Julian Draxler, Sie wirken fast schon auf­rei­zend ent­spannt. Haben Sie wenigs­tens vor der end­gül­tigen Kader-Nomi­nie­rung einen Moment mal gezit­tert?

Nein, das Selbst­be­wusst­sein habe ich schon. Ich habe ein paar Titel gewonnen in diesem Jahr mit Paris, und ich habe mit der Natio­nal­mann­schaft recht gute Spiele gemacht. Des­wegen war ich auch fest davon über­zeugt, dass ich mit zur WM fahre.

Was meinen Sie, warum fällt es Ihrer Genera­tion, die im vorigen Jahr den Confed-Cup gewonnen hat, so schwer, im Welt­meis­ter­team Fuß zu fassen?

Zum einen ist das zu erklären mit der Stärke der gestan­denen Welt­meister, sie haben nicht nach­ge­lassen seit der WM in Bra­si­lien und sind nach wie vor wich­tige Stützen der Mann­schaft. Und – wer zu den besten elf in Deutsch­land gehören will, muss einen Pro­zess des Rei­fens durch­laufen, von heute auf morgen gelingt das höchst selten. Nehmen Sie mich, bei mir hat das sehr lange gedauert. Seit ich 18 war, bin ich hier dabei. Es hat fünf, sechs Jahre gedauert, bis man sagen kann, dass ich eine Rolle habe, die wichtig werden kann.

Sie kennen sich mit Kon­kur­renz­kampf aus. Im Herbst noch mussten Sie per­ma­nent die Frage beant­worten, ob Sie Paris nicht besser ver­lassen sollten. Ihr Verein hat 400 Mil­lionen Euro für zwei Spieler aus­ge­geben, die auf Ihrer Posi­tion spielen.

Mit der Ver­pflich­tung von Neymar und Mbappé, die Sie anspre­chen, zwei abso­luten Welt­klas­se­spie­lern, musste ich mir erst einmal eine Lücke in der Mann­schaft suchen. Man muss sich mal diese Mann­schaft hin­legen, wie viel Qua­lität da spielt. Aber gut, ich habe mich durch­ge­bissen. Auch wenn ich nicht zufrieden bin, dass ich gegen Real Madrid nur eine kleine, um nicht zu sagen gar keine Rolle gespielt habe.

Sie reden von den Ach­tel­final-Par­tien in der Cham­pions League.

Genau, den eigent­lich wich­tigsten Spielen des Jahres. Der Kon­kur­renz­kampf war extrem hart. Und so spre­chen am Ende ins­ge­samt 47 Ein­sätze, auf die ich gekommen bin, dann doch für sich. Ich nehme viel Posi­tives mit, ich war ver­let­zungs­frei, habe ordent­lich gespielt, ich bin fit für die WM.

In Paris sind Sie not­ge­drungen auf die Achter-Posi­tion aus­ge­wi­chen, im Natio­nal­team sehen Sie sich aber klar links?

Ja, bei der Natio­nal­mann­schaft bin ich in den letzten Jahren in diese Posi­tion rein­ge­wachsen, da habe ich auch meine stärksten Spiele gemacht. Wir haben viele viel­sei­tige Offen­siv­spieler. Thomas Müller kann zen­tral spielen, ganz vorn drin, er kann rechts spielen. Marco Reus kann auch vorn spielen, kann Zehner spielen und links. Ähn­lich ist es bei mir, ich kann auch rechts spielen. Diese Varia­bi­lität ist wichtig, wenn man im Tur­nier etwas ändern muss. Aber ich sehe mich schon klar auf der linken Seite.