Seite 5: „Ich will den Schwung nach Spielen mitnehmen“

The­men­wechsel: Wie klappt eigent­lich das WG-Leben mit Ihrem Co-Trainer Alex Zickler?
Ganz lässig. Wir wohnen in einem Haus, da können wir uns aus dem Weg gehen oder, wenn wir Lust haben, auch etwas zusammen machen. Wir sind ja beide ohne unsere Fami­lien nach Mön­chen­glad­bach gekommen.

Wie unter­scheidet sich die Wohn­ge­mein­schaft von der, die Sie mit Sandro Schwarz in Mainz unter­hielten?
Allein vom Alter her. Zu Mainzer Zeiten waren Sandro und ich oft unter­wegs und hatten viel Spaß. Zico“ und ich sind nun etwas älter und gehen ent­spre­chend weniger aus. Dazu fehlte bis jetzt auch die Zeit. Wir waren mit unserem Staff bis­lang erst einmal essen.

Wie läuft das in Fuß­baller-WGs: Werden da Salz­streuer zu tak­ti­schen For­ma­tionen auf­ge­stellt?
Noch nie. Sandro und ich haben zuhause höchs­tens gemeinsam Kraft- und Dehn­übungen gemacht.

Sie haben mal gesagt, das Schönste an Ihrem Beruf seien Siege. Ottmar Hitz­feld gab als Bayern-Trainer zu, ihm sei irgend­wann die Fähig­keit abhanden gekommen, sich an Siegen zu erfreuen. Sobald der Schieds­richter abpfeife, so Hitz­feld, habe er ange­fangen, übers nächste Spiel nach­zu­denken. Können Sie sich das vor­stellen?
Natür­lich, denn genauso ist es. Des­wegen ver­suche ich, Wege aus dieser Schleife zu finden und das Gefühl, eines Sieges bewusst aus­zu­kosten, auch wenn drei Tage später schon das nächste Spiel wartet.

Welche Stra­te­gien haben Sie dafür?
Wenn ich nach Spielen nach Hause komme, mache ich mir schon mal ein Bier auf und ver­suche, den Augen­blick zu genießen. Ich will den Schwung mit­nehmen. Des­wegen schaue mir bewusst am Abend kein Video des Spiels mehr an. Denn am nächsten Tag, das weiß ich, bin ich wieder im Hams­terrad: Wie spielt der nächste Gegner? Was sagt die Reha-Abtei­lung, wer kommt zurück? Das sind nun mal ange­lernte Denk­muster.

Nach dem 0:4 in Wolfs­berg haben Sie aller­dings nachts noch eine Video­ana­lyse mit dem gesamten Trai­ner­team gemacht.
Weil es eine Son­der­si­tua­tion war. Wir mussten sofort han­deln, mit der Mann­schaft so schnell wie mög­lich die Fehler bespre­chen, um nicht in eine Negativ-Schleife zu geraten. Am nächsten Morgen, das war klar, mussten wir das Thema abhaken und mit fri­schen Köpfen in die Vor­be­rei­tung aufs nächste Spiel ein­steigen. Denn das Aller­wich­tigste im Fuß­ball ist: das nächste Spiel zu gewinnen und positiv zu bleiben.

Stich­wort: Siege und Jäh­zorn. Was pas­siert, wenn Michael Thurk, Sandro Schwarz und Marco Rose im gemein­samen Urlaub Boccia spielen?
Ich hoffe, dass das Hotel in Abu Dhabi, in dem wir im Winter waren, uns nicht noch nach­träg­lich die feh­lende Kugel in Rech­nung stellt.

Was war denn da los?
Eigent­lich spielen wir zusammen Boccia, weil es Spaß bringt. Aber irgend­wann wird’s dann ernst, wenn es ums Gewinnen geht. Und dann kommt es vor, dass ein Spieler seine Kugel wütend im Kanal ver­senkt.

Und wie lautet der Name dieses Spie­lers?
Es wird wohl einer von uns Dreien gewesen sein.

Michael Thurk hat gesagt, Sie seien ein netter Kerl, ein guter Trainer, aber an Ihren Boccia-Qua­li­täten müssten Sie noch feilen.
Aber viel­leicht waren es genau diese Qua­li­täten, die dafür gesorgt haben, dass ein anderer seine Kugel im Wasser ver­senkt hat.