Seite 2: „Ich bin schon sehr detailverliebt“

Was muss pas­sieren, damit es so weit kommt?
Ich war damals mit meiner Situa­tion, den Spiel­zeiten unzu­frieden und habe das im Trai­ning kund­getan. Aber ich habe damals schon rea­li­siert, dass solche Ver­hal­tens­weisen weder mich noch die Mann­schaft wei­ter­bringen. Als Trainer helfen mir heute diese Erfah­rungen, weil ich nach­voll­ziehen kann, wie Spieler emp­finden und warum es zu Aus­ras­tern kommt. Ich erwarte aber auch, dass ein Spieler, der aus der Rolle fällt, es als Fehler erkennt und die ent­spre­chende Reak­tion zeigt. Was solche Situa­tionen betrifft, bin ich nicht nach­tra­gend.

Jürgen Klopp hat schon 2004 nach dem Auf­stieg mit Mainz 05 zu Ihnen und Sandro Schwarz gesagt: Jungs, Ihr werdet mal Trainer.“ Sind Sie Brüder im Geiste?
Kann sein, dass er damals Eigen­schaften erkannt hat, die uns dafür qua­li­fi­zieren könnten. Aber an dem Abend hatten wir alle schon einige Getränke intus.

Wie ist es, wenn Sie auf den viel­leicht noch jäh­zor­ni­geren Thomas Tuchel treffen?
Ich schätze Thomas sehr, aber wir hatten in Mainz nicht so viele Schnitt­punkte, weil ich zu seiner Trai­ner­zeit sehr viel ver­letzt war.

BVB-Spieler Julian Weigl beklagte sich bei Tuchel einmal, dass er ihm nicht jeden Schritt im Trai­ning detail­liert erklären solle, weil er sonst ver­krampfe. Wie viele Vor­gaben machen Sie?
Ich bin schon sehr detail­ver­liebt, aber meine Ansprache hängt sehr vom Spie­ler­typen ab. Es gibt Profis, die wollen viele Infos, andere musst du laufen lassen. Gene­rell ist mein Ein­druck, dass Spieler eine klare Vor­gabe brau­chen. Wenn uns in der Video­ana­lyse aber auf­fällt, dass die Jungs ohne vor­he­rige Absprache in ihren Lauf­wegen kreuzen und Dinge intuitiv tun, die gut sind, kri­ti­sieren wir das auch nicht nach­träg­lich, nur weil es nicht den Vor­gaben ent­sprach.

Heißt aber, in Ihrem Spiel ist für Indi­vi­dua­listen nur bedingt Platz?
Fuß­ball ist ein Mann­schafts­sport, es geht nur übers Kol­lektiv. Gegen den Ball ist es mir schon sehr wichtig, dass wir gemeinsam arbeiten. Da wäre es schwierig, wenn zwei, drei aus der vor­ge­ge­benen Ord­nung aus­bre­chen. Aber mit dem Ball lebt das Spiel auch von unge­planten Dingen und davon, dass die Jungs eigene Ent­schei­dungen treffen. Und wenn ich einen habe, der Spiele wie Mara­dona oder Messi allein ent­scheiden kann, muss ich dem auch die Frei­heit geben.

Wer sind denn Ihre Unter­schieds­spieler?
Viel­leicht nicht in der Kate­gorie von Messi und Mara­dona, aber Alas­sane Pléa ist schon einer, der Frei­heiten braucht, wenn er am Sech­zehner für Tor­ge­fahr sorgen soll. Auch Lars Stindl ist indi­vi­duell sehr stark, aber der braucht gar keine Son­der­rolle, weil er von Hause aus ein­fach Team­player ist. Es geht ein­fach darum, die indi­vi­du­ellen Stärken der Spieler fürs Team gewinn­brin­gend ein­zu­setzen.