Herr Lauth, ist der VfB Stutt­gart Ihre letzte Chance?

Nein, das wäre über­trieben. Die Zeit in Ham­burg war nicht so, wie ich es mir vor­ge­stellt habe, aber auch nicht so dra­ma­tisch schlecht – mal abge­sehen von dem letzten halben Jahr. In der ver­gan­genen Saison sind wir mit dem HSV Dritter geworden, waren im UI-Cup und Uefa-Cup dabei und ich habe mehr als 30 Spiele gemacht. So schlecht lief es für mich also nicht.

Wie oft haben Sie sich wäh­rend der ver­gan­genen Hin­runde zur Auf­mun­te­rung Ihr Tor des Jahres 2002 ange­schaut?

Gar nicht. Natür­lich war es keine ein­fache Zeit. Aber ich hatte immer noch Spaß am Fuß­ball und bin gerne zum Trai­ning gegangen. Meine Laune war natür­lich nicht über­ra­gend, wenn ich am Wochen­ende nicht ein­ge­setzt wurde oder auf der Tri­büne sitzen musste.

Warum hat es beim HSV nicht geklappt?

Es waren ver­schie­dene Gründe. Aber das ist für mich jetzt abge­hakt. Ich bin ein­fach froh, dass ich den Verein wech­seln konnte. Und etwas Bes­seres als den VfB Stutt­gart hätte ich nicht erwi­schen können.

Warum hat der VfB, ein Cham­pions-League-Aspi­rant, einen Ersatz­spieler von einem Abstiegs­kan­di­daten ver­pflichtet?

Man muss ja erst einmal schauen, warum ich in Ham­burg Ersatz­spieler war. Da haben andere Gründe eine Rolle gespielt – und nicht nur meine Leis­tung. Ich habe trotz alledem immer meine Qua­li­täten unter Beweis gestellt. Beim HSV hat man das aktuell wohl anders gesehen, aber andere Ver­eine haben es erkannt. Ich habe mich sehr gefreut, dass der VfB Ver­trauen in mich hat. Daher spielte es bei meinem Wechsel auch keine Rolle, ob die Stutt­garter Dritter oder Zwölfter sind.

In Ham­burg wurde Ihnen vor­ge­worfen, es fehle Ihnen an Biss und Tem­pe­ra­ment.

Man darf halt nicht immer nur einen Namen kaufen. Wenn man einen Spieler ver­pflichtet, sollte man wissen, wel­chen Typen man unter Ver­trag nimmt und wie man mit ihm umgehen kann. Das hat beim HSV leider nicht so geklappt und des­wegen gab es dort ein paar Pro­bleme. Aber wie ich es vorhin schon sagte, die ver­gan­genen zwei­ein­halb Jahre in Ham­burg waren ja nicht nur schlecht.

Der ehe­ma­lige HSV-Trainer Thomas Doll hat gesagt: Diese Spiel­zeit ist Benny Lauths wich­tigste Saison“. Hat er Recht?

Dem kann ich nicht zustimmen. Ich wüsste nicht, warum diese Saison wich­tiger sein sollte als die nächste. Natür­lich hat mir das letzte halbe Jahr über­haupt nichts gebracht. Jetzt bin ich ein­fach nur heiß darauf, wieder spielen zu dürfen.


Würden Sie sagen, Ihr Enga­ge­ment beim HSV war eine ver­lo­rene Zeit?

Auf keinen Fall. Außerdem bin ich ja nur aus­ge­liehen (Anm. d. Red.: Ver­trag bis 2008 beim HSV) und ich weiß nicht, was nach dieser Saison kommt. Ich habe mich in Ham­burg zwei Jahre lang pudel­wohl gefühlt. In meinem ersten Jahr hatte ich viel Pech mit Ver­let­zungen, aber dann sind wir Dritter geworden und haben die Cham­pions-League erreicht. Ich bereue gar nichts.

Wie wichtig ist es für Sie, dass Sie als Spieler Ver­trauen und Wert­schät­zung erfahren?

Das ist mir sehr wichtig. Die Ver­eine sollten bei ihren Ver­pflich­tungen auch wirk­lich mehr darauf achten, wie ein Spieler tickt und wie man mit ihm umgehen kann.

Haben Sie die Unter­stüt­zung, die Sie beim TSV 1860 Mün­chen erhalten haben, in Ham­burg ver­misst?

Das ist schwer zu ver­glei­chen. Wo auch immer ich gespielt habe, lief es eigent­lich gleich ab: Nach einer guten Partie von mir hieß es, er war leicht­füßig und ele­gant und nach einer schlechten Leis­tung sagten alle, er war lustlos und arro­gant. Das kenne ich seit meiner Jugend und mitt­ler­weile habe ich gelernt, damit umzu­gehen.

Nega­tive Bericht­erstat­tung prallt also an Ihnen ab.

Die Zei­tung lese ich fast nie. Das Meiste erfahre ich erst, wenn mir Bekannte davon erzählen. Ich freue mich über posi­tive Berichte, auch wenn ich einen kri­ti­schen Artikel lese, sage ich mir manchmal: Da ist was Wahres dran. Aber den meisten nega­tiven Schil­de­rungen kann ich eher nicht zustimmen.

Können Sie die Bezeich­nung ewiges Talent“ noch hören?

Ach, ich bin ja auch kein 20-Jäh­riger mehr. Ich habe bewiesen, dass ich in guten Bun­des­li­ga­mann­schaften mit­halten kann. Natür­lich hatte ich auch schwä­chere Phasen, aber ich muss jetzt ein­fach Kon­stanz in meine Leis­tungen her­ein­bringen. Dann bin ich auch der Rich­tige für einen Verein wie den VfB Stutt­gart, der um die vor­deren Plätze mit­spielt.

Haben Ihre Ver­let­zungen den großen Durch­bruch ver­hin­dert?

Das hat mich natür­lich schon zurück­ge­worfen. Wenn man über ein Jahr ver­letzt ist, braucht man schon viel Zeit, bis man wieder das alte Leis­tungs­ni­veau erreicht hat. Ich dachte auch nicht, dass es so lange dauert, bis man alles wieder auf­ge­holt hat.

Wie haben Sie sich in dieser Zeit moti­viert?

Bei der ersten Ver­let­zung emp­fand ich die Pause als gar nicht so schlimm und ich war relativ flott wieder fit. Als es dann wieder pas­sierte, bin ich natür­lich zunächst in ein Loch gefallen. Aber ich war dann auch so heiß aufs Fuß­ball­spielen, dass ich gar keine Extra­mo­ti­va­tion gebraucht habe.



Sie wären als Jugend­li­cher fast in der Ski-Natio­nal­mann­schaft gelandet und haben sich dann doch für den Fuß­ball ent­schieden. Haben Sie diesen Ent­schluss in dieser schlechten Phase bereut?

Nein, das Ver­let­zungs­ri­siko ist beim Ski­fahren ja genauso hoch. Ich wollte ein­fach immer Fuß­baller werden.

Nervt es Sie, der ehe­ma­lige Nutella-Spieler zu sein?

Nein, damit muss man umgehen können. Die Wer­be­spots haben mir viel Spaß gemacht und es ist normal, dass diese Geschichte immer wieder her­aus­ge­holt wird.

Ver­kaufen sich Ihre Mer­chan­di­sing-Artikel mit dem Schriftzug Let’s get lauth“ eigent­lich noch?

Das weiß ich gar nicht.

Treffen Sie sich noch mit Bas­tian Schwein­s­teiger zum Play-Sta­tion-Spielen?

Wenn ich in Mün­chen bin, ver­ab­reden wir uns schon noch zu kleinen Tur­nieren vor der Kon­sole.

Auch für Sie, war es der große Traum, bei der WM 2006 dabei zu sein.

Es war am Ende nicht mehr so schlimm, dass ich nicht nomi­niert wurde. Ich konnte mich ja schon früh darauf ein­stellen, dass es nichts wird. Natür­lich war es schade, aber ich wusste schon, dass ich nicht so zit­tern müsste wie andere Spieler. Ich hatte auch gar keinen Kon­takt zum Natio­nal­trainer.

Welche Ziele haben Sie mit dem VfB?

Es ist für mich ein kleiner Neu­an­fang. Ich will mich ein­fach wieder zeigen und gut spielen.

Ihre Oma hat Ihnen früher für jedes Tor, dass Sie geschossen haben, eine Mark geschenkt. Wollen Sie nicht einmal dar­über nach­denken, diese Moti­va­tion wieder ein­zu­führen?

Nein, nein. Ich habe mir damals ein Super-Taschen­geld dazu­ver­dient. Aber jetzt brauche ich keine zusätz­li­chen Anreize, um Tore zu schießen. Wenn ich in Stutt­gart regel­mäßig spiele, wird das auch wieder klappen.