Seite 2: „Ich bin wirklich sehr ehrgeizig“

Bei Borussia Mön­chen­glad­bach haben Sie in allen Pflicht­spielen von der ersten bis zur letzten Sekunde auf dem Platz gestanden. Inwie­fern hilft Ihnen das?
Natür­lich spürt man das. Man lernt mit jedem Spiel. Und wenn man akri­bisch arbeitet und viel inves­tiert, wird man zwangs­läufig besser.

Können Sie das kon­kret beschreiben?
Das betrifft alle Bereiche: Spiel­aufbau, Pass­si­cher­heit, Zwei­kampf­ver­halten, auch unter Druck. Ich glaube schon, dass ich da mitt­ler­weile anders auf dem Platz stehe als noch vor drei Jahren.

Wie hoch ist Ihr Anspruch an sich selbst?
Sehr hoch. Ich bin fast schon zu per­fek­tio­nis­tisch. Der Fuß­ball hat so viele Facetten – phy­sisch, mental, tak­tisch, tech­nisch -, in denen man sich ver­bes­sern kann. Das ist mein Ziel. Da bin ich wirk­lich sehr ehr­geizig.

Haben Sie bei Ihren Kol­legen den Ruf, ein Streber zu sein?
(Lacht) Ich mache schon eine ganze Menge nebenher, Kraft­trai­ning, Behand­lung, Well­ness, Kalt­be­cken, ab und zu Aku­punktur. Da bin ich sehr gewis­sen­haft und könnte es mit meinem Gewissen auch nicht ver­ein­baren, wenn ich zwei Tage gar nichts mache. Da gibt es natür­lich auch mal einen Spruch, wenn die Jungs um acht zum Früh­stück kommen und ich schon im Kraft­raum arbeite: Na, morgen auch wieder um halb sieben?“ Aber ich glaube, inzwi­schen haben sie sich daran gewöhnt.

Wie lässt es sich mit Ihrem Qua­li­täts­an­spruch ver­ein­baren, wenn Sie in der Natio­nal­mann­schaft als rechter Außen­ver­tei­diger zum Ein­satz kommen?
So viele Unter­schiede gibt es meines Erach­tens gar nicht. Natür­lich hat man als Außen­ver­tei­diger einen offen­si­veren Drang. Das gefällt mir auch. Aber es kommt auch immer auf die Aus­rich­tung der Mann­schaft an. Gene­rell ist es erst mal wichtig, die Seite, so gut es geht, dicht zu halten. Die Defen­sive hat Prio­rität. Aber ich ver­suche auch immer wieder offensiv Akzente zu setzen. Dadurch macht mir die Rolle sehr viel Spaß. Wie war Ihre Reak­tion, als Joa­chim Löw Sie mit der Idee kon­fron­tiert hat? Zwei oder drei Tage vor dem Hin­spiel gegen Frank­reich hat der Bun­des­trainer mir gesagt, es könne gut sein, dass ich dort spiele. Ich habe mich ganz normal darauf ein­ge­stellt, und wir haben das ja auch trai­niert. In Dort­mund gab es eine Phase, in der ich auch auf dieser Posi­tion gespielt, ein paar Tore erzielt und vor­be­reitet habe. Viel­leicht denken Außen­ste­hende, dass die Umstel­lung schwierig ist. Aber gerade gegen die Fran­zosen mit ihrer über­ra­genden Offen­siv­qua­lität war erst mal die Defen­sive wichtig: gut stehen, Zwei­kämpfe gewinnen – sich aber auch nach vorne ein­zu­schalten, wenn es die Situa­tion zulässt. Ich habe mich da sehr wohl gefühlt.

Sieht Löw Sie dau­er­haft auf dieser Posi­tion?
Das weiß ich nicht. Es kommt auch auf den Gegner an. Im Rück­spiel gegen Frank­reich haben wir mit einer Drei­er­kette ver­tei­digt, da habe ich halb­rechts gespielt.

Wie groß ist Ihr Wunsch, auch in der Natio­nal­mann­schaft als Innen­ver­tei­diger zu spielen?
Das ist für mich zweit­rangig. Ich sehe mich in erster Linie als Team­player – selbst wenn ich gar nicht spiele.

So wie bei der Welt­meis­ter­schaft. Sie haben an zwei End­runden teil­ge­nommen, aber keine ein­zige Sekunde gespielt. Ärgert es Sie, dass Sie sich fast schon dafür recht­fer­tigen müssen?
Manchmal muss ich schon schmun­zeln, weil es sicher nicht selbst­ver­ständ­lich ist, mit 24 schon an zwei Welt­meis­ter­schaften teil­ge­nommen zu haben. Vor allem nicht als Ver­tei­diger. Ich weiß das schon relativ gut ein­zu­ordnen. Es waren auch zwei sehr unter­schied­liche Tur­niere. Vor vier Jahren hat keiner mit mir gerechnet, als ich aus Frei­burg auf den letzten Drü­cker und mit ein biss­chen Glück noch nomi­niert wurde. Da war ich quasi noch ein kleiner Junge und froh, über­haupt dabei zu sein. Ich habe alles auf­ge­saugt, und so wie es gelaufen ist, war es über­ra­gend.

Und in diesem Jahr?
Da hatten wir über­ra­schen­der­weise leider nicht so viele Spiele. Natür­lich will jeder spielen, aber spä­tes­tens wenn die Auf­stel­lung bekannt ist und ich weiß, dass ich auf der Bank sitze, ver­suche ich alles dafür zu tun, dass die Mann­schaft gewinnt. Das wird bei mir auch immer so bleiben.

Es gibt das Gerücht, dass Joa­chim Löw Sie vor der WM 2014 gefragt hat, ob Sie sich die Rolle als linker Außen­ver­tei­diger zutrauen würden, auf der dann letzt­lich Bene­dikt Höwedes gespielt hat?
Nein, das war nicht so. Ich wurde nicht gefragt und habe das auch nie trai­niert.

Und wenn Sie gefragt worden wären…
… hätte ich mir das auf jeden Fall zuge­traut. Aber da ich nicht gefragt worden bin, konnte ich auch nicht ja sagen.