Hansa Ros­tock kämpft um seine Exis­tenz. Die Meck­len­burger stehen in der Dritten Liga auf einem Abstiegs­platz, ein Absturz in die Regio­nal­liga könnte den finan­zi­ellen Kol­laps bedeuten. Ver­hin­dern soll dies Chris­tian Brand. Der ehe­ma­lige Bun­des­li­ga­profi wurde Anfang Dezember, wenige Tage nach seinem Raus­wurf bei Jahn Regens­burg, als Nach­folger von Trainer Karsten Bau­mann prä­sen­tiert. Im Gespräch mit 11FREUNDE redet der 43-Jäh­rige über die Pro­bleme in Regens­burg, das erste Abtasten mit dem neuen Team und die Erwar­tungs­hal­tung an Fuß­ball­trainer.

Chris­tian Brand, Sie haben eine tur­bu­lente Zeit hinter sich. Bei Jahn Regens­burg wurden Sie im November 2015 trotz Tabel­len­füh­rung in der Regio­nal­liga ent­lassen, nachdem Sie in den vor­an­ge­gan­genen sieben Spielen nur sechs Punkte geholt hatten. Wenige Tage später unter­schrieben Sie bei den abstiegs­ge­fähr­deten Ros­to­ckern. Wieso tun Sie sich das an?
Weil ich Fuß­ball liebe. Das ist alles. Mich fas­zi­niert der Sport, und mich fas­zi­niert die Arbeit mit einem Team. Klar hätte ich auch nichts dagegen gehabt, Hansa als Tabel­len­dritter zu über­nehmen, aber das ist nun mal nicht so. Zuge­geben, Regens­burg war eine schwie­rige Zeit, aber sie hat total Spaß gemacht. Es geht nicht immer nur bergauf, und es ist nicht immer nur Son­nen­schein – aber wenn man als Trainer arbeitet, muss man sich mit diesen Gege­ben­heiten abfinden.

Haben Sie keine Angst, als ver­brannt abge­stem­pelt zu werden, sollte Hansa unter Ihrer Regie absteigen? Die Zukunft des Ver­eins steht mög­li­cher­weise auf dem Spiel.
Mit sol­chen Dingen beschäf­tige ich mich nicht. Ich mache diesen Job aus voller Über­zeu­gung.

Ver­spüren Sie keinen Druck?
Ich ver­spüre nie Druck. Natür­lich ist mir der Ernst der Lage bewusst, der Trai­nerjob hier ist eine sehr große Auf­gabe, bei der ich eine Menge Ver­ant­wor­tung trage, aber ich ver­schwende keinen Gedanken daran, dass ich schei­tern könnte. Auf der anderen Seite bin ich aber auch kein Maso­chist, der sagt: Geil, ich muss unbe­dingt nach Ros­tock, die stehen auf einem Abstiegs­platz“.

Als Sie 2014 in Regens­burg anfingen, sagten Sie: Für mich ist es eine ein­fache Situa­tion, weil ich nur gewinnen kann.“ Gehen Sie mit dieser Ein­stel­lung auch den Job in Ros­tock an?
Regens­burg war eine andere Aus­gangs­lage. Als ich zum Jahn kam, hatte der Verein fünf Punkte Rück­stand auf einen Nicht­ab­stiegs­platz, ich musste im Winter acht neue Leute holen. Hansa stand bei meinem Ein­stieg nur einen Punkt unter dem Strich, ich konnte mit dem bestehenden Kader arbeiten.

Aber den­noch gibt es viele Par­al­lelen: Sie kommen wäh­rend des lau­fenden Spiel­be­triebs, der Verein steht sport­lich nicht gut da, Sie müssen mit dem Kader Ihres Vor­gän­gers arbeiten und stehen sofort unter Erfolgs­druck. Nervt das nicht?
Ich habe mir das doch selbst aus­ge­sucht. Ich habe mir ange­hört, was der Verein für Pläne hat und habe gemerkt, dass ich mich damit iden­ti­fi­zieren kann. Klar wün­sche ich mir, als Trainer Erfolg zu haben. Zweiter werden oder Meister. Aber es macht doch keinen Sinn, so lange dar­über nach­zu­denken.

Inwie­weit hat Ihnen die Erfah­rung in Regens­burg wei­ter­ge­holfen – als Trainer, aber auch als Mensch? Es gab sehr viele Neben­kriegs­schau­plätze, die Ver­ant­wort­li­chen im Verein schienen selten an einem Strang zu ziehen.
Das stimmt. Das Pro­blem hat man, wenn Leute im Pro­fi­fuß­ball tätig sind, die nicht so viel Erfah­rung haben. Die viel­leicht nicht die Ruhe besitzen, um Dinge ent­wi­ckeln zu können oder Ent­wick­lungs­pro­zesse zu erkennen – das war in Regens­burg der Fall, wo es im Umfeld des Ver­eins sehr viele Strö­mungen und Mei­nungen gab. Im End­ef­fekt ist das ein Aus­druck von Angst: die Angst, dass Ziele nicht erreicht werden könnten.

Hatten Sie Angst?
Nein. Ich weiß, wie man Ziele erreicht. Wir waren in Regens­burg auf einem guten Weg, diese zu erfüllen.

Aus den letzten neun Spielen unter ihrer Lei­tung holte Regens­burg nur neun Punkte.
Wir haben aber auch neun der ersten zehn Sai­son­spiele gewonnen – das ist eine fan­tas­ti­sche Geschichte, die im Fuß­ball sehr, sehr selten vor­kommt. Aber auch Miss­erfolg gehört zum Pro­zess, wie in der Phase vor meiner Ent­las­sung. Wenn die Leute nicht damit umgehen können, dann ist das nicht mein Pro­blem. Wenn die Leute auf einmal die Nerven ver­lieren, dann hat man keine Chance auf Erfolg. Ich bin kein Illu­sio­nist und auch nicht naiv, son­dern ich ori­en­tiere mich an den Fakten. Als Trainer ist man immer wieder damit kon­fron­tiert, dass man Dinge ana­ly­siert, auf­ar­beitet, bewertet, neu bewertet, wieder ana­ly­siert. Das ist ein stän­diges Opti­mieren, ein tag­täg­li­cher Pro­zess.

Keine zwei Wochen nach Ihrem letzten Spiel mit Regens­burg wurden Sie bereits in Ros­tock als neuer Chef­trainer prä­sen­tiert. Wie läuft eigent­lich so eine erste Trai­nings­ein­heit ab mit einer neuen Mann­schaft? Kommen Sie in die Kabine und sagen: Moin, ich bin Chris­tian Brand, hab hier auch mal gespielt. Auf erfolg­reiche Zusam­men­ar­beit!“?
Das ist eher ein Abtasten. Als ich gekommen bin, stand ja direkt das erste Spiel gegen Werder Bremen II vor der Brust. Für mich ging es darum, Auto­ma­tismen ein­zu­schleifen, damit die Jungs in Arbeits­ab­läufe kommen und Sicher­heit kriegen. Das ist die Haupt­auf­gabe der ersten Tage: Sicher­heit aus­strahlen. Nur so kann ich den Jungs einen Plan mit­zu­geben. Dafür bin ich ver­ant­wort­lich, und damit habe ich am ersten Tag ange­fangen. Des­wegen bin ich Trainer.