Seit Wochen tobt ein Streit um New­castle United und den geplanten Ein­stieg von sau­di­schen Inves­toren. Nun hat sich auch Hatice Cengiz in die Dis­kus­sion ein­ge­schaltet. Ihr Ver­lobter Jamal Khash­oggi war im Oktober 2018 im sau­di­schen Kon­sulat in Istanbul ermordet worden. Auf Auf­trag von Mohamed bin Salman, dem sau­di­schen Kron­prinzen? Sie und viele andere Men­schen sind über­zeugt davon. Auch des­wegen hat sie sich mit einem offenen Brief an die Fans von New­castle United gewandt. Hier der Brief im Wort­laut: 

Offener Brief an die Fans von New­castle United

Ich bin Hatice Cengiz, die Ver­lobte des ver­stor­benen Jamal Khash­oggi. Jamal wurde am 2. Oktober 2018 im Kon­sulat von Saudi-Ara­bien in Istanbul unter grau­samen Umständen ermordet, wäh­rend ich draußen auf seine Rück­kehr war­tete. Wir wollten nur wenige Tage später hei­raten.

Ich schreibe Ihnen zu einem ent­schei­denden Zeit­punkt in der Geschichte Ihres berühmten Fuß­ball­ver­eins. Kron­prinz Mohammed bin Salman, der Herr­scher von Saudi-Ara­bien, will Ihren Verein über­nehmen, indem er eine rie­sige Geld­summe bietet. Ich weiß, dass dieses Angebot Ihrem Verein dabei helfen könnte, aus der schlimmen Situa­tion her­aus­zu­kommen, die Ihren Verein seit so vielen Jahren geschadet hat. Aber der Kron­prinz wird beschul­digt, Jamals Mord ange­ordnet zu haben. Alle glaub­wür­digen Unter­su­chungen haben seine Ver­ant­wor­tung gezeigt. Er wurde in seinem eigenen Land nicht vor Gericht gestellt, da er es mit eiserner Faust kon­trol­liert.

Sie als treue Fans haben ein Mit­spra­che­recht“

Ich bitte Sie zu über­legen, ob die Annahme des Ange­bots von Mohammed bin Salman wirk­lich der rich­tige Ausweg für Ihren Klub und Ihre Stadt ist. Denn Ihr Klub würde von jemandem kon­trol­liert werden, der wegen Mordes ange­klagt werden sollte, wie wir es zu Recht von jedem erwarten würden, der beschul­digt wird, einen geliebten Men­schen getötet zu haben! Wir sollten auch nie­mals ver­gessen, dass Jamals Mord zu den vielen Gräu­el­taten gehört, die der Kron­prinz und sein innerer Kreis ange­ordnet haben. Es wird weithin berichtet, dass sie meh­rere Gegner und Akti­vis­tinnen für Frau­en­rechte inhaf­tiert und gefol­tert, unzäh­lige Zivi­listen im Jemen-Krieg getötet und ver­stüm­melt und sogar die eigenen Fami­li­en­mit­glieder des Kron­prinzen ver­folgt haben. Das ist, wer er wirk­lich ist. Und es ist sicher­lich nicht das, was Sie von Ihrem Verein erwarten.

Die Regeln der Pre­mier League erlauben es dem Kron­prinzen nicht, Ihren Verein zu besitzen und zu kon­trol­lieren. Wir müssen alle sicher­stellen, dass diese hohen Stan­dards nicht mit Füßen getreten werden. Bitte über­legen Sie, wo diese Über­nahme den Verein in den kom­menden Monaten hin­führen könnte, wenn er tat­säch­lich ein Zuhause“ für die­je­nigen wird, die wegen Mordes und Folter ange­klagt sind, und die für immer unter dieser dunklen und bedroh­li­chen Wolke um den Ruhm des Fuß­balls kämpfen müssen. Ich bin sicher, wir sind uns alle einig, dass dies nicht das Erbe und Schicksal des New­castle Foot­ball Club sein sollte.

Sie als treue Fans haben dabei ein großes Mit­spra­che­recht. Ich bitte Sie alle, sich zusam­men­zu­schließen, um Ihren geliebten Verein und Ihre Stadt vor dem Kron­prinzen und seinen Kom­plizen zu schützen. Diese machen diesen Schritt nicht, um Ihnen zu helfen oder um Ihre Inter­essen zu berück­sich­tigen, son­dern nur, um sich selbst zu dienen. Die Herzen des Kron­prinzen und seiner Leute werden nicht wirk­lich am Klub hängen, der Ihnen alles bedeutet. Ich for­dere Sie drin­gend auf, diese Bot­schaft klar und deut­lich an die Pre­mier League, an das Manage­ment Ihres Klubs, an die Ver­ant­wort­li­chen Ihrer Stadt und an die Welt zu senden. Ihre Stimme kann sehr kraft­voll sein.

Wir sollten nicht zulassen, dass der Fuß­ball von denen in den Dreck gezogen wird, die den Sport nur dafür benutzen, ihre scho­ckie­renden Taten zu ver­bergen. Jetzt ist der Moment gekommen, gemeinsam für das Spiel, Ihren Verein, Ihre Stadt und Ihr Land auf­zu­stehen, um die Tür für diesen Deal zuzu­schlagen. Der Deal ist keine Chance für Ihren Verein, son­dern wäre das schlech­teste Ergebnis für alle anstän­digen und für­sorg­li­chen Men­schen.

Hatice Cengiz