur Fan-Basis geht so ver­loren. Eine Anlauf­stelle wie Mel­ches Hütte“, unweit vom Sta­dion, ist da schon eine Hilfe.

Was ist eigent­lich mit der alten Statue von Boss“ Helmut Rahn pas­siert?
Der Boss“ steht aktuell an der Seu­mann­straße, am Standort unseres Nach­wuchs­zen­trums Breil­manns Wiese“. Und sobald die klei­neren Bau­ar­beiten rund um das Sta­dion abge­schlossen sind, werden wir für die Statue unseres Helmut Rahn, dem berühm­testen Sohn der Stadt, natür­lich einen geeig­neten Platz finden. 

Haben Sie einen Lieb­lings­platz im Sta­dion?
Ich sitze gern so weit oben wie mög­lich. Der Über­blick auf das Spiel­ge­schehen ist da ein­fach besser. Außerdem denke ich immer, dass ich dort irgend­wann unserem Sta­di­on­spre­cher behilf­lich sein kann.

Wie das?
Sein Posten ist nicht unbe­dingt ideal. Die Spre­cher­ka­bine ist zwar schön weit oben, auf Höhe der Logen, aber auch ziem­lich am Rand. Außerdem ist sein Sicht­feld ein­ge­schränkt, wenn er sitzt, kann er nicht richtig auf das Spiel­feld schauen. Und bei Aus­wechs­lungen muss er sich mit einem Feld­ste­cher behelfen, um zu erkennen, wer da über­haupt den Platz ver­lässt. Wenn ihm das irgend­wann mal nicht mehr gelingt, kann ich ihm helfen. (Lacht.)

Kurz vor Sai­son­be­ginn sorgte ein Was­ser­schaden im Keller der Haupt­tri­büne, in der unter anderem auch der Spie­lertrakt unter­ge­bracht war, für Chaos. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie an diesem Tag zur Arbeit kamen?
Zunächst dachte ich an einen schlechten Scherz. Aber irgendwie ist das auch wieder typisch Rot-Weiss Essen. Immer wieder kommen Rück­schläge, aber wir stehen auch immer wieder auf. Die Mann­schaften sind jetzt pro­vi­so­risch in Con­tai­nern unter­ge­bracht und laufen zur­zeit seit­lich auf das Spiel­feld ein. So ähn­lich wie früher. Die Con­tainer sind dafür sehr geräumig, auch wenn ich dafür gewesen wäre, den der Gäste etwas kleiner zu halten.