Nächstes Jahr ist es wieder so weit. Dann trifft Öster­reich in der Qua­li­fi­ka­tion zur EM auf die deut­sche Natio­nal­mann­schaft, und dann wird mein Tor gegen Deutsch­land bei der WM 1978 in Argen­ti­nien wahr­schein­lich wieder dau­ernd im Fern­sehen gezeigt. Ich kann ver­stehen, dass einige Leute inzwi­schen genervt sind. Aber mich nervt es nicht, wenn ich immer wieder auf Cor­doba und mein Tor zum 3:2 ange­spro­chen werde. Es ist eine schöne Erin­ne­rung, und ich bin noch heute stolz darauf.



Unser Sieg ist längst ein Stück öster­rei­chi­scher Sport­ge­schichte: Das kleine Öster­reich schlägt den großen Nach­barn Deutsch­land. Das hatte es 1978 seit fast 50 Jahren nicht mehr gegeben, und viel­leicht dauert es noch einmal 50 Jahre, bis es wieder pas­siert. Natür­lich ist das eine schöne Geschichte. Aber man muss daraus auch nicht mehr machen. Mit Politik hatte unser Erfolg nichts zu tun. Zwei Mann­schaften haben sich im sport­li­chen Wett­kampf gemessen; die bes­sere hat gewonnen. Und das waren damals wir.

Es gab nie eine bes­sere öster­rei­chi­sche Natio­nalelf

Die Deut­schen hatten schon vorher alles andere als über­zeu­gend gespielt. Die Mann­schaft war wohl auch unter­ein­ander ein biss­chen zer­stritten, trotzdem hatte sie noch die Chance, erneut ins Finale ein­zu­ziehen. Dazu mussten die Deut­schen nur mit fünf Toren Unter­schied gegen uns gewinnen. Ich weiß nicht mehr, wer damals was gesagt hat; aber es gab auf jeden Fall ent­spre­chende Äuße­rungen aus dem deut­schen Lager, die ein sol­ches Resultat für mög­lich hielten. Die Bild“ hat das alles groß auf­ge­bauscht und ein 6:0 für die Deut­schen vor­her­ge­sagt. Solche Berichte sind uns damals von unseren Jour­na­listen zuge­tragen worden. Das hat uns nur zusätz­lich moti­viert, obwohl unser Aus schon vor dem Spiel fest­stand. Okay, haben wir gedacht, dann zeigen wir denen mal, dass wir auch eine sehr gute Mann­schaft mit vielen Klas­se­spie­lern haben. Ich glaube sogar, dass es nie eine bes­sere öster­rei­chi­sche Natio­nal­mann­schaft gegeben hat als unsere. Immerhin sind wir in unserer Vor­run­den­gruppe Erster geworden – vor Bra­si­lien, Spa­nien und Schweden.

Natür­lich gab es eine sport­liche Riva­lität mit den Deut­schen, mehr aber auch nicht. Ich habe mich mit vielen Spie­lern sehr gut ver­standen, mit Hansi Müller und Sepp Maier zum Bei­spiel. Auch Rolf Rüss­mann, der leider viel zu früh ver­storben ist, war ein super Bur­sche. Und das sage ich nicht, weil er als mein Gegen­spieler bei den beiden Toren nicht beson­ders glück­lich aus­ge­sehen hat. Rüss­mann war zu dieser Zeit ein her­vor­ra­gender Vor­stopper. Er hatte ein sehr gutes Tur­nier gespielt, war bei dieser ver­un­glückten WM der Deut­schen viel­leicht sogar deren bester Spieler. Dass er meine beiden Treffer nicht ver­hin­dert hat – das pas­siert halt. Rüss­mann war nach dem Spiel völlig fertig. Dem liefen die Tränen übers Gesicht. Ich habe ihn getröstet und ihm gesagt, er solle sich nichts daraus machen.

Die Bild“-Zeitung ver­öf­fent­lichte meine Tele­fon­nummer

Bei meinen beiden Toren hat ein­fach alles gestimmt. Vor dem 2:1 nehme ich den Ball mit rechts aus der Luft an und haue ihn mit links volley ins Kreuzeck. Das Tor ist später zum Tor des Monats gewählt worden – in Deutsch­land. Davor ziehe ich heute noch dankbar den Hut. Auf diese Aus­zeich­nung bin ich sehr stolz. Vor meinem zweiten Tor, dem Treffer zum 3:2, hat Rüss­mann dann die Flanke unter­schätzt. Er springt unter dem Ball her. Ich habe freie Bahn, nehme den Ball erst mit dem Kopf mit, dann mit dem Knie, lasse Libero Man­fred Kaltz ins Leere grät­schen und schiebe den Ball unter Sepp Maier hin­durch ins Tor. Bern­hard Dietz ver­sucht noch zu retten, kommt aber zu spät. Die beiden Tore zählen auf jeden Fall zu den zehn schönsten, die ich in meiner Kar­riere erzielt habe.

Zwei Minuten waren nach dem 3:2 noch zu spielen, die Deut­schen haben alles ver­sucht, ein Unent­schieden hätte sie immerhin ins kleine Finale gebracht, aber wir haben unseren Vor­sprung über die Zeit gerettet. Der Welt­meister war aus­ge­schieden. Für die Deut­schen war das natür­lich ein Schock. Die Bild“-Zeitung hat nach dem Spiel sogar meine Tele­fon­nummer ver­öf­fent­licht, damit mir die deut­schen Fans mal richtig die Mei­nung sagen. Das war nicht beson­ders lustig für meine Familie. Aller­dings gab es gar nicht so viele Schmäh­an­rufe und Beschimp­fungen, wie ich ver­mutet hätte. Die Reak­tionen waren eher positiv. Ein Anrufer hat sich sogar bei mir bedankt.