Seite 2: „Es war nicht sehr appetitlich“

Die erste färin­gi­sche Liga hat für eine Bevöl­ke­rungs­zahl von rund 50 000 Ein­woh­nern ein erstaun­li­ches Niveau. Wenn man 50 000 Ein­wohner durch zwei teilt, bleiben noch 25 000 Männer übrig, von denen sich viel­leicht 2000 im leis­tungs­sport-fähigen Alter befinden. Ist die enorme Fuß­ball­be­geis­te­rung – jedes ein­same Gehöft hat einen Bolz­platz, die Liga­spiele sind mit teil­weise über 1000 Fans sehr gut besucht – der Grund für das im Ver­gleich zur Popu­la­tion exzel­lente Natio­nal­team?
Ja, durchaus. Und wir wollen des­halb den Spie­lern die Mög­lich­keit geben, sich in jeder Hin­sicht zu ver­bes­sern, grade auch für die Natio­nal­mann­schaft. Es schlum­mern hier viele Talente. Wissen Sie, was mich am meisten über­rascht hat?

Erzählen Sie.
Der Ehr­geiz der Spieler – die wollen immer trai­nieren und kriegen nie genug.

Mit wel­cher deut­schen Liga lässt sich das Niveau der höchsten Spiel­klasse ver­glei­chen?
Mit dem unteren Drittel der dritten Liga und der Regio­nal­liga.

Andere Länder, andere Sitten: Haben Sie schon etwas Skur­riles erlebt?
Ja, bei einer Ver­eins­feier. Dort gab es Lamm, das drei bis vier Monate gela­gert und dann geräu­chert wurde. Es war nicht sehr appe­tit­lich. Ich habe es den­noch pro­biert – es ist hier wohl ein Tra­di­ti­ons­essen.

Was kann man abends treiben in Tór­shavn? Mit 15 000 Ein­woh­nern ist die Haupt­stadt nicht gerade eine Mega­city?
Das ist nicht London, schon klar, aber des­halb kommt man ja nicht hierher. Ehr­lich gesagt war ich bis jetzt erst einmal Abend­essen, das war mit unserem Trai­ner­team und den Ver­eins­ver­ant­wort­li­chen zusammen. Ich lebe in Tór­shavn in einer Drei-Zimmer-Woh­nung, ich fühle mich sehr wohl.

Wie lange wollen auf den Färoer Inseln bleiben? Und wie planen Sie ihre Zukunft?
Ich habe hier für ein Jahr unter­schrieben, wer weiß, was noch alles kommt – man sieht ja am Corona-Virus, wie schnell sich alles ändern kann. Die Zukunft konnte ich in meinem Leben noch nie so wirk­lich planen, den­noch stehen Trai­ner­li­zenzen ganz oben auf meiner Liste. Wo und wann man in den nächsten Jahren ist, weiß man nie im Fuss­ball. Ich lasse, wie immer, alles auf mich zukommen.