Seite 3: „Als Fußballfans tragen wir eine gesellschaftliche Verantwortung“

Nicole Mauch hat fünf Kinder, und weil es so viele sind, brau­chen sie ein ver­nünf­tiges Hobby. Am besten Fuß­ball. Vor Kurzem ist die Zeit­zerin mit Mann und Kin­dern zum SV Blau-Weiß Grana gewech­selt. Im frü­heren Verein sei das Enga­ge­ment der Familie immer wieder aus­ge­bremst worden. Bei Grana hat sie einige Wochen nach dem Spiel gegen Löbitz eine Art anti­ras­sis­ti­sches Fuß­ball­tur­nier orga­ni­siert, um ein Zei­chen gegen die Hetze zu setzen“.

Ihr Sohn Felix schießt im Finale des Kin­der­tur­niers das Siegtor. Ein Erfolgs­er­lebnis, das er gut gebrau­chen kann. Nachdem die Familie zu Grana gewech­selt ist, wurde Felix in der Grund­schule gehän­selt, erzählt Mauch. Bei einer Geburts­tags­feier kam es richtig dicke. Die Eltern des Geburts­tags­kindes zeigten Felix Bilder auf ihren Handys. Darauf zu sehen: offene Brüche und andere schwere Fuß­ball­ver­let­zungen, wahllos aus dem Internet zusam­men­ge­sucht. Die Eltern aber sagten zu Felix: Das war der Momo, der bei euch spielt.“ Felix konnte tage­lang nicht schlafen.

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Bild: Nils Stelte

Als Fuß­ball­fans tragen wir eine gesell­schaft­liche Ver­ant­wor­tung“

Das Geld für das von Mauch orga­ni­sierte Tur­nier kommt aus einer Spen­den­kam­pagne. Auf dem Höhe­punkt der Anfein­dungen gegen den SV Blau-Weiß Grana rief Kapitän Heger seinen Cousin Fabian Weiß­barth in Berlin an. Der arbeitet für die SPD und machte die Geschichte über Twitter bekannt. In der Folge soli­da­ri­sierten sich Par­tei­größen wie Heiko Maas und Katha­rina Barley mit dem Verein. Dass sich so viele Men­schen für Grana ein­ge­setzt haben, liegt auch an Bakery Jatta“, ver­mutet Weiß­barth. Die Leute waren sen­si­bi­li­sierter für das Thema Ras­sismus im Fuß­ball.“

Mit seinem Kumpel, dem Juso-Vor­sit­zenden Kevin Küh­nert, schaut er sich gerne mal ein Spiel von Arminia Bie­le­feld an. Seine eigent­liche Liebe aber gilt den unteren Ligen – je mehr Rum­pel­füßler, desto besser. Als Fuß­ball­fans tragen wir eine gesell­schaft­liche Ver­ant­wor­tung“, sagt Weiß­barth. Umso mehr freut es ihn, dass zum Tur­nier Anhänger des VfL Halle ange­reist sind. Sie haben darauf ver­zichtet, zum Aus­wärts­spiel des eigenen Ver­eins zu fahren, und wollen lieber Grana unter­stützen.

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Bild: Nils Stelte

Höhe­punkt des Fuß­ball­festes sollte ein Punkt­spiel gegen die zweite Garde der SG Osterfeld/​Meineweh werden, doch die Gäste sagen ab. Beim Auf­wärmen soll sich ein Spieler ver­letzt haben, über­haupt sind nur sieben Feld­spieler ange­reist. Absicht will Björn Koch nie­mandem unter­stellen, den­noch bleibt ein bit­terer Nach­ge­schmack“. Gekickt wird trotzdem: Eine bunte Truppe, haupt­säch­lich bestehend aus Halle-Fans, for­dert Grana heraus. Auch Momo ist mit dabei, selbst wenn es nicht das erhoffte regu­läre Come­back ist. Nach der Partie gibt es eine rau­schende Feier mit Frei­bier. Einige Spieler schlafen auf den harten Bänken in der Kabine des Ver­eins­hauses, um am nächsten Tag pünkt­lich für die zweite Mann­schaft auf­zu­laufen. Schließ­lich dürfe der Spiel­be­trieb nicht ver­nach­läs­sigt werden, sagt Kapitän Heger.