10.
21,5 Monate: Erich Rib­beck (12. März 1992 bis 27. Dezember 1993)

Erich Rib­beck war nach dem glück­losen Jupp Heynckes und dem geschei­terten Sören Lerby bereits der dritte Trainer der Münchner in der Saison 1992/93. Seine Vor­gänger hin­ter­ließen ihm eine Ansamm­lung zer­strit­tener, frus­trierter und ver­un­si­cherter Profis, mit denen es in den rest­li­chen Spielen nur noch um den Klas­sen­er­halt gehen konnte. In der Som­mer­pause wurde die Mann­schaft von Rib­beck rund­erneuert. Stö­ren­friede wie Effen­berg, Strunz oder Lau­drup mussten gehen, Lieb­linge wie Ziege, Helmer oder Wou­ters kamen. Das Kon­zept ging fast auf. Der FC Bayern grüßte 32 Spiel­tage freund­lich von der Spitze – und ließ sich im End­spurt noch von Werder Bremen ver­drängen. Auch zu Beginn der fol­genden Saison hielt der Verein an Trainer Rib­beck fest, um in der Win­ter­pause schließ­lich fest­zu­stellen, dass der Trainer den Meis­ter­schafts­am­bi­tionen des Ver­eins dann doch eher hin­der­lich sei.


9.

20,5 Monate: Branko Zebec (1. Juli 1968 bis 13. März 1970)

Branko Zebec wurde bereits nach seiner ersten Saison als Trainer des FC Bayern Gott: Nach über 30 Jahren (!) fei­erte man in Mün­chen end­lich die zweite Meis­ter­schaft – und holte mit dem DFB-Pokal­sieg sogar noch das erste Double in der Geschichte der Bun­des­liga. In der darauf fol­genden Saison war der Erfolg so viel Wert wie das Imitat der Tro­phäen: Nichts! Zebec ent­schied sich schon früh, seinen Ver­trag über die Saison hinaus nicht ver­län­gern zu wollen, ein Nach­folger war mit Udo Lattek bereits aus­er­koren. Dank dieser Kon­stel­la­tion fiel es den Ver­ant­wort­li­chen nicht schwer, den Trai­ner­wechsel noch in der lau­fenden Saison vor­zu­nehmen. Nach einer Serie von ledig­lich einem Punkt aus drei Spielen und mitt­ler­weile fünf Punkten Rück­stand auf den ersten Tabel­len­platz wurde aus Gott wieder Branko Zebec, ein eben-noch-Trainer der Bayern.


8.

17 Monate: Ottmar Hitz­feld (1. Februar 2007 bis 30. Juni 2008)

Ottmar Hitz­feld lagen sie in Mün­chen eine halbe Ewig­keit zu Füßen: Mit 72 Monaten, vom 1. Juli 1998 bis 30. Juni 2004, hält Ottmar Hitz­feld die längste durch­ge­he­nede Trai­ner­amts­zeit. Meis­ter­schaften, Cham­pions-League und Welt­po­kal­sieg zählten aber im Sommer 2004 nichts mehr, sein Ver­trag wurde nach einer Saison ohne Titel auf­ge­löst. Es kam Felix Magath und der sah und siegte. Zunächst. Denn trotz zweiter Dou­bles in Folge – dem so genannten Double-Double – musste auch er gehen. Denn den Ansprü­chen Rum­me­nigges („der FC Bayern gehört zu den Top­klubs Europas“) konnte Magath nicht enst­pre­chen. Man besann sich wieder auf Magaths Vor­gänger, den ratio­nalen Ana­ly­tiker Hitz­feld („Die Meis­ter­schaft ist nie ein Selbst­läufer, dahinter steckt immer viel Arbeit. Sonst müsste Real Madrid jedes Jahr Deut­scher Meister werden“). Die zweite Ein­stel­lung Hitz­felds im Februar 2007 wirkte wie eine Ent­schul­di­gung für den unrühm­li­chen Raus­wurf drei Jahre zuvor. Hitz­feld nahm sie an. Geplant hatte er eigent­lich nur ein Enga­ge­ment bis zum Ende der Saison. Letzt­lich blieb Hitz­feld ein wei­teres Jahr und holte zum Abschied Meis­ter­schaft und DFB-Pokal.


7.

15 Monate: Gyula Lóránt (2. Dezember 1977 bis 28. Februar 1979)

Bayern Mün­chen und Ein­tracht Frank­furt ließen das Trai­ner­ka­rus­sell im Winter 1977 im wahrsten Sinne des Wortes ent­gleisen: Mitten in der Saison tauschten die Ver­eine ihre Trainer. Gyula Lóránt sollte in Mün­chen den Karren aus dem Dreck ziehen, es reichte am Ende aber nur zu einem ent­täu­schenden zwölften Platz. Auch in der darauf fol­genden Spiel­zeit stellte sich unter dem neuen Trainer nicht der gewünschte Erfolg ein. Nach einer 1:7‑Klatsche gegen Düs­sel­dorf wusste Lóránt am 16. Spieltag schon, was kommt. Noch wäh­rend des Heim­flugs sagte er zu seinem dama­ligen Assis­tenten Pal Csernai: Pal, das gibt Ärger.“ Er sollte recht behalten: Bereits am darauf fol­genden Montag war er seinen Job los – an Pal Csernai, der am Ende der Saison immerhin Vierter wurde. Nach 15-mona­tiger Amts­zeit lau­tete die offi­zi­elle Begrün­dung der Ent­las­sung, Lóránt sei beim Schlitt­schuh­laufen gestürzt.


6.
12 Monate: Gio­vanni Tra­pat­toni (1. Juli 1994 bis 30. Juni 1995)

Gio­vanni Tra­pat­toni trat die Nach­folge von Inte­rims­coach Franz Becken­bauer an. Mit dem Selbst­ver­ständnis einer großen Trai­ner­le­gende unter­schätzte der Ita­liener die neue Auf­gabe in Deutsch­land. Die Vor­be­rei­tung ver­lief schlep­pend, im DFB-Pokal schei­terte man in der ersten Runde am Underdog aus Ves­ten­bergs­greuth, in der Bun­des­liga setzte es am zweiten Spieltag eine böse 1:5‑Schlappe in Frei­burg. Der FC Bayern kam in dieser Spiel­zeit nie richtig in Fahrt und been­dete die Spiel­zeit auf einem ent­täu­schenden sechsten Platz. Tra­pat­toni hatte seine Mis­sion nicht erfüllen können. Mit seinen drei Maß­an­zügen, die er pro Spieltag für Trai­ner­bank, Pres­se­kon­fe­renz und Fern­seh­in­ter­view brauchte, ver­schwand die Dolce Vita nach der Saison schnell wieder nach Ita­lien.

5.
10 Monate: Otto Reh­hagel (1. Juli 1995 bis 27. April 1996)

Nach 14 Jahren ver­ließ Otto Reh­hagel im Sommer 1995 seine große Liebe Werder Bremen um in Mün­chen sein Glück zu suchen. Er fand: ein großes Miss­ver­ständis. Dabei begann die Bezie­hung so wun­derbar, die ersten sieben Sai­son­spiele gewann die Mann­schaft, der FC Bayern schien auf Sieben-Meilen-Stie­feln davon­zu­eilen. Mün­chen lag Reh­hagel zu Füßen. Doch der war immer Rea­list genug: Wenn ich ein paar Spiele ver­liere, lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötz­lich die Töpfe dran.“ Und so war es: Am 30. Spieltag stand der FC Bayern mit drei Punkten hinter Borussia Dort­mund auf dem zweiten Platz, spie­le­risch ent­täuschte die Mann­schaft und das Vier­ge­stirn Herzog, Sforza, Mat­thäus und Klins­mann strahlte so viel Har­monie aus wie ein runder Tisch mit Edmund Stoiber, Joschka Fischer und Oskar Lafon­taine. Plötz­lich rollte eine Flut­welle auf die Säbener Straße zu, die auch der Uefa-Cup-Halb­fi­nal­sieg gegen den FC Bar­ce­lona nicht dämmen konnte. Die einen nör­gelten: Reh­hagel sei zu weich, andere stießen sich an seinem Credo: Jeder kann sagen, was ich will“. Uli Hoeneß wollte dann doch sagen, was er wollte. Franz Becken­bauer sowieso. Der rief Reh­hagel am Abend nach der Heim­pleite gegen Hansa Ros­tock an: Otto, hast du noch mal Zeit, dann komm doch raus zur Säbener Straße.“ Rehagel wusste, was kommen würde. Seiner Frau sagte er nur: Es ist soweit.“ Beate Reh­hagel begann die Koffer zu packen.


4.
6 Monate: Franz Becken­bauer (7. Januar 1994 bis 30. Juni 1994)

Die Mann­schaft stand zur Win­ter­pause auf dem dritten Platz – einen Punkt hinter Tabel­len­führer Bayer Lever­kusen. Zu wenig in Mün­chen. Uli Hoeneß ent­ließ Rib­beck und wählte seine Lieb­lings­nummer: Licht­ge­stalt, über­nehmen Sie!“. Franz Becken­bauer staubte so in einer Mischung aus Vor­bei­gehen und Schluss­sprint seine erste Deut­sche Meis­ter­schaft als Ver­eins­trainer ab.


3.
5 Monate: Sören Lerby (9. Oktober 1991 bis 11. März 1992)

Als Jupp Heynckes am 5. Oktober 1991 nach 90 Minuten auf die Anzei­ge­tafel des Mün­chener Olym­pia­sta­dions schaute, wusste er längst, dass seine Stunden gezählt waren. Der FC Bayern hatte soeben mit 1:4 ver­loren – nicht gegen Inter Mai­land, nicht gegen Werder Bremen, nein, gegen die Stutt­garter Kickers. Die Tabelle las sich an jenem 13. Spieltag in Mün­chen wie ein Dreh­buch von David Lynch – düster, sur­real, unver­stehbar. Der FC Bayern ran­gierte auf dem zwölften Platz. Auch im Pokal lief es nicht besser: Nach einem 2:4 gegen den FC Hom­burg hatte man sich bereits in der zweiten Runde ver­ab­schiedet. Ver­wirrt ob der unge­wohnten Situa­tion rief Uli Hoeneß kur­zer­hand seinen ehe­ma­ligen Spieler Sören Lerby an, der schon immer und überall dort, wo es Mikro­fone gibt, ver­kündet hatte: Mein Herz habe ich an Mün­chen ver­loren. Denn mit dem FC Bayern fei­erte ich meine schönste Meis­ter­schaft.“ Er meinte damit die Saison 1985/86, in der man Werder Bremen nach dem ver­schos­senen Elf­meter von Michael Kutzop noch am letzten Spieltag abfing. Als Trainer aber gab es für Lerby nichts zu feiern. Das erste Spiel unter seiner Lei­tung verlor das Team mit 0:3 gegen Dort­mund, das nächste 2:3 in Stutt­gart. Über den Platz stol­perten dabei solch ver­ges­sene Perlen wie Mazinho, Ber­nardo, McI­nally oder Kurt Kremm. Und der etat­mä­ßige dritte Tor­wart Gerald Hill­ring­haus – Aumann und Scheuer waren ver­letzt – irr­lich­terte durch den Straf­raum und fischte nach allem, nur nicht nach Bällen. Hals über Kopf ver­pflich­tete Hoeneß den damals 37-jäh­rigen Toni Schu­ma­cher. Es half alles nichts. Nach der Nie­der­lage in Stutt­gart rutschte der FC Bayern gar auf Platz 14 ab – immerhin: noch zwei Punkte vor dem Tabel­len­letzten Dynamo Dresden. Im Uefa-Cup setzte es der­weil eine 2:6‑Klatsche in Kopen­hagen. Als Hoeneß sich am 11. März Lerbys Bilanz nach einem 0:4 in Kai­sers­lau­tern vor Augen führte – vier Siege, fünf Unent­schiede und sechs Nie­der­lagen in 15 Spielen – trau­erte er Jupp Heynckes hin­terher. Später sagte Hoeneß: Die Heynckes-Ent­las­sung war mein schwerster Fehler. Ich bin mir sicher, dass er uns noch weit gebracht hätte.“ Und Lerby? Der sagte nach seiner Ent­las­sung: Ich wollte sowieso etwas anderes machen, aber Uli rief an und bat mich zu helfen. Dabei war Trai­ner­sein gar nicht mein Ding.“


2.
2 Monate: Franz Becken­bauer (29. April 1996 bis 30. Juni 1996)

Als Ver­eints­trainer ist Becken­bauer heute fast in Ver­ges­sen­heit geraten. Dabei war er schon in der Saison 1990/91 für Olym­pique Mar­seille als Trainer tätig und erreichte das End­spiel im Euro­pa­pokal der Lan­des­meister – OM verlor aller­dings gegen Roter Stern Bel­grad im Elf­me­ter­schießen. Ende April 1996 sprang er in Mün­chen für Otto Reh­hagel ein – und hielt am 15. Mai 1996 den UEFA-Pokal in den Himmel von Bor­deaux. Als offi­zi­eller Trainer auf den Spiel­be­richten stand zu der Zeit übri­gens stets Klaus Augen­thaler. Denn die Licht­ge­stalt kann und hat vieles, nun ja, fast alles, meinen manche, nur keine Trai­ner­li­zenz für die Bun­des­liga.


1.
44 Tage: Rein­hard Saftig (17 Mai 1983 bis 30. Juni 1983)

44 Tage! Aller­dings auch nur als Inte­rims­coach. Rein­hard Saftig sprang ein für den ent­las­senen Pal Csernai, mit dem der FC Bayern drohte nach Nie­der­lagen gegen Köln und Kai­sers­lau­tern aus den Uefa-Cup-Rängen zu fliegen. Csernai – Der Mann mit dem Sei­den­schal“ – hatte zu dem Zeit­punkt auch bei den Fans längst aus­ge­dient: Er galt als arro­gant und unnahbar. Rein­hard Saftig rückte vom Ko-Trainer zum Chef­trainer auf und fei­erte den größten Erfolg seiner Trai­ner­kar­riere: den 4. Platz am Ende der Saison. Zum 1. Juli 1983 unter­schrieb Saftig einen Ver­trag als Ko-Trainer beim BVB, wo er am 20. April 1986 erneut zum Chef­coach auf­stieg, für: Pal Csernai.