Seite 4: „Abschieben, abschieben!“

Das ist viel­leicht das Absurde an der Situa­tion in Grana. Dass die Soli­da­rität von außen gut tut, weil man so lange mit dem Pro­blem allein war. Dass es schön ist, wenn end­lich aner­kannt wird, was sie hier auf­ge­baut haben. Dass sie ande­rer­seits aber nichts lieber wollen, als wieder ganz normal Fuß­ball zu spielen.

Doch der Gang zurück in die Nor­ma­lität ist nicht ein­fach. Beim nächsten Punkt­spiel, wenige Tage nach dem Tur­nier, ist er geprägt von den Pöbe­leien der geg­ne­ri­schen Fans. Abschieben, abschieben!“, schallt es über den Platz in der Käthe-Koll­witz-Sied­lung in Zeitz.

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Bild: Nils Stelte
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Das ist viel­leicht das Absurde an der Situa­tion in Grana. Dass die Soli­da­rität von außen gut tut, weil man so lange mit dem Pro­blem allein war. Dass es schön ist, wenn end­lich aner­kannt wird, was sie hier auf­ge­baut haben. Dass sie ande­rer­seits aber nichts lieber wollen, als wieder ganz normal Fuß­ball zu spielen.

Doch der Gang zurück in die Nor­ma­lität ist nicht ein­fach. Beim nächsten Punkt­spiel, wenige Tage nach dem Tur­nier, ist er geprägt von den Pöbe­leien der geg­ne­ri­schen Fans. Abschieben, abschieben!“, schallt es über den Platz in der Käthe-Koll­witz-Sied­lung in Zeitz.

In der Gäs­te­ka­bine schwört Trainer Mario Schet­ting seine Mann­schaft ein und richtet das Wort auch an Jawara. Was sagt man einem Spieler wie ihm in solch einer Situa­tion? Schet­ting hält es kurz: Die werden ver­su­chen, dich zu pro­vo­zieren. Bleib ruhig, lass dich nicht ärgern. Das ist das Wich­tigste.“ Auch Kapitän Heger spricht zum Team: Jungs, es ist viel pas­siert in letzter Zeit, das brauche ich euch nicht zu sagen. Heute kicken wir wie ein Mann für Momo. Und jetzt geht da raus und spielt Fuß­ball!“ Die becken­baue­r­eske Ansprache wird mit einem kol­lek­tiven Stampfen der Stol­len­schuhe quit­tiert.

Hier habe ich Deut­sche ken­nen­ge­lernt, die lachen“

Neunzig Minuten plus eine Halb­zeit­pause später haben die Männer von Blau-Weiß Grana mit 2:4 ver­loren. Spie­le­risch die bisher schlech­teste Sai­son­leis­tung“, kon­sta­tiert Trainer Schet­ting resi­gniert. Seine Jungs haben erkennbar mit ange­zo­gener Hand­bremse gespielt, vor allem die Spieler aus Afrika und Asien wirkten gehemmt. Und gehen sie dann doch einmal schneidig in einen Zwei­kampf, wird es von draußen gleich laut: Na, da seht ihr es doch!“ Längst nicht von allen und nicht von den Spie­lern des VfB Zeitz. Aber von denen, deren Stimmen am meisten durch­dringen.

Momo denkt der­weil schon länger übers Auf­hören nach. Er wollte sowieso höchs­tens noch ein Jahr spielen. Jetzt droht ihm die mög­liche Sperre dieses Jahr zu nehmen. Und für einen anderen Verein als für Grana auf­zu­laufen, das kann er sich nicht vor­stellen. Hier habe ich Deut­sche ken­nen­ge­lernt, die lachen“, sagt er, und die mit mir reden wie mit einem nor­malen Men­schen.“

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