Seite 2: "Keine Kritik an Gulácsi!"

Was macht Ihnen Hoff­nung?
Mehr als 130.000 Men­schen haben gegen das Anti-LGBT-Gesetz pro­tes­tiert, 5000 Leute sind auf die Straße gegangen. Ich hoffe, dass zur Pride Parade am 6. Juli so viele Men­schen wie noch nie nach Buda­pest kommen.

Sollten mehr Pro­mi­nente ihre Stimmen nutzen? Was ist mit den unga­ri­schen Natio­nal­spie­lern?
Es ist schwierig. Schauen wir mal auf Péter Gulácsi, der vor einigen Monaten ein klares Zei­chen gegen Homo­phobie gesetzt hat. In einem Face­book-Post sprach er sich für Gleich­be­rech­ti­gung aus und gegen eine Ver­fas­sungs­no­velle, nach der homo­se­xu­ellen Paaren die Adop­tion von Kin­dern ver­boten ist. Er bekam viel Zuspruch für den Post, aber auch har­schen Gegen­wind und sogar Hass. Einige Leute meinten, er sollte aus der Natio­nalelf ver­bannt werden, andere schrieben mal wieder, Sport sei nicht poli­tisch, aber das stimmt natür­lich nicht. Es war jeden­falls ein großes Thema hier. In der aktu­ellen Debatte hält sich jetzt etwas zurück, und ich kann es ver­stehen.

Er sagte immerhin: Wir Spieler können da nichts machen, wir haben da nichts zu sagen. Jeder weiß, wie ich über die Welt denke.“
Wenn er es kon­kreter for­mu­liert hätte, würde er als Sün­den­bock für eine Nie­der­lage her­halten müssen. Sie würden sagen, er hätte Ungarn und das Natio­nal­team ent­zweit. Daher: Keine Kritik an Gulácsi! Im Gegen­teil, ich finde es toll, dass er seine Reich­weite genutzt hat, um sich mit uns soli­da­risch zu erklären.

Wie äußern sich andere unga­ri­sche Fuß­baller?
Zsa­nett Jak­abfi, die für Wolfs­burg spielt, postet auch immer wieder soli­da­ri­sche Bei­träge. Außerdem hat sich János Hrutka positiv über Gulácsis Face­book-Post geäu­ßert. Er spielte mal in der Bun­des­liga für Kai­sers­lau­tern. Zuletzt arbei­tete er als Experte für einen Fern­seh­sender, der ihn nach dem Sup­port für Gulácsi ent­ließ. Unglaub­lich.

Was erwarten Sie heute Abend?
Ver­mut­lich werden wir ver­lieren. Obwohl, wir haben Frank­reich ein 1:1 abge­rungen. Mal sehen. Ich freue mich jeden­falls auf die 11.000 Regen­bo­gen­fahnen, die Akti­visten vor dem Sta­dion ver­teilen wollen und hof­fent­lich von den Zuschauern geschwenkt werden können. Das bedeutet der LGBT-Com­mu­nity in Ungarn sehr viel.

Wie werden Sie das Spiel ver­folgen?
Ver­mut­lich muss ich wieder bis in die Nacht arbeiten. So wie seit zwei Wochen. Danke, Viktor Orbán!