Nils Petersen, Sie haben für Frei­burg in neun Liga­spielen neun Tore geschossen. Ihr Ex-Klub Bremen hat ins­ge­samt erst sieben erzielt. Hat sich Thomas Eichin schon gemeldet?
(Lacht.) Nein, hat er nicht. Hier in Frei­burg läuft es für mich natür­lich gerade super. Es heißt ja, dass Stürmer und Tor­hüter sen­sibel sind und das Ver­trauen brau­chen. Das bekomme ich hier, des­wegen klappt es so gut. Aber auch die drei Jahre in Bremen waren eine geile Zeit. Ich leide auch richtig mit, jetzt wo es bei Werder nicht so läuft.
 
Also erst für Frei­burg knipsen, dann den Ex-Kol­legen eine auf­mun­ternde SMS schreiben?
So in etwa. Ich bin noch zu sehr Werder-Fan, als dass mich die sport­liche Situa­tion dort kalt ließe. Mit vielen der Mit­spieler und Mit­ar­beiter bin ich noch befreundet und schreibe ihnen oder rufe sie an.
 
Ver­missen Sie Bremen sport­lich?
Nein, hier in Frei­burg läuft es zur Zeit ein­fach. Und wäre ich noch in Bremen, hätte ich wahr­schein­lich die vierte Saison in Folge Abstiegs­kampf. Es ist extrem ange­nehm, mal gerne auf die Tabelle zu gucken oder sich nicht zu stressen, wenn man die Spiele der Kon­kur­renten im Fern­sehen ansieht. Auch wenn es eben nicht die erste Liga ist.
 
Sie haben 91 Bun­des­li­ga­spiele und 29 Tore gemacht. Mal pro­vo­kant gefragt: Wieso spielt ein Bun­des­li­ga­stürmer wie Sie in der Zweiten Liga?
Es gab immer einige, die gesagt haben, ich sei zu schlecht für die erste und zu gut für die Zweite Liga. Das halte ich für Quatsch. Ich sehe jede Woche, wie schwer es ist, sich in der Zweiten Liga zu behaupten. Und zwei­tens ist meine Tor­quote in der Bun­des­liga ziem­lich in Ord­nung, vor allem, wenn man bedenkt, dass da viele Kurz­ein­sätze dabei waren.
 
Kommen denn nächstes Jahr ein paar Bun­des­li­ga­tore mit dem SCF dazu?
Naja, ich habe jetzt 91 Bun­des­li­ga­spiele, da wäre es natür­lich ein Traum, die 100 voll­zu­ma­chen. Aber jetzt mache ich erstmal die 100 Zweit­li­ga­spiele voll, und dann nächstes Jahr viel­leicht die 100 Erst­li­ga­spiele. Am liebsten mit Frei­burg. Ich bin ein Mensch, der immer ver­sucht, ein Stück Heimat zu finden, auch wenn das im Fuß­ball nicht immer so ein­fach ist. Aber hier fühlt es sich sehr gut an.
 
Sind Sie ein Spieler, der eher bei klei­neren Ver­einen funk­tio­niert?
Das kann sein. Gerade klei­nere Ver­eine wie damals Cottbus oder nun der SC Frei­burg werden wie eine Familie zusam­men­ge­halten. Da spürt man viel eher, wie wichtig man ist.
 
Sie sind erst seit Anfang des Jahres in Frei­burg, aber es scheint schon eine sehr emo­tio­nale Ver­bin­dung zu sein.
Als ich im Winter nach Frei­burg ging, war es in erster Linie mein Ziel, Spiel­praxis zu sam­meln, um gestärkt nach Bremen zurück­zu­kehren. Dann lief die Vor­be­rei­tung aber nicht so gut, ich saß im ersten Spiel gegen Frank­furt nur auf der Bank und dachte schon: So habe ich mir das nicht vor­ge­stellt.“ Aber zur Halb­zeit kam ich rein und schoss direkt drei Tore. Das war für mich wie ein Dosen­öffner. Plötz­lich lief es, und ich habe ich von Tag zu Tag hei­mi­scher gefühlt. Die Men­schen hier in Frei­burg, der Trainer, mit dem die Zusam­men­ar­beit super war, die Mann­schaft. Und wenn man dann sieht, wie die Fans leiden, schafft das natür­lich eine beson­dere Ver­bin­dung.
 
Das Happy End blieb aller­dings aus, der SCF stieg ab. Hat das die Bin­dung nochmal ver­stärkt?
Ich saß in der Kabine und habe nur noch geheult. Zum einen wegen des Abstiegs. Am vor­letzten Spieltag hatten wir die Bayern geschlagen, und ich war mir sicher, dass wir drin­bleiben. Und dann diese bit­tere Ent­täu­schung am letzten Spieltag in Han­nover, wo wirk­lich alles gegen uns lief. Das ging stark an die Nieren.
 
Und zum anderen?
Ich war unglaub­lich traurig, weil ich dachte, dass ich Frei­burg wieder ver­lassen muss. Das war seltsam. Noch ein halbes Jahr vorher hatte ich mit Frei­burg nichts am Hut und wollte die Leihe ein­fach nur dazu nutzen, den Leuten in Bremen zu zeigen, dass ich wieder eine Haus­nummer bin – was ja auch geklappt hat, ich habe in der Rück­runde neun Tore geschossen. Aber in dem Moment in der Kabine habe ich nur gedacht: Scheiße, jetzt musst du wieder aus Frei­burg weg.“ Die Kauf­op­tion galt ja nur für die erste Liga. Abends trafen wir uns im Sta­dion, wo in einem Fest­zelt die Nicht­ab­stiegs­feier hätte statt­finden sollen. Da bin ich dann direkt offi­ziell ver­ab­schiedet worden. Das war sehr schmerz­haft.