Seite 4: „Andi Möller an der Gitarre, ich am Keyboard.“

Gab es einen Moment, an dem Ihnen das zu viel wurde.
Nein, Auto­gramme und Fotos waren für mich immer eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, auch wenn die Familie dann eben ohne mich ins Wool­worth gehen musste. Und die Show der Medien haben wir ein­fach mit­ge­spielt. Einmal war ich zur Sai­son­ab­schluss­sen­dung von ran“ ein­ge­laden. Die hatten die Idee, eine Band aus Fuß­bal­lern zusam­men­zu­stellen und im Studio Songs spielen zu lassen. Andi Möller an der Gitarre, ich am Key­board.

Sie können Key­board spielen?
Absolut nicht. Das war Play­back und ich habe ein­fach in die Tasten gehauen wie ein Ver­rückter. Nach dem Lied kam Jörg Won­torra ganz erstaunt zu mir an. Mensch, Klaus, wo hast du das denn gelernt, das ist ja sen­sa­tio­nell.“ Ich bin natür­lich voll drauf ein­ge­stiegen und habe ihm erzählt, dass mein Vater Akkor­deon gespielt hat und ich des­halb hätte Kla­vier lernen müssen. Der nächste Song fing an, und ich legte wieder los. Wonti konnte es gar nicht glauben. Erst als er später selber eine Taste drückte und kein Ton kam, merkte er, dass ich ihn ver­äp­pelt hatte.

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Wit­ters

Sie haben 317 Spiele für St. Pauli bestritten und meh­rere Auf­stiege sowie Klas­sen­er­halts­partys gefeiert. Welche Party war die beste?
Die Auf­stiegs­feier 1995 ist mir noch gut im Gedächtnis. Die Feier ging schon mit dem Platz­sturm der Fans los, später waren wir auf der Ree­per­bahn und fei­erten mit 40.000 Anhän­gern. Wir standen auf einer Empore und sahen all diese glück­li­chen Men­schen. Das war unglaub­lich.

Ist das die Party, bei der auch ein Kleinbus zu Schaden kam?
Nein, das war ein Jahr später. Nachdem wir in Karls­ruhe den Klas­sen­er­halt geschafft hatten, flogen wir nach Hause. In Ham­burg erwar­teten uns schon tau­sende Fans. Ein paar Jungs aus der Mann­schaft hatten dann aus einer Bier­laune heraus die geniale Idee, auf einen Kleinbus zu klet­tern, der am Flug­hafen geparkt war. Kurz darauf stand das halbe Team auf dem Bus und hüpfte. Das Ergebnis war ein Total­schaden, den der Verein dann bezahlen musste.

Nach einem Spiel zu Beginn der Saison 1995/96 prägten Sie den legen­dären Spruch: Es ist ein­fach unheim­lich geil, Bälle in der Bun­des­liga zu halten. Da geht mir voll einer ab.“ War das für alle im Team des Under­dogs so geil?
Wir hatten das Auf­takt­spiel gegen 1860 gewonnen, siegten in Frei­burg und waren Tabel­len­zweiter. Die Euphorie war riesig und ich habe es als Geschenk emp­funden, wieder in der Bun­des­liga zu spielen. Das ganze Team hat dieses Jahr sehr genossen.

Sie haben im Laufe der Jahre mit so vielen typi­schen St. Pauli-Fuß­bal­lern zusam­men­ge­spielt. Wer war denn der ver­rück­teste?
Schwierig. Leo Manzi war sicher­lich ein High­light. Der kam aus Bra­si­lien zu uns, wir haben den neuen Pelé erwartet. Bereits im ersten Trai­ning war aber klar, dass er fuß­bal­le­risch alles andere als bra­si­lia­nisch ist. Ich war sein erster Zim­mer­ka­merad bei uns, er war ein sehr herz­li­cher Mensch. Und die Fans haben ihn geliebt.

1999 erlitten Sie einen Kreuz­band­riss und mussten Ihre Kar­riere beenden. Vorher quälten Sie sich aber noch über ein Jahr für ein Come­back. Ist es als emo­tio­naler Spieler schwie­riger, sich ein­zu­ge­stehen, dass es nicht mehr geht?
Ich wollte spielen, bis ich 40 bin. Als das Kreuz­band riss, war ich 36 und natür­lich habe ich ver­sucht, so lange wie mög­lich an meinem Traum fest­zu­halten. Viel­leicht auch länger als andere. Es hat aber nicht sollen sein.

Klaus Thom­forde, Bälle halten in der Bun­des­liga war geil. Aber bei was geht Ihnen jetzt einer ab?
Ich bin mitt­ler­weile Tor­wart­trainer der U21-Natio­nal­mann­schaft, das treibt mich jetzt an. Wir haben die U21-Euro­pa­meis­ter­schaft vor der Brust, außerdem die Mög­lich­keit, uns für Olympia zu qua­li­fi­zieren. Dafür brenne ich.