Manchmal sage ich im Scherz: Wenn es um dieses Spiel geht, das inzwi­schen schon fast 34 Jahre lang zurück­liegt, müsste ich mich eigent­lich mal behan­deln lassen.“ Denn damit ist eine Geschichte ver­bunden, die mir seither immer mal wieder ein­fällt, wenn davon die Rede ist, dass Fuß­ball­spiele im Kopf ent­schieden werden. Wir hatten 1985 das Hin­spiel im Ach­tel­fi­nale des Uefa-Cups in Düs­sel­dorf mit 5:1 gegen Real Madrid gewonnen und dabei groß­artig gespielt. Aber wir waren gewarnt, weil in der Saison vorher der RSC Ander­lecht mit einem 3:0‑Vorsprung ins Ber­nabeu-Sta­dion gefahren war und dort mit 1:6 ver­loren hatte und aus­ge­schieden war. Zumal das eine extrem gut besetzte Mann­schaft von Real Madrid war, in der Hugo San­chez, Jorge Valdano, Camacho und Emilio Butra­gueno mit­ge­spielt haben.

Außerdem gab es noch eine andere Vor­ge­schichte, denn 1976 hatte schon einmal eine Mann­schaft von Borussia Mön­chen­glad­bach gegen Real Madrid gespielt, sogar im Euro­pa­pokal der Lan­des­meister. Damals war sie vom hol­län­di­schen Schieds­richter Leo­nardus van der Kroft ver­pfiffen worden, der zwei ast­reine Tore aberkannte, einmal wegen einer ver­meint­li­chen Abseits­stel­lung und einmal wegen eines ver­meint­li­chen Hand­spiels. Die Fehl­ent­schei­dungen waren so krass, dass eigent­lich alle davon aus­ge­gangen sind, dass Real den Schieds­richter besto­chen hatte. Also sind wir quasi in his­to­ri­scher Mis­sion nach Madrid gereist, die Mann­schaft von damals zu rächen. Das galt beson­ders für unseren Trainer, denn Jupp Heynckes war noch als Spieler dabei gewesen.

Chris­tian Hoch­stätter

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Nachdem Hoch­stätter 1982 bis 1998 für Borussia Mön­chen­glad­bach spielte, war er dort anschlie­ßend sechs Jahre lang Sport­di­rektor. Später arbei­tete der 57-Jäh­rige als Manager bei Han­nover 96 und dem VfL Bochum.

Mit Tomaten beworfen

Als wir im Ber­nabeu-Sta­dion antraten, passten dort noch fast 100.000 Zuschauer hinein, so ein großes und zugleich enges Sta­dion gab es bei uns in Deutsch­land nicht. Und was wir auch nicht kannten, war, dass unser Mann­schaftsbus auf dem Weg ins Sta­dion mit Tomaten beworfen wurde. Das hat uns schon mal ein­ge­schüch­tert. Wie beein­druckt wir waren, merkte ich, als ich in der Kabine neben Kurt Pinkall.saß. 

Er war berühmt als schnellster Post­bote Deutsch­lands“, weil er sogar zu Beginn seiner Pro­fi­kar­riere noch Post aus­ge­tragen hatte, und sein Mar­ken­zei­chen war, dass er immer ohne Schien­bein­schoner gespielt hat. Doch als wir uns umge­zogen haben, sah ich plötz­lich, wie Kurt sich Schien­bein­schoner unter die Stutzen gesteckt hat, nachdem wir draußen waren und uns den Rasen und das Sta­dion ange­schaut hatten. Also habe ich ihn gefragt: Was ist denn mit dir los, seit wann trägst du denn Schien­bein­schoner?“ Er drehte sich zu mir um und sagte: Du warst doch auch gerade draußen. Ich bin noch zu jung zum Sterben.“ Da habe ich mir gedacht: Oha, was pas­siert denn hier?