Seite 2: „Ich stand da wie der Ochs vorm Berg“

Und was war das?
Nichts Kon­kretes. Ich glaube, das war mehr so ein Bauch­ge­fühl. Dass Fried­helm Funkel an mich als zweiten Co-Trainer hinter Thomas Kleine gedacht hat, war für mich auf jeden Fall ein rie­siger Ver­trau­ens­be­weis.

Und wie fühlt es sich nach zwei Jahren als Co-Trainer an?
Groß­artig. Ich habe fest­ge­stellt, näher komme ich an die Jungs nicht mehr ran, als täg­lich mit ihnen auf der Wiese zu stehen. Das gibt mir sehr viel.

Im Mit­tel­punkt steht immer der Chef­trainer. Wird in der Öffent­lich­keit die Rolle der anderen Mit­glieder des Trai­ner­teams unter­schätzt?
Ich finde, da hat sich in der Wahr­neh­mung schon viel ver­än­dert – was auch daran liegt, dass die Chef­trainer immer wieder auf die Leis­tung des gesamten Trai­ner­teams hin­weisen. Früher kannte man die Namen der Co-Trainer doch nicht. Heute ist schon der eine oder andere bekannt. Ande­rer­seits sieht man nicht einmal als Spieler, was alles dahinter steckt. Ich weiß noch, wie ich als Co-Trainer-Neu­ling den Auf­trag bekommen habe, vor Trai­nings­be­ginn das Feld für ein Neun-gegen-Neun-Spiel vor­zu­be­reiten. Ich stand da wie der Ochs vorm Berg. Zuerst habe ich das Feld viel zu klein und dann wieder viel zu groß abge­steckt. Mein Gott, was bist du als Spieler für ein Lem­ming gewesen, dachte ich mir. Selbst nach zwei Jahren als Co-Trainer bin ich immer noch ein Green­horn und kann so viel von Fried­helm Funkel und Thomas Kleine lernen.

Fried­helm Funkel gilt für viele mit seinen 65 Jahren als Trainer-Dino“ und Gegen­ent­wurf zu den jungen Laptop-Trai­nern“…
Laptop-Trainer, das ist so ein komi­scher Begriff. Als die Spiele noch mit Video­re­cor­dern ana­ly­siert worden sind, hat man doch auch nicht von VHS-Trai­nern gespro­chen. Fried­helm ist seit ewigen Zeiten im Geschäft. Aber ist es ja auf keinen Fall so, dass er sich nicht wei­ter­ent­wi­ckelt hätte. Sein großer Vor­teil ist, dass er ganz viele Situa­tionen schon durch­lebt hat. Und bei allen Ver­än­de­rungen im Fuß­ball: Das Spiel ist nicht neu erfunden worden. Egal welche Taktik man wählt, der Fuß­ball muss immer mit Leben erfüllt werden.

Das gelingt dem Trai­ner­team auch in dieser Saison. Aller­dings geht es jetzt gegen die Bayern und danach folgen die Par­tien gegen Hof­fen­heim, Dort­mund und Leipzig. Hadern Sie ein wenig mit dem Spiel­plan?
Dar­über mache ich mir keine Gedanken. Man kann ja sowieso nichts daran ändern. Klar, das ist schon ein gewal­tiger Block, da gibt es keine zwei Mei­nungen. Aber wir müssen jedes Spiel für sich alleine nehmen.

Bei diesem Pro­gramm muss man als For­tuna-Ver­ant­wort­li­cher damit rechnen, dass die Abstiegs­plätze näher rücken. Hat sich das Trai­ner­team mit diesem Sze­nario schon beschäf­tigt?
Nein. Sollte das wirk­lich pas­sieren, werden wir damit in der glei­chen Weise umgehen wie in der ver­gan­genen Saison – näm­lich indem wir Ruhe bewahren. Da waren wir nach sechs Nie­der­lagen in Folge richtig in den Abstiegs­kampf geraten. Das Wich­tigste für uns im Trai­ner­team ist, wie das Team auf­tritt. Dass die Jungs auf dem Platz Herz zeigen. Wenn das der Fall ist, können wir ihnen keinen Vor­wurf machen.

Gekommen, um zu bleiben“ – das war das Motto der For­tuna nach dem Bun­des­liga-Auf­stieg 2018. 2013, in ihrem ersten Jahr nach der Rück­kehr von Augs­burg nach Düs­sel­dorf, hat das nicht geklappt. Ihr Klub war nach nur einer Saison gleich wieder abge­stiegen. Was hat sich seitdem bei der For­tuna ver­än­dert?
Es ist heute viel mehr Ruhe im Verein. Mit Fried­helm Funkel haben wir ja auch einen Trainer, der das ver­kör­pert, der diese Ruhe wei­ter­gibt – auch in schlechten Phasen. 2017/18 hatte nie­mand damit gerechnet, dass wir auf­steigen. Und es hatte auch nie­mand damit gerechnet, dass wir dann die Klasse halten würden. Wir haben Nega­tiv­phasen über­standen. Das gibt Selbst­be­wusst­sein und Mut. Genau das hat uns in der Saison 2012/2013 gefehlt. In den letzten acht Spielen haben wir nur einen Punkt geholt. Hätten wir in diesen acht Spielen noch ein Mal gewonnen, wären wir nicht abge­stiegen. Das hat dann nichts mehr mit fal­scher Taktik zu tun. Das war eine Frage der Men­ta­lität.