Cap­tain Blade, Sie wurden beim Mascot Grand National 2007“ offi­ziell zum häss­lichsten Mas­kott­chen Eng­lands gekürt. Herz­li­chen Glück­wunsch!

Danke. Ich bin wirk­lich stolz. Nachdem sie mir den Pokal über­reichten, schwebte ich über den Wolken aus der Arena. Ein fan­tas­ti­sches Gefühl.

Mit Ver­laub: Sie sind wirk­lich häss­lich. Wer erschafft so eine Kreatur?

Wissen Sie, Schön­heit ist nur ein Wort, ein Hülle. Meine Eltern gebaren mich irgendwie anders. Viel­leicht wurde ich inside/​out“ geboren. Ich weiß es nicht…

Ihre Schön­heit kommt also von Innen…

Genau. Wenn Sie in mich hin­ein­schauen könnten, sähen Sie das Para­dies, eine Schön­heit, für die es keine Worte gibt. Ich bin ein wun­der­volles Wesen.

Uns kam zu Ohren, dass Sie gerne mal neben David Beckham posieren würden. Ein Gerücht?

Nun ja, das wäre sicher­lich ein ganz schönes Bild – the beauty and the beast“. Ich traf übri­gens mal Thierry Henry. Das wäre ja ein ebenso schönes Kon­trast­bild. Als ich ihn sah, ver­folgte ich ihn über das ganze Spiel­feld. Doch leider ließ er sich nicht ein­fangen.

Fristen Sie auf­grund Ihrer unzwei­fel­haften Häss­lich­keit eigent­lich ein iso­liertes Dasein?

Sehen Sie, da liegt der Hund begraben. Jeder denkt, nur weil man häss­lich ist, bekommt man keine Chicks an den Start. In Wirk­lich­keit ist es so: Jede Lady liebt Cap­tain Blade. Manche Grou­pies lieben ihn sogar abgöt­tisch. Das stän­dige Anhim­meln wird mit­unter richtig nervig. Sie können das nicht nach­voll­ziehen. Aber mal ganz im Ver­trauen: Die heu­tigen Mas­kott­chen sind größer als Pop­stars. Und vor allem wich­tiger. Madonna – wer ist das? Puff Daddy? Alles geld­geile Säcke. Cap­tain Blade ist das Maß aller Dinge.

Gewiss, Herr Blade. Sex, Drugs and Rock n Roll, die alte Geschichte. Apropos: Wie sieht es mit dem Rock­laster Alkohol aus?

Nennen Sie mich den Lager-Mann“. Zwei Lager-Bier am Morgen ver­treiben die Sorgen.

Und vor dem Rennen geht es weiter?

Zuge­geben, am Abend vor dem Rennen haben wir ordent­lich auf unserer pri­vaten Hotel­party gebe­chert. Einige halten das natür­lich nicht durch und ver­sagen am Renntag kläg­lich. Übri­gens: Kurz bevor der Start­schuss fiel, ver­haf­tete ich noch ein paar Lager mit Yorkie the Lion“ vom York City Foot­ball­club. Er wurde 54. – von 54. Was mit mir geschah, ist ja hin­läng­lich bekannt.

Sie schli­chen sich aus dem Star­ter­feld kurz vor die Ziel­linie. Nie­mand bemerkte es. Als die anderen Mas­kott­chen das Ziel vor Augen hatten, stürzten Sie sich aus dem großen Zuschau­er­pulk auf die Sprinter. Ein hin­ter­lis­tiges Manöver.

Was soll’s!? Einige von den Jungs waren viel zu schnell unter­wegs. Das sollten sie nicht. Mas­kott­chen wurden nicht dazu erschaffen, so schnell zu rennen. Also habe ich ein­fach ver­sucht, die Schnellsten unter ihnen raus­zu­ki­cken.

Es mutet wie eine ziem­liche Hara­kiri-Aktion an.

Das stimmt. Und das Beste daran war meine gewiefte Taktik: Ich täuschte kurz vor dem Start­schuss eine Ver­let­zung vor und wurde dann auf einer Barre aus dem Star­ter­feld getragen. Nie­mand sah mir hin­terher, die Idioten dachten nur: Gut, einer weniger im Rennen. Die haben wirk­lich geglaubt, ich sei ver­letzt. Ich könnte mich dar­über immer noch sche­ckig lachen.

Sie wurden also an die Seite getragen, stiegen von der Barre und mischten sich unters Volk.

Richtig. Was hätte ich auch tun sollen?

Mit­laufen?

Unter uns: Ich bin zu alt, zu langsam und vor allem: zu fett. Es gab ins­ge­samt neun Rennen – wer alle mit­läuft, der hat sie doch nicht alle.

Wacky Macky Bear haben Sie mit den Body­check-Atta­cken nicht erwischt. Er war den­noch nicht gerade gut auf Sie zu spre­chen, denn Sie hätten ihn bei­nahe den Sieg gekostet. Haben Sie sich ent­schul­digt?

Wie bitte? Ich soll mich ent­schul­digen? Ich habe ihn nicht mal berührt. Er war zu schnell für mich. Das ärgert mich. Aber es stimmt: Nach dem Rennen wird Wacky Macky Bear mich sicher­lich nicht in sein Herz geschlossen haben. Aber mir ist’s egal. Ich werde ihn auch beim nächsten Rennen raus­zu­ki­cken – das heißt: Ich werde es ver­su­chen.

Mal ehr­lich: Sie sind doch nei­disch auf den rasanten Flitzer Wacky Macky Bear.

Über­haupt nicht. Ich ver­mute nur, dass er gar kein Mas­kott­chen ist. Er ist so eine Art Pro­fi­athlet, so ein Typ, der das ganze Jahr trai­niert, nie trinkt, sich vege­ta­risch ernährt und abends die Bio­gra­phie von Wil­liam Shake­speare liest, anstatt wie jeder ver­nünf­tige Eng­länder in den Pub zu gehen. Ein typi­sches Stre­ber­mas­kott­chen. Wett­be­werbs­ver­zer­rung nenne ich das. Mas­sive Wett­be­werbs­ver­zer­rung.

Sie tragen stets zwei Säbel bei sich. Warum haben Sie nicht ver­sucht, Wacky Macky Bear damit zu stoppen?

Sind Sie ver­rückt?! Ich will doch kein Blut ver­gießen. Wir sind echte Männer – das heißt… Moment… manche sind auch Bären, andere Eich­hörn­chen, Löwen, Affen oder Tiger. Da lief sogar eine Kröte mit. Wie auch immer: Wir kämpfen mit Fäusten und Füßen, mit Tatzen und Krallen, aber Säbel… nun, das geht etwas zu weit.

Freuen Sie sich auf The Mascot Grand National 2008“?

Nun, ich frage Sie: Kann man sich auf Prügel freuen? Ich denke, es wird zu hoo­li­g­an­ar­tigen Aus­schrei­tungen kommen, wenn die anderen Mas­kott­chen mich wieder sehen. Aber ich habe ein dickes Fell. Ich hoffe auch darauf, dass die mich nicht noch häss­li­cher kloppen wollen, als ich eh schon bin. Come on boys! Wir sind doch alle Mas­kott­chen.

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Im aktu­ellen 11FREUNDE-Heft kommt Wacky Macky, der pfeil­schnelle Sieger des Wett­ren­nens, zu Wort.