Seite 3: „Man hatte den Eindruck hinter der Kovac-Entlassung stecke Methode“

Ver­gan­gene Saison stand die Borussia defensiv oft wenig kon­stant. Inzwi­schen bleibt Ihr Team sogar in der Drei­er­kette ohne Gegentor. Warum hat der Kader Ihre Spiel­phi­lo­so­phie so rasant ver­in­ner­licht?
Uns war bewusst, dass wir ein Team über­nehmen, das über Jahre einen anderen Stil prä­fe­riert hat. Es wurde vorab von Jour­na­listen gemut­maßt, dass einige allein von der Geschwin­dig­keit über­for­dert sein könnten, unseren Fuß­ball anzu­nehmen. Aber wir sind auf einen unglaub­lich wil­ligen Kader gestoßen. Wir haben eine Mann­schaft, die zuhört, umsetzt und nicht gleich umfällt, wenn Dinge nicht auf Anhieb funk­tio­nieren. Natür­lich hatte der eine oder andere Pro­bleme, aber ab Sai­son­start hatten wir das Glück, Ergeb­nisse ein­zu­fahren, obwohl wir von der Spiel­weise noch gar nicht da waren, wo wir hin­wollen. Und irgend­wann im Oktober hat es gefühlt Klick gemacht – was da der Aus­löser war, kann ich selbst gar nicht so genau sagen.

Können Sie beschreiben, wie Sie die Auf­gabe in Glad­bach ange­gangen sind?
Ich glaube, ich konnte sehr rea­lis­tisch ein­schätzen, was die Chancen und die Risiken bei dieser Auf­gabe sind. Mir war klar, dass es sehr ambi­tio­niert ist, was wir vor­haben, aber ich emp­fand es als große Her­aus­for­de­rung her­aus­zu­finden, ob wir unsere Spiel­idee auch hier an den Mann bringen können und ob wir hier auch als Typen ankommen.

Wie tastet man sich an so eine Auf­gabe ran?
Einige Spieler habe ich schon aus dem Urlaub ange­rufen, damit sie mich ein­fach mal hören.

Wen denn?
Das möchte ich nicht sagen. Mit ein, zwei Jungs bin ich nach meiner Ankunft essen gegangen, mit anderen habe ich Ein­zel­ge­spräche geführt. Aber ich habe das nicht im Detail vor­be­reitet, denn die echten Auf­gaben stellen sich ohnehin erst in der täg­li­chen Arbeit.

Im Sommer galten Sie als einer der begehr­testen Trainer auf dem Markt. Jürgen Klopp sagte medi­en­wirksam, er würde ständig auf Sie ange­spro­chen werden.
Ich selbst habe mich nie gehypt. Es stimmte auch nicht alles von dem, was in den Zei­tungen stand. Heute wird im Fuß­ball aus allem noch mal zwanzig, dreißig Pro­zent mehr gemacht. Das Pro­blem ist nur, dass ich mich nun ständig dazu äußern soll.

Haben Sie denn eine Erklä­rung?
Nein. Ich ver­suche, meine Arbeit gut zu machen, aber ich bin mir auch der Risiken in meinem Job bewusst. Schließ­lich wird mir ständig, wie im Fall von Niko Kovac, vor Augen geführt, wie es auch laufen kann.

Wie meinen Sie das?
Mich hat die Bere­chen­bar­keit seiner Ent­las­sung scho­ckiert. Man hatte den Ein­druck, dass teil­weise Methode dahinter steckt. Des­halb: Hut ab vor Niko, ich fand es her­aus­ra­gend, wie er das ein­ein­halb Jahre als Trainer und Mensch durch­ge­zogen hat.

Dem­nach leben Sie in dem Bewusst­sein, dass auch für Sie der Tag der Ent­las­sung irgend­wann kommt?
Ich warte nicht darauf und mache mir auch nicht zu viele Gedanken dar­über, aber ja, der Tag kann kommen.

Hätten Sie tat­säch­lich die Chance gehabt, im Sommer Trainer bei Man­chester United zu werden?
Ich habe das auch gelesen, keine Ahnung, ob ich da auf irgend­einer Liste stand, aber es haben keine Gespräche zwi­schen mir und dem Verein statt­ge­funden. Ich weiß auch nicht, ob mein bes­seres Schul­eng­lisch aus­reicht, um dort meine Art von Fuß­ball an den Mann zu bringen. (Lacht.)

Welche Fremd­spra­chen haben Sie besser drauf?
Säch­sisch.

Welche kon­kreten Ange­bote gab es denn?
Ein paar Optionen gab es tat­säch­lich, einige Gespräche habe ich auch geführt, aber ich habe mich sehr bewusst für Borussia ent­schieden.