Heinz van Haaren gehörte am 17. April 1971 zu den 13 ein­ge­setzten Spie­lern, die in der Glückauf-Kampf­bahn mit 0:1 gegen Arminia Bie­le­feld ver­loren. Die Nie­der­lage der Königs­blauen gegen die abstiegs­ge­fähr­deten Ost­west­falen ging als das erste nach­ge­wiesen ver­kaufte Spiel im deut­schen Fuß­ball in die His­torie ein. Unzäh­lige Anek­doten ranken sich um den Bun­des­liga-Skandal, der damals das jähe Ende einer Schalker Mann­schaft bedeu­tete, die als die beste seit den Zeiten von Fritz Szepan und Ernst Kuzorra galt. Zeit­ge­nös­si­sche Betrachter spre­chen gar von einer Jahr­hun­dert-Elf, dessen Blü­te­zeit an jenem trau­rigen Tag im April bereits endete, ehe sie so richtig begann. Doch das sollte sich erst einige Monate später her­aus­stellen.



Nachdem die Königs­blauen noch im April 1972 vor Gericht bezeugten, von einem ver­scho­benen Spiel nichts gewusst oder gar dafür Geld erhalten zu haben, gab ihr auf­stre­bender Tor­wart Dieter Bur­denski gegen­über DFB-Chef­an­kläger Horst Kin­der­mann den Erhalt von 2.300 DM zu. Die Ver­tei­di­gungs­kette der Königs­blauen war in sich zusam­men­ge­bro­chen. Es folgten jahre- bis lebens­lange Sperren gegen die Sünder, die ange­sichts der anste­henden WM im eigenen Land später in einem Gna­denakt durch die Fuß­ball­funk­tio­näre wieder auf­ge­hoben wurden.

Drei Jahre später erhob auch die Staats­an­walt­schaft Essen Anklage wegen Mein­eids gegen die Schalker Profis, die schließ­lich vor dem Land­ge­richt Essen ein spätes Geständnis ablegten. Heinz van Haaren, der heute 68-jäh­rige Regis­seur der dama­ligen Mann­schaft, reiste zu der ent­schei­denden Ver­hand­lung ohne recht­li­chen Bei­stand an und plä­dierte bis zuletzt auf unschuldig.


Herr van Haaren, es wird kol­por­tiert, Sie hätten Schalke zusammen mit Stan Libuda im Sommer 1972 ver­lassen, um einer bereits abseh­baren Sperre durch den DFB zu ent­gehen. Stimmt das?


Das ist eine der Unwahr­heiten, die sich bis heute gehalten hat. Ich bin damals mit Sicher­heit nicht aus Schalke geflohen. Das wurde in den Medien so ver­breitet, aber das stimmt ein­fach nicht. Schalkes dama­liger Prä­si­dent Günter Sie­bert kam im Früh­jahr 1972 – als von einer Sperre noch gar nicht die Rede war – nach einem Trai­ning auf mich zu und sagte, man hätte über mich abge­stimmt und wollte den Ver­trag mit mir, dem lang­jäh­rigen Stamm­spieler, noch einmal um ein Jahr ver­län­gern. Ich bräuchte aber nicht zu spielen. Ich war zwar bereits 32 Jahre alt, aber dass über mich abge­stimmt werden musste hat mich derart hart getroffen, dass ich zu Sie­bert gesagt habe, ich werde keinen Ver­trag aus­sitzen, son­dern gehe sofort. Zu diesem Zeit­punkt war mit Straß­burg oder einem anderen Verein noch gar nichts klar. Es hätte auch sein können, dass ich ganz mit dem Fuß­ball hätte auf­hören müssen. Aber ich war so gekränkt und erschüt­tert, dass ich auf keinen Fall weiter für Schalke spielen wollte.

Aber es ist doch unge­wöhn­lich, dass mit Libuda und Ihnen gleich zwei unter Ver­dacht ste­hende Spieler ins benach­barte Aus­land wech­selten, wo Sie nichts zu befürchten hatten!


Als mein Wechsel klar war, habe ich Stan sofort bei Racing emp­fohlen. Sie­bert wollte eine ganz junge Mann­schaft auf­bauen, auch Stan galt damals als zu alt. Er spürte das und wollte weg. Später hat Sie­bert ihn wieder zurück­ge­kauft.

Können Sie die Fragen nach dem Bun­des­li­ga­skandal denn über­haupt noch hören?

Im Gegen­teil, die höre ich gerne, weil der Sach­ver­halt für mich bis heute nicht richtig geklärt ist. Es ist eher so, dass die Leute sich gar nicht trauen, mich darauf anzu­spre­chen. Und wenn doch, wie zuletzt geschehen, dann wird das gerne auch schon einmal her­aus­ge­schnitten. Des­halb wird das mein letztes Inter­view sein.

Wie stellte sich denn die Situa­tion um das omi­nöse Spiel aus Ihrer Sicht dar?

Ich hatte zuvor einige Wochen nicht gespielt, weil ich eine Zer­rung hatte. Dann war ich wieder eini­ger­maßen fit. Aber eigent­lich nicht genug, um zu spielen. Aber Trainer Slo­bodan Cendic hat ent­schieden, dass ich auf­laufen soll. Damals war das noch etwas anders. Ich wollte nicht, hatte aber keine Wahl. In der ent­schei­denden Szene nahm unser Ver­tei­diger Hans-Jürgen Gal­bierz den Ball schlecht an. Das Leder sprang ihm vom Fuß, er machte noch eine Grät­sche, aber der Bie­le­felder Gerd Rog­gen­sack war eine Zehn­tel­se­kunde eher da und schoss den Ball ins Tor. Jetzt frage ich Sie: Wie soll man eine Grät­sche so ansetzten, dass man genau einen Augen­blick zu spät kommt? Außerdem traf Aki Lüt­ke­boh­mert in der ersten Halb­zeit Latte und Pfosten. Wären die rein­ge­gangen, hätten wir gewonnen. Der DFB-Ankläger Horst Kin­der­mann hat damals zu uns gesagt, ein Bun­des­li­ga­spieler müsse in der Lage sein, aus 30 Metern absicht­lich Latte und Pfosten zu treffen. Wenn ich mir da heute so man­chen Bun­des­li­ga­stürmer so angucke, kann ich über diese Aus­sage nur lachen.

Aber ihre frü­heren Mit­spieler haben den Erhalt von Geld­zah­lungen doch zuge­geben!

Es haben ja auch Spieler Geld genommen. Aber nicht vor dem Spiel. In der Halb­zeit lag plötz­lich ein Umschlag auf der Reser­ve­bank. Die Hälfte des Betrages soll der Bote übri­gens für seine Dienste bereits ent­nommen und an einer Spiel­bank ver­zockt haben. Die rest­li­chen 20.000 DM wurden dann irgend­wann nach dem Spiel ver­teilt. Aber es wurde weder vor dem Spiel und auch nicht in der Halb­zeit davon geredet, das Spiel absicht­lich zu ver­lieren. Ich habe davon nichts mit­be­kommen. Und ich kann mir auch nicht vor­stellen, dass hinter meinem Rücken etwas abge­laufen ist. Leider hat sich das dama­lige Team aus den Augen ver­loren. Aber wenn wir uns mal sehen, dann bezeugt mir zum Bei­spiel Rolf Rüss­mann noch heute, das Spiel sei nicht ver­schoben gewesen.

Vor Gericht haben er und einige Kol­legen dann aber etwas anderes aus­ge­sagt!

Das mussten sie doch, ihnen blieb gar keine andere Wahl mehr. Die meisten Spieler wie Rüss­mann oder Klaus Fischer waren sehr jung und hatten ganz ein­fach Angst um die Fort­set­zung ihrer Kar­rieren. Der DFB drohte mit emp­find­li­chen Strafen und hatte auch schon einige Exempel sta­tu­iert. Hätten die Spieler die Annahme des Geldes sofort zuge­geben, wäre die ganze Sache nie so eska­liert. Denn es gab keine Schie­bung. Das, was sie später unter unge­heurem Druck aus­sagen mussten, ent­spricht nicht der Wahr­heit, son­dern war nur die Vor­aus­set­zung für die Redu­zie­rung der Sperren. Die Dumm­heit war, das Geld ange­nommen zu haben. Dann haben sie aus Angst gelogen und gelogen. Hätten sie damals gesagt, wie es war, näm­lich dass sie das Geld zwar genommen haben, aber das Spiel nicht ver­kauft war, dann wäre es anders gelaufen.

Den­noch sind auch Sie vom DFB gesperrt und später ver­ur­teilt worden.

Ich war sogar am längsten von allen Spieler gesperrt. Weil ich meine angeb­liche Falsch­aus­sage nicht revi­diert habe, wurde meine Sperre nicht redu­ziert. Dabei habe ich defi­nitiv weder vor noch wäh­rend oder nach dem Spiel Geld ange­nommen. Es gab auch keinen Meineid. Des­halb bin ich auch ohne Rechts­an­walt zum DFB nach Frank­furt gefahren und habe gesagt, dass selbst eine Sperre von einer Sekunde eine Sekunde zu lang wäre.

Und haben sich damit im End­ef­fekt selbst geschadet, oder?

Es ent­sprach meiner Über­zeu­gung. Nach meiner Rück­kehr aus Straß­burg wollte mich Rein­hold Wosab zu Rot-Weiß Lüden­scheid holen. Aber dafür hätte ich mich begna­digen lassen und meine Aus­sagen revi­dieren müssen, denn ich war ja noch gesperrt. Doch das wollte ich nicht, weil ich mir nichts habe zu Schulden kommen lassen. Das wäre für mich wie ein Ein­ge­ständnis gewesen.

Wie war es mit Libuda in Frank­reich?


Stan blühte im Herbst seiner Kar­riere noch mal richtig auf. In den ersten Spielen ver­naschte er seine Gegen­spieler wie in besten Zeiten. Nach drei Begeg­nungen ver­letzte er sich und wurde von Racing zu einer viel zu frühen Rück­kehr ins Team gedrängt. Denn er hatte den Verein, der so dahin­düm­pelte, wach geküsst. Wegen ihm war das Sta­dion plötz­lich aus­ver­kauft. Aber er fand danach nicht mehr zu seiner Form. Als sich dann noch ein Geld­geber zurückzog, war Racing froh, ihn und auch mich nach einem Jahr wieder los zu sein. Auch ich bin dann, trotz eines Zwei­jah­res­ver­trages, nach einer Saison wegen Schwie­rig­keiten beim Bau meines Mehr­fa­mi­li­en­hauses im Gel­sen­kir­chener Stadt­teil Bulmke, in dem wir auch heute noch leben, aus Straß­burg zurück­ge­kehrt. Der Bau­träger glaubte, mich wegen der Ent­fer­nung hin­ter­gehen zu können. Als ich an Weih­nachten zu Besuch kam, lag die angeb­lich schon Wochen vorher ein­ge­baute Hei­zung immer noch vor der Tür. Daher wollte ich wieder vor Ort sein und habe meine Pro­fi­kar­riere dann wegen der noch lau­fenden Sperre beendet.

Eine ähn­liche Situa­tion erlebten Sie 1968 bereits beim MSV Duis­burg.

In Duis­burg stand schon immer wenig Geld zur Ver­fü­gung. Da ich ein gut­gläu­biger Mensch bin, für den Ver­ein­ba­rungen gelten, habe ich dem MSV Zah­lungen gestundet. Mir wurde ver­spro­chen, dass ich das Geld nach einem Ver­kauf von Erwin Kostedde zu Stan­dard Lüt­tich bekommen sollte. Als ich den Ver­ant­wort­li­chen gesagt habe, dass ich nach Schalke wech­seln wollte, wollten sie mich erpressen. Ein Mit­glied der Geschäfts­füh­rung kam zu mir nach Hause und sagte, wenn du gehst, wirst du das Geld, es han­delte sich um eine fünf­stel­lige Summe, nicht sehen. Bleibst du, bekommst du es. Dar­aufhin habe ich ihm gesagt, er soll sofort meine Woh­nung ver­lassen. Ich wollte unbe­dingt wech­seln, denn ich hatte in meiner Kar­riere bis­lang noch nicht viel ver­dient. Und es wurde langsam Zeit, denn ich hatte meinen Berufs­wunsch Tech­ni­scher Zeichner für den Fuß­ball fallen gelassen. Den­noch war die Zeit in Duis­burg vom Zusam­men­halt der Mann­schaft her die schönste in meiner Kar­riere. Wir treffen uns noch heute regel­mäßig.

Vor ihrem Wechsel nach Schalke soll es auch ein Angebot aus Dort­mund gegeben haben?

Ja, der BVB hat mir in letzter Sekunde dop­pelt so viel Gehalt geboten wie Schalke. Und die Borussen haben mir ein Haus gezeigt, das im Rohbau schon fertig war. Das sollte ich bekommen. Aber ich hatte in Schalke bereits zuge­sagt, auch wenn der Ver­trag noch nicht unter­schrieben war.

Gab es Nach­ver­hand­lungen?

Nein, ich hatte mein Wort gegeben.

War der Fuß­ball­beruf ein Traum für Sie?


Ich habe nie geplant, da oben hin­zu­kommen. Aber dann ergab es sich, dass der TSV Marl-Hüls in die Ober­liga auf­ge­stiegen war und einen Links­außen gesucht hat. Obwohl ich vorher kaum Links­außen gespielt habe und eher im Mit­tel­feld zu Hause war, haben sie mich dann ver­pflichtet.

Wie wurde Hüls auf Sie auf­merksam?

Ich kam ja aus Marl und hatte bei den Che­mi­schen Werken Maschi­nen­schlosser gelernt. Eigent­lich wollte ich 1960 zur Inge­nieurs­schule gehen. Meine Eltern haben mir auch dazu geraten. Denn wir haben als Fuß­baller in Hüls nicht viel ver­dient. Das erste Gehalt betrug 40 Mark und stei­gerte sich dann auf 120 und 400 DM. Das habe ich als Maschi­nen­schlosser auch ver­dient. Und die Trainer ver­langten damals schon den vollen zeit­li­chen Ein­satz. Die Aus­übung eines Berufes nebenher war nicht mög­lich. Den­noch wollte ich es unbe­dingt für zwei Jahre pro­bieren. Und dann kam Rudi Guten­dorf nach Hüls. Kaum vor­stellbar, aber Guten­dorf war Trainer in Marl.

Guten­dorf und Sie, das war eine ganz beson­dere Bezie­hung, oder?

Rudi Guten­dorf kam mit völlig neuen Methoden in die fuß­bal­le­ri­sche Pro­vinz und wollte Hüls aus der Ober­liga in die Bun­des­liga führen. Als er sah, dass das nicht mög­lich war, ging er zum MSV Duis­burg und wurde auf Anhieb in der ersten Bun­des­li­ga­saison Vize-Meister. Eigent­lich wollte er mich damals zum MSV mit­nehmen, aber Marl hatte mich nicht frei gegeben. Ein Jahr später bin ich ihm dann nach Mei­de­rich gefolgt. Guten­dorf war ein Trainer, der an die Grenzen ging. Das kam mir ent­gegen. Unsere Wege kreuzten sich dann wieder, als wir in der Saison 1968/1969 mit Schalke im Abstiegs­kampf standen. Sie­bert fragte uns, wen wir uns nach der Ent­las­sung von Günter Bro­cker als Trainer vor­stellen könnten. Ich habe Guten­dorf vor­ge­schlagen, das war unsere Ret­tung. Wir standen an zweit­letzter Stelle und dann ging es sofort auf­wärts. Wir waren dann die beste Rück­run­den­mann­schaft und kamen als Pokal­fi­na­list sogar in den Euro­pa­pokal.

Mit wel­chen Mit­teln arbei­tete Riegel-Rudi?


Guten­dorf war damals bereits ein Welt­mann. Er hat anders trai­niert, als alle anderen Trainer. Knall­hart, er hat immer ein paar Übungen gehabt, bei denen man bis an seine Grenze gehen musste. Das ver­misse ich heute manchmal. Da wird zwei Stunden trai­niert, aber keiner geht an seine Grenzen. Wie soll man das dann im Spiel können?

Sie konnten es?

Wir konnten es. In seinem ersten Spiel als Schalker Trainer spielten wir gegen Frank­furt. Guten­dorf sagte uns, wir sollten den Frank­furter Spie­lern nicht die Hand geben und ja nicht freund­lich gucken. Die sollten sofort sehen, dass wir gewinnen wollen. So hat er uns moti­viert. Ich habe in diesem Spiel zum ersten Mal in meinem Leben gegrätscht. Wir haben die Partie mit 2:0 für uns ent­schieden. Mal wurden Tri­kots ver­brannt, mal mussten wir in der Trab­renn­bahn gegen Pferde antreten. Alles hat funk­tio­niert, wir haben ihm nachher fast alles geglaubt. Aber er war auch ein biss­chen ver­rückt. Weil ich mich wegen einer Ver­let­zung im Pokal­end­spiel 1969 gegen die Bayern aus­wech­seln lies, redete er auf der ganzen Rück­fahrt und eine Woche danach kein Wort mehr mit mir. Er gab mir die Schuld an der Nie­der­lage.

Bereits Legende ist sein Trai­ning vor den Toren der Zeche Consol.


Es war inhalt­lich nichts beson­ders. Aber er hat uns um fünf Uhr mor­gens aus dem Bett gescheucht und wir haben zu Beginn der Früh­schicht vor den Zechen­toren Gym­nastik gemacht. Er hat uns Spie­lern gezeigt, dass wir genauso hart arbeiten müssen, wie die anderen Men­schen, die tag­täg­lich zur Arbeit gehen. Und die sollten auch sehen, dass wir bereit sind, das letzte für Schalke zu geben. Wir haben dann noch einen kleinen Kanal­lauf absol­viert und waren dann nach einer Stunde wieder in der Kabine. Aber das Ziel war erreicht.

Nach ihrer aktiven Kar­riere sind Sie Mas­seur geworden.

Eigent­lich wollte ich Trainer werde. Ich habe mit dem Prä­si­denten Dr. Hütsch aus­ge­macht, dass ich als neben­be­ruf­li­cher Jugend­trainer anfange und wäh­rend dieser Zeit meine Fuß­ball­leh­rer­aus­bil­dung absol­viere. Dann ist er leider ver­storben. Wir hatten ein Kon­zept auf­ge­stellt, nur noch Spieler aus der näheren Umge­bung zu holen und zu för­dern. Sie­bert kam wieder und wollte davon nichts mehr wissen. So blieb die Deut­sche Meis­ter­schaft 1978 mit der B‑Jugend und einem über­ra­genden Wolfram Wuttke mein ein­ziger Titel als Trainer mit Schalke. Danach habe ich mich auf meinen Beruf kon­zen­triert.

Warum sieht man Sie so selten in der Arena?

Ich gehe schon noch hin. Aber ich habe ein wenig den Spaß am Fuß­ball ver­loren. Die Ver­eine holen heute schon Jugend­liche aus Bra­si­lien. Das ist nicht mehr meine Welt. Mit der Schule im Berger Feld ist Schalke da aller­dings auf einem guten Weg. Und was mir noch nicht gefällt. Warum sind die Spieler nicht mal ein biss­chen dank­barer. Das ist der Job ihres Mit 32 Jahren können die doch ent­scheiden, ob sie zur Uni gehen oder ein Leben lang Urlaub machen.

Sie haben erst vor wenigen Jahren Ihre Praxis an Ihren Sohn Andre, der auch die zweite Mann­schaft der Schalker als Phy­sio­the­ra­peut betreut, abge­treten. Auch heute, mit 68 Jahren, helfen Sie dort noch ab und zu aus. Stünden Sie gerne noch mal am Anfang Ihrer Kar­riere?


Wenn ich sehe, was heute so läuft, muss ich sagen, dass ich dankbar bin, dass ich zu meiner Zeit spielen durfte. Denn das gefällt mir gar nicht mehr. Früher war Fuß­ball Lebens­in­halt, heute ist er zur Show ver­kommen. Meine Frau sagt immer, als Spie­ler­frau könnte Sie heute noch nicht einmal im Jog­ging­anzug den Müll runter bringen, aus Angst foto­gra­fiert zu werden. Außerdem, wo spielen denn heute noch Kinder Fuß­ball? Wir haben früher nach der Schule so lange gekickt, bis es dunkel wurde. Und meis­tens dort, wo unsere Eltern uns nicht finden konnten, denn wir hatten ja unsere Haus­auf­gaben noch nicht gemacht. Heute sind die Kinder oft zu faul, mal einem Ball hin­terher zu laufen. Hier kann nur über die Schulen etwas geän­dert werden.

Warum sind Sie eigent­lich nie Natio­nal­spieler geworden?

Mein Vater, der auch schon in Deutsch­land geboren wurde, war Nie­der­länder. Obwohl ich meine Ver­wandt­schaft dort bis heute nicht kenne, wurde ich das dann auto­ma­tisch auch. Dabei war ich zum ersten Mal in meinem Leben in Hol­land, als mich der deut­sche Bondscoach Georg Kessler wäh­rend meiner Duis­burger Zeit zu einem Pro­be­trai­ning einlud.

Warum hat es nicht geklappt?

Er wollte mich haben, machte aber zur Vor­aus­set­zung, dass ich zu Feye­noord Rot­terdam oder Ajax Ams­terdam wechsle. Kessler wollte keine Spieler aus dem Aus­land. Doch das kam für mich nicht in Frage. Meine Heimat war hier, was sollte ich dort? Damit war meine Natio­nal­mann­schafts­kar­riere schon beendet, bevor sie über­haupt begonnen hat. Nur für Willi Ente“ Lip­pens hat er eine ein­zige Aus­nahme gemacht. Doch auch er durfte nur einmal spielen.

In Gel­sen­kir­chen ist der Name van Haaren nicht nur als Spieler ein Begriff. Über dem berühmten Tabak­wa­ren­ge­schäft von Ernst Kuzorra an der Kurt-Schuh­ma­cher-Straße prangte lange Jahre der Schriftzug Van Haaren/​Nowak“!

Stan Libuda hatte 1975 das Geschäft von Ernst Kuzorra nach seiner Kar­riere über­nommen. Doch die Tätig­keit als Ver­käufer lag ihm nicht. Weil es nicht lief, wollte er es dann wieder abgeben. Dann hat Ernst Kuzorra mich gefragt, ob ich den Tabak­wa­ren­laden wei­ter­be­treiben wolle. Ich war aber beruf­lich schon so ein­ge­spannt, dass ich es nicht rea­li­sieren konnte. Meine Frau und ihr Bruder Gerd Nowak haben das Geschäft dann wei­ter­ge­führt. Seit einigen Jahren betreibt mein Schwager den Handel alleine.