Otto Addo, steigt der Ham­burger SV in dieser Saison ab?
Ich ver­mute, dass Sie nicht die Mann­schaft von Torsten Fink meinen.

Wir meinen die U19, die ja der­zeit im unteren Tabel­len­drittel zu finden ist und von Ihnen trai­niert wird.
Auch wir werden nicht absteigen, davon bin ich über­zeugt. Wir konnten unsere Qua­lität in den letzten Wochen wieder zeigen und haben mitt­ler­weile die Kurve bekommen, brau­chen aber noch den ein oder anderen Sieg. 

Was lief in dieser Saison falsch?
Uns war zu Beginn bewusst, dass es ein schweres Jahr werden wird. Ein Groß­teil unserer Mann­schaft besteht aus dem jün­geren Jahr­gang oder auch B‑Jugendlichen. Viel­leicht habe ich als Trainer die Situa­tion etwas unter­schätzt, hatte aber nur wenig Hand­lungs­spiel­raum.

Warum?
Weil auch die A‑Jugend nur ein gewisses Budget zur Ver­fü­gung hat, um Spieler zum HSV zu locken. Als Gegen­bei­spiel hat der Tabel­len­führer VfL Wolfs­burg wieder hohe Summen ein­ge­setzt und sehr gute Spieler geholt.

Zuletzt lockte Ihnen Bayer Lever­kusen den talen­tierten Levin Özt­u­nali, der Enkel von Uwe Seeler, für die kom­mende Saison weg. Wieso sollte er danach nicht mehr für den HSV die Saison beenden?
Ich bin für die Arbeit auf dem Trai­nings­platz zuständig und besitze bei Per­so­na­lien nicht immer die Ent­schei­dungs­ge­walt. Von Seiten der Ver­eins­füh­rung und Frank Arnesen wurde mir mit­ge­teilt, dass nicht mehr auf Levin gesetzt werden sollte. So wurde zeit­weise anderen Spie­lern, die wei­terhin beim HSV spielen wollen, der Vor­tritt geschenkt.

Kri­tiker behaupten, Özt­u­nali dürfe nur wieder spielen, da er im Abstiegs­kampf drin­gend benö­tigt wird.
Wir waren wei­terhin mit der sport­li­chen Lei­tung im Gespräch und hatten erkannt, dass er der Mann­schaft sicher­lich wei­ter­helfen würde. Levin wollte bis zum Sommer immer für die U‑19 spielen. 

Abge­sehen von der Pro­ble­matik mit ihm. Wel­ches Ver­hältnis haben sie zu Ihren Spie­lern?
Je höher gespielt wird, umso pro­fes­sio­neller wird gehan­delt. Das ist ganz natür­lich. Ins­ge­samt sehe ich mich als strengen Trainer, der seine Mann­schaft dis­zi­pli­nieren und fokus­sieren will.

Teil­weise sind Ihre Spieler sogar noch min­der­jährig. Ver­spüren Sie daher auch eine Art Erzie­hungs­auf­trag?
Na klar, in einer Stadt wie Ham­burg müssen die Spieler wissen, wie sie sich zu ver­halten haben.

In diesem Alter warten an der Sei­ten­linie schonmal die Freun­dinnen. Wie mussten Sie da schon ein­greifen?
(lacht) Direkt ein­greifen musste ich noch nicht. Ernst­haft, es ist nicht gut, wenn man ver­schwitzt zu seiner Freundin oder der Familie läuft. Zum einen sieht das nicht pro­fes­sio­nell aus und auch die Erkäl­tungs­ge­fahr ist zu groß. Wenn die Spieler geduscht haben, dürfen sie natür­lich ihr Pri­vat­leben genießen.

Sie haben all die Jugend­kader per­sön­lich durch­laufen. Welche Aus­rut­scher haben Sie sich damals erlaubt?
Gar keine.

Das können wir nicht glauben.
War aber wirk­lich so. Meine Dis­zi­plin war meine große Stärke. Ich war sicher­lich nicht der beste Fuß­baller, aber ich habe hart gear­beitet. Des­halb habe ich es viel­leicht auch ins Pro­fi­ge­schäft geschafft.

In Ihrer Kar­riere wurden Sie oft von Ver­let­zungen geplagt. Läuft es Ihnen manchmal kalt den Rücken her­unter, wenn einer Ihrer Schütz­linge vom Platz getragen wird?
Natür­lich ist es schade für jeden, wenn er sich eine Ver­let­zung zuzieht. Aber ich war schließ­lich nicht der ein­zige Fuß­baller, der sich das Kreuz­band gerissen hat. Ich bin eher froh, dass mich diese Ver­let­zungen erst so spät in meiner Lauf­bahn ein­ge­holt haben. Ich hatte zu diesem Zeit­punkt bereits die rich­tigen Ver­träge und habe gutes Geld ver­dient. Andere Mann­schafts­kol­legen hatten weniger Glück und ver­letzten sich bereits in den Anfangs­jahren.

Gehen wir davon aus, die U‑19 steigt nicht ab. Wie feiert eine solche Mann­schaft aus ange­henden Fuß­ball­profis den Klas­sen­er­halt?
Als Fuß­baller ver­zichtet jeder Spieler wäh­rend der Saison auf eine ganze Menge. Wir ver­an­stalten daher jedes Jahr ein großes Abschieds­essen und schauen zusammen Fuß­ball. Nach den Spielen wird zudem mal ein wenig in der Kabine gefeiert.

Bei uns gab es nach großen Spielen Cur­ry­wurst und Cola.
(lacht) Das gibt es bei uns ja sowieso nicht. Ein biss­chen muss schließ­lich auf die Gesund­heit geachtet werden – wenigs­tens inner­halb der Mann­schaft.