Marc-André ter Stegen, Ihr Kol­lege Roman Wei­den­feller bekommt von Bun­des­trainer Joa­chim Löw in Aus­sicht gestellt, bald für die Natio­nal­mann­schaft spielen zu dürfen. Er wäre damit ein wei­terer Kon­kur­rent für Sie.
Ich kann Manuel Neuer nur bei­pflichten, der gesagt hat, dass Roman Wei­den­feller in den ver­gan­genen beiden Jahren bei Borussia Dort­mund gute Leis­tungen gebracht hat. Er ist eine wich­tige Figur, wenn es um den Erfolg des BVB geht und hat wirk­lich super gespielt. Der Bun­des­trainer ent­scheidet, wer in der Natio­nal­mann­schaft spielt. So ist das.

Sie sind seit über zwei Jahren unan­ge­foch­tener Stamm­keeper bei Borussia Mön­chen­glad­bach – in den Natio­nal­mann­schaften herrscht ein wesent­lich grö­ßerer Kon­kur­renz­kampf ums Tor.
Wir haben viele gute Tor­hüter in Deutsch­land, keine Frage. Ich glaube, dass ich in den ver­gan­genen Jahren meine Leis­tung sta­bi­li­siert habe und an den Rück­schlägen, die ich auch in der Natio­nal­mann­schaft erfahren durfte, gewachsen bin.

Trotzdem spielen Sie nun bei der U21 und nicht mehr im Team von Joa­chim Löw – einige spra­chen davon, man haben Sie degra­diert.
Nein. Das wurde so ent­schieden und ich habe es akzep­tiert. Jetzt will ich natür­lich die Nummer eins bei der U21 sein und mich dar­über auch für die A‑Nationalmannschaft emp­fehlen. Wenn man mich braucht, bin ich da.

Aller­dings ist durch Bernd Leno und Timo Horn der Kon­kur­renz­druck bei der U21 auch erwäh­nens­wert. Wo sehen Sie sich in der Rei­hen­folge?
Ich bin hier die Nummer eins und glaube, dass ich mir den Stamm­platz bei der U21 durch gute Leis­tung ver­dient habe. Ich hoffe, dass ich auch in Zukunft zeigen kann, dass ich zu Recht im Tor stehe.

Wie viel Psy­cho­logie steckt in dieser Kon­kur­renz­si­tua­tion?
Der Kon­kur­renz­druck ist hoch, und zwei Tor­hüter müssen in der Regel auf der Bank Platz nehmen. Ich denke aber, dass meine Kol­legen damit gut umgehen können. Auch für mich ist das kein Thema, mal nicht zu spielen. Am Ende ent­scheidet die Leis­tung.

Ver­glei­chen Sie mal das Tor­wart­trai­ning bei der Natio­nal­mann­schaft und im Verein.
Bei der Natio­nal­mann­schaft ist der Erfolgs­druck immens, aber im Ver­gleich ist die Zeit, sich auf ein Spiel ein­zu­stellen, sehr kurz. Beim DFB können wir uns nicht tage- oder wochen­lang auf eine Partie vor­be­reiten, und die Lehr­gänge sind relativ selten. Des­halb ist es enorm wichtig, dass sich die Mann­schaft immer schnell findet, um ein tolles Spiel abzu­lie­fern.

Im Verein gab es nach dem 2:0‑Sieg im Borussia-Duell eine Stand­pauke von Trainer Lucien Favre, der die Mann­schaft in der Pres­se­kon­fe­renz kri­ti­siert hatte .
Nein, wir haben das Spiel ganz normal ana­ly­siert. Die Ansprache dabei war aber ganz normal. Ebenso normal wie die Tat­sache, dass Fehler auf­ge­zeigt werden. Auch wenn wir kein richtig gutes Spiel gemacht haben, sind die drei Punkte in Mön­chen­glad­bach geblieben. Das zählt.

Trotzdem: Ein gutes Spiel war es nicht.
Wir standen in der Defen­sive kom­pakt, haben zu Null gespielt und haben uns dafür belohnt, dass wir auf unsere Chance gewartet haben. Bei Spielen gegen Borussia Dort­mund kann man von uns nicht erwarten, dass wir das gleiche Tempo mit­gehen.

Warum?
Wenn man sieht was Borussia Dort­mund für ein Pres­sing spielt – dau­er­haft, und das trotz eines Cham­pions-League-Spiels in den Kno­chen, dann ist das ein­fach stark. Des­halb sind wir beson­ders froh über den Dreier gegen den BVB.

Kann man sagen, zwi­schen dem Leis­tungs­ni­veau des BVB und Glad­bach liegen noch ein paar Stufen?
Der BVB hat genauso wie Bayern Mün­chen ganz andere Mög­lich­keiten als wir in Glad­bach. Wenn ich unseren Kader mit dem von Dort­mund ver­gleiche, muss man kon­sta­tieren, dass deren Spieler alle inter­na­tio­nale Klasse haben – ohne uns abstufen zu wollen.

Das heißt?
Der BVB hat inter­na­tio­nales Top-Niveau. Bis dahin ist es für uns ein großer Sprung. Aber Borussia Dort­mund hat das auch nicht von jetzt auf gleich geschafft, son­dern diesen Erfolgsweg bis zu einem Spit­zen­klub kon­ti­nu­ier­lich beschritten.

Mögen Sie lieber Spiele mit unzäh­ligen Tor­ab­schlüssen des Geg­ners oder Spiele, in denen Sie kaum gefor­dert werden?
Ter Stegen: Wenn wir gewinnen, ist mir das voll­kommen egal. Wir hatten auch schon Spiele, in denen wir total domi­nant waren und nach 90 Minuten mit leeren Händen da standen.
Ist es in sol­chen Par­tien schwie­riger, die Kon­zen­tra­tion hoch­zu­halten?
Ich bin bei Glad­bach eigent­lich immer mit ins Spiel ein­ge­bunden , so dass ich selten mal 60 Minuten gar nichts aufs Tor bekomme. Außerdem werde ich von meinen Mit­spie­lern auch im Spiel­aufbau gesucht. Ich komme nie wirk­lich zur Ruhe. Klar, es ist anstren­gend, die Kon­zen­tra­tion über 60 oder 90 Minuten zu halten, aber auf diesem Level ist das gefor­dert.

Die Kol­legen des Bou­le­vard haben eine Geschichte über Ihre Einweg-Hand­schuhe“ gemacht.
Es sind doch nur Hand­schuhe und kein großes Thema. Ich mag es ein­fach, neue Hand­schuhe bei einem Spiel zu tragen und emp­finde dies auch als Vor­teil. Das ist die ein­zige, wenig spek­ta­ku­läre Begrün­dung.

Spek­ta­kulär könnte Ihr nächster Ver­trag werden.
Mir liegt Borussia Mön­chen­glad­bach sehr am Herzen. Ich spiele seit dem vierten Lebens­jahr in diesem Verein und ich bin glück­lich, ein Teil davon zu sein, dass die Borussia wieder in etwas höheren Tabel­len­re­gionen spielt. Ich hoffe, dass die Zusam­men­ar­beit wei­terhin sehr gut bleibt.

Also bleiben Sie am Nie­der­rhein und Glad­bach treu?
Wir sind in Gesprä­chen, aber was am Ende bei Ver­trags­ver­hand­lungen raus­kommt, das wird man sehen. Klar ist aber: Ich höre mir gerne alles an, auch von Borussia Mön­chen­glad­bach – das sollte aber alles intern bleiben.

Würde das Errei­chen des inter­na­tio­nalen Wett­be­werbs mit Borussia andere Ange­bote aus­ste­chen?
Ich möchte nichts sagen, was am Ende gegen mich ver­wendet werden kann.

Ein spa­ni­scher Radio­sender will wissen, dass Sie sich längst mit dem Welt­klub FC Bar­ce­lona einig sind.
Wie gesagt: Als erstes spreche ich mit Borussia. Spe­ku­la­tionen über­lasse ich anderen. Ich habe noch einen Ver­trag in Mön­chen­glad­bach bis 2015 und alles wei­tere regelt mein Berater.

Mit einem 2:0‑Erfolg gegen Mon­te­negro geht es am Dienstag nach Kassel zum Spiel gegen die Färöer Inseln. Die EM-Qua­li­fi­ka­tion läuft für die deut­sche U21-Natio­nal­mann­schaft nach Plan.
Wir gehen mit Rücken­wind in das Spiel gegen die Färöer. Wir haben eine gute Truppe, aber wenn Fuß­ball ein­fach wäre, würde ich anders dar­über denken. Gegen klei­nere Nationen ist es nicht so ein­fach, wie es auf dem Papier aus­sieht. Die wollen sich auf inter­na­tio­naler Bühne zeigen, und das macht die Sache für uns nicht ein­fach. Fakt ist: Wir wollen auch das Spiel gewinnen und unser Ziel mit Bra­vour bestehen.

Nach der Bra­vour mit der U21 folgt die Pflicht mit Mön­chen­glad­bach. Wann bricht der Glad­ba­cher Aus­wärts­bann?
Am liebsten am kom­menden Spieltag in Berlin. Wir fahren zur Hertha, um dort drei Punkte zu holen und und ins in der Tabelle weiter nach oben zu schieben.