Jürgen Croy, auf einem Wand­bild in einer Zwi­ckauer Kneipe sind sie in Iko­nen­form gezeichnet. Sie spielten Ihr ganzes Leben für Zwi­ckau, was die Obrig­keit nur wider­willig abnickte.

Ich habe die Ent­schei­dung nie bereut, für Zwi­ckau zu spielen. Ich hatte mit dieser Mann­schaft viel Spaß, hatte tolle Mit­spieler, in einem für dama­lige Zeiten sehr pro­fes­sio­nellen Umfeld. Meine Familie hat sich bis heute immer sehr wohl gefühlt in Zwi­ckau. Dabei war es nie ent­schei­dend, 400 Mark mehr zu ver­dienen. Egal ob in Dresden oder in Leipzig. Mir war in dieser Zeit die Nähe zu den Fuß­ball-Fans wich­tiger. Es herrschte ganz ein­fach eine Ver­bun­den­heit mit diesen Fans, was mir sehr viel gegeben hat.

Viele andere Spieler wurden ein­fach zu den bevor­zugten Clubs dele­giert. Im Begriff der dama­ligen Vor­ge­hens­weise der Ent­schei­dungs­träger wäre es fatal zu denken, ohne Pro­bleme für immer bei einer Betriebs­port­ge­mein­schaft zu bleiben.

Das Inter­esse des DFV und DTSB war extrem stark, und es wurde auch ein gewisser Druck aus­geübt, mit dem man das erzwingen wollte. Mir hätten in diesem Fall auch ver­ant­wort­liche Betriebs­leiter oder der Ober­bür­ger­meister von Zwi­ckau nicht helfen können.



Wie lief, im spe­zi­ellen bei Ihnen, so ein Vor­gang ab?

Das ganze kul­mi­nierte in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem dama­ligen DTSB-Vize­prä­si­denten Franz Rydz in Berlin, wo richtig Klar­text gespro­chen wurde. Er saß mir gegen­über und fragte, ob ich meine Ent­schei­dung in diesem Sinne getroffen hätte und ich sagte: Nein“, worauf er ant­wor­tete, dass ich es mir noch einmal gut über­legen solle. Es hätte eben so gut sein können, dass ein junger Mann wie ich auch in die NVA ein­ge­zogen wird. Mit Pech kommt er in eine Ecke, wo Fuß­ball nicht die aller­erste Geige spielt. Aber wenn man den Leuten gegen­über­sitzt, mit dieser Härte der Aus­sagen kon­fron­tiert, werden die Knie weich. Das muss ich nicht ver­heim­li­chen.

Stellte sich Natio­nal­trainer Georg Buschner hinter Sie?

Georg Buschner hat sich sehr stark gemacht. Er erzählte mir, dass er keinen Wechsel im Tor vor­nehme, solang er Trainer sei, weil die Öffent­lich­keit ihn sonst für inkom­pe­tent erklären würde.

Was hätte die Öffent­lich­keit getan?

Zumin­dest wären Fragen aus­ge­löst worden. Mein Vor­teil lag darin, dass ich zu diesem Zeit­punkt bereits 20 Län­der­spiele hinter mir hatte, und die waren auch nicht so schlecht. Die Leute hatten sich an mich im Tor gewöhnt. Mora­li­schen Bei­stand brachten mir die Signale der Beleg­schaft des Auto­mo­bil­be­triebes VEB Sach­sen­ring, die mir signa­li­sierten, wenn hier Zwang käme, dann könnten die Bänder auch für einige Stunden still­stehen. Das wollte man letzten Endes auch nicht ris­kieren.

Zurecht finden die Welt­klas­se­tor­hüter der 70er wie Sepp Maier oder Dino Zoff große Wür­di­gung. Ver­gisst man da jedoch, außer in der ehe­ma­ligen DDR natür­lich, Jürgen Croy?

Ich habe damit über­haupt kein Pro­blem. Das liegt in der Ver­gan­gen­heit. Es ist ein­deutig erwiesen, dass die DDR-Tor­hüter genau so ein Leis­tungs­ver­mögen besaßen. Die Ita­liener oder Ronnie Hell­ström bestä­tigen das. Sie wissen, wer im Osten zu den her­aus­ra­genden Spie­lern gezählt hat. In allen Berei­chen ist es so, seien es Künstler oder Wis­sen­schaftler aus der DDR. Oft­mals ist es ein­fach nicht gewollt, weil man etwas Posi­tives dar­stellen würde, was mit der DDR ver­bunden ist. Das passt ganz ein­fach nicht in die Linie.

Wie ver­lo­ckend war der Reiz des Wes­tens?

Ein kon­kretes Angebot hat es nicht gegeben. Aber bei­spiels­weise sind bei Län­der­spielen immer Figuren im Hotel unter­wegs gewesen und sagten, dass es zwei, drei Ver­eine gäbe, für die man sehr inter­es­sant sei. Das habe ich abge­lehnt, weil mir klar war, wenn ich sol­chen Reizen unter­legen wäre, hätte ich ers­tens meine Familie nie wieder gesehen, und zwei­tens hätte sie unter den Umständen des Sys­tems sehr leiden müssen. Das stand in keiner Sekunde zur Dis­po­si­tion.

Die 70er war die beste Zeit der DDR-Natio­nal­mann­schaft. Olympia Bronze 1972, sogar Gold 1976 in Mont­real. Einzig das geschichts­träch­tige WM-Auf­ein­an­der­treffen in Ham­burg 1974 bleibt noch heute in aller Munde.

Das war ein Pres­tige-Duell. Wir Spieler sahen das gar nicht unter dem poli­ti­schen Aspekt. Wir wollten beweisen, was wir können, und die wollten zeigen, dass sie besser sind. Wir gewannen, und es ist ja auch nicht so, dass man sagt, wir haben wahn­sin­niges Glück gehabt. Es war ein ganz aus­ge­gli­chenes Spiel. Dass der Tor­schütze natür­lich besser im Gedächtnis bleibt als der rechte Ver­tei­diger, ist klar. Jürgen Spar­wasser hat das auch ver­dient. Das ist eine wun­der­bare Geschichte.

Gegen Ende der DDR waren Sie Vize-Prä­si­dent des DFV. Warum fanden Sie sich nach der Wende in keiner ähn­li­chen Posi­tion des DFB wieder?

Diese Geschichte wäre für mich natür­lich sehr inter­es­sant und reiz­voll gewesen, aber mit der Wende war mir klar, dass für diese Posi­tion in einem gemein­samen Ver­band so viele Leute in den Start­lö­chern stehen und dort ver­su­chen würden, her­ein­zu­kommen. Das war für mich irrele­vant und chan­cenlos. Ich bin da auch Rea­list und weiß, wo es Sinn macht, seine Kräfte ein­zu­setzen.

Was ist nach der Wende für die Ost-Ver­eine ver­kehrt gelaufen?

Ich hätte mir ein­fach gewünscht, dass es nicht zu einem Aus­ver­kauf der Top­spieler gekommen wäre. Kirsten, Sammer und wie sie alle hießen. Es war allen klar, dass es in kurzer Zeit ein Aus­bluten des DDR-Fuß­balls geben würde. Wie hätte man auch die Spieler an Dresden oder Leipzig binden können, wenn so gestan­dene Bun­des­li­ga­ver­eine mit tollen Namen und sport­li­chen Per­spek­tiven Rah­men­be­din­gungen schaffen, die ein Sportler ganz ein­fach nicht ablehnen kann? Die wirt­schaft­li­chen Akzente waren und sind so ver­teilt, dass sie gegen den Ost­fuß­ball spre­chen.

Es gibt bei­spiels­weise keinen DFB-Ehren­spiel­führer aus der DDR. Ver­wehrt sich der DFB noch heute dem DDR-Fuß­ball und gibt ihm und seinen ehe­ma­ligen Spie­lern keine Iden­tität?

Wenn sich der DFB eine ganze Weile schwer tat, unsere Län­der­spiele über­haupt anzu­er­kennen, ist das für mich ein­fach eine Lach­nummer. Da ist es egal, ob das im Rahmen einer Olym­piade statt­findet, wie zum Bei­spiel 1976, als wir im Finale den WM-Dritten 1974 Polen schlugen. Auch viele Spieler werden tot­ge­schwiegen, exis­tieren ja gar nicht.

Sie fingen als Mit­tel­stürmer an. Musste man Sie ins Tor zwingen?

Mir hat das immer sehr viel Spaß gemacht, Tore zu schießen. Als ich anfing, habe ich im Knaben- und Schü­ler­be­reich eine ganze Zeit draußen gespielt. Aber meine kör­per­li­chen Vorraus­set­zungen waren dann für das Tor prä­de­sti­niert.

Was halten Sie von den gän­gigen Kli­schees der Tor­hüter?

Ja, Tor­hüter und Links­außen haben eine Macke. Das ist Fuß­ball-Latein. Ich kann sagen, dass der Groß­teil der Tor­hüter nicht zu den Dümmsten zählt. Das merkt man an ihrem Aus­druck, am Denken und Han­deln.

Wo lagen Ihre Stärken und Schwä­chen?


Sich selber ein­schätzen zu müssen, ist nicht ein­fach. Ich war wohl wie die meisten Tor­hüter auf der Linie stark und zählte im Her­aus­laufen auch nicht zu den Schlech­testen. Gäbe es eine gra­vie­rende Schwäche, hätte ich nicht so lange Natio­nal­mann­schaft spielen können.

Oliver Kahn pre­digt, welch gewich­tige Rolle die Psy­cho­logie beim Tor­hü­ter­spiel ein­nimmt. Den Tun­nel­blick, die Ner­vo­sität in den Griff bekommen.

Das ist auch richtig und wichtig. Wenn Ihnen ein Tor­wart bezie­hungs­weise ein Fuß­baller vor dem Spiel sagt, er sei nicht nervös, dann wird er ewig ein Mit­tel­klas­se­spieler bleiben, weil der Körper diesen Vor-Start-Zustand“, diese hohe Erre­gung, braucht, um genü­gend Adre­nalin aus­zu­schütten und 100 Pro­zent leis­tungs­fähig zu sein. Für mich war es sehr wichtig, bei der Erwär­mung den ersten Erre­gungs­zu­stand über­wunden zu haben, diesen ersten toten Punkt. Danach ist man richtig leis­tungs­fähig und hoch­kon­zen­triert. Teil­weise wider­stehen manche Tor­hüter dem Ner­ven­druck nicht, über­ziehen und gehen Mit­spie­lern oder Geg­nern an die Gurgel oder sonst was. Soweit sollte es nicht unbe­dingt kommen.

Worauf wurde beim Tor­hü­ter­spiel in der DDR Wert im Unter­schied zur BRD Wert gelegt?

Ich kann mir nicht vor­stellen, dass es extreme Unter­schiede gab. Beim Tor­hüter wurde und wird auf Gewandt­heit, Beweg­lich­keit, Sprung­kraft, auf Schuss- und Wurf­technik Wert gelegt. Ein Tor­hüter ist dazu ange­halten, dass er das Spiel eröffnet. Denn ein Guter kann mit Hand­ab­würfen eine Situa­tion des eigenen Angriffs eröffnen. Ich hab mich immer bemüht, sofern mög­lich, das Spiel mit Hand­ab­wurf zu eröffnen. Das Gleiche gilt für die Fuß­ab­schläge.

Was sollten außerdem die wich­tigsten Eigen­schaften eines Tor­hü­ters sein?

Er muss anti­zi­pieren können, ein Spiel lesen. Früher schon und heute noch viel stärker wech­selt die Rolle zwi­schen Tor­hüter und Libero. Sie müssen Lücken sehen und mög­liche Steil­pässen abfangen. Die Tugend der Fang­technik heißt, einen Ball aus 25 Metern auch in der Brust­ta­sche ver­schwinden lassen können.

Was erschwert heute das Tor­hü­ter­spiel?

Das Tor­hü­ter­spiel wird jetzt durch die neuen Bälle erschwert. Was mir im Fern­sehen auf­ge­fallen ist, dass viele Bälle sehr flat­tern. Das war zu unserer Zeit nicht so extrem. Es wun­derte mich schon, dass die Tor­hüter da so lange ruhig gehalten haben. Nicht zu ver­achten: In der heu­tigen Zeit werden die Flanken sehr scharf und mit viel Effet vom Tor weg­ge­dreht. Zu meiner Zeit haben das wirk­lich nur die Besten, die Spe­zia­listen gemacht und gebracht.
Das Ste­reotyp der ein­fach quer vor das Tor geschla­genen Bälle war viel aus­ge­prägter. Da konnte man als Tor­hüter noch Dan­ke­schön“ sagen.

Aber das Werk­zeug“ ist deut­lich besser geworden?

Wenn ich die heu­tigen Latex­hand­schuhe sehe, zau­bert mir das ein Lächeln auf das Gesicht. Wenn ich an meine Anfänge in den 60er Jahren denke, unsere Hand­schuhe waren mit Noppen der Art alter Tisch­tennis-Kellen über­säht. Das hatte mit Haf­tung und Wider­stand wenig zu tun.

Die neue Genera­tion“ wurde gehütet und gezüchtet wie Koi-Karpfen und ver­dient der­zeit Ihre ersten Meriten in der Bun­des­liga. Können Neuer, Adler oder Ren­sing so früh bereit für die Natio­nal­mann­schaft sein?

Oliver Kahn hat völlig Recht, wenn er sagt, dass ein guter Tor­hüter nicht in ein, zwei Spielen gemacht wird, son­dern zwei, drei Jahre zeigen muss, dass er über den Dingen steht. Talen­tiert sind natür­lich alle drei. Die Natio­nal­mann­schaft ist dann ein ganz anderes Pflaster. Im Verein bin ich der­zeit der kleine König. Komme ich zur Natio­nal­mann­schaft, stehen acht­zehn kleine Könige aus den ein­zelnen Ver­einen. Da muss ich mich durch­setzen und Selbst­be­wusst­sein haben. Aber sich in die Natio­nal­mann­schaft zu reden, geht nicht. Wird man nicht berück­sich­tigt, ver­ziehen sich einige in ihren Schmoll­winkel und erwarten noch, dass der Bun­des­trainer per­sön­lich vor­bei­kommt. Nein, sie müssen ganz ein­fach zu gut sein.

Was müssen sie machen, um Welt­klasse zu werden?

In der Bun­des­liga und im Euro­pacup Top­leis­tung bringen und sich in der Öffent­lich­keit auch dem­entspre­chend ver­halten. Leider ist es zuweilen so, dass der Ruhige nicht beachtet wird und der Schrei­hals gepusht, weil die Medien solche bunten Vögel lieben. Spiele müssen für sich, unab­hängig der öffent­li­chen Kritik, ana­ly­siert werden. Man darf sich nicht stark oder schwach reden lassen, son­dern muss wissen, was man kann, und selbst­be­wusst zur Schau tragen.

Wer hat bei Ihnen einen Vor­teil?

Mirl impo­niert Michael Ren­sing schon ein biss­chen, weil er hinter Kahn absolut ruhig blieb und auf seine Chance gewartet hat. Wenn er sie bekommt, macht er das sehr sach­lich. Er ist sehr selbst­be­wusst. Auch der Manuel Neuer ist ein durchaus guter, talen­tierter Mann. Ein biss­chen Leid tut mir Timo Hil­de­brand, der in Valencia zumeist noch hinten dran steht. Auf jeden Fall wird es Zeit, nach der EM den Wechsel zu begründen.

Am 3. Spieltag der DDR-Ober­liga bestritten Sie 1965 Ihr erstes Heim­spiel für Zwi­ckau gegen Dynamo Dresden. Von diesem Zeit­punkt an waren Sie bis 1981 die Nummer 1. Was geht Ihnen als erstes durch den Kopf, wenn Sie an das Westsach­sen­sta­dion denken?

Der Geruch. Bis in die 60er Jahre hinein loderten unter dem Sta­dion unter­ir­di­sche Schwel­brände. Dem Hal­de­boden ent­stieg des­halb an man­chen Stellen ein ganz eigen­ar­tiger Geruch, der einem im Umkreis von 300 Metern in die Nase wehte. Seit mein Vater mich als Vor­schul­kind das erste Mal mit hierher nahm, brachte ich diesen Geruch stets mit Fuß­ball und Atmo­sphäre in Ver­bin­dung.

Was hat das Westsach­sen­sta­dion, das allen anderen Arenen dieser Erde fehlt?

Mit Welt­sta­dien wie Bar­ce­lona oder Wem­bley kann man es sicher nicht ver­glei­chen. Aber für die Region besaß es immer eine große Bedeu­tung. Früher füllten mehr als 20000 Zuschauer bei Spielen das Sta­dion. Die Heim­spiele hatten bei­nahe Volks­fest­cha­rakter.

Und was ist Ihnen als Spieler beson­ders in Erin­ne­rung geblieben?

Der etwa 50 Meter lange und enge Tunnel, der die Kabinen mit dem Spiel­feld ver­bindet. Da spürte man bei jedem Schritt schon, wie draußen das Sta­dion bro­delte.

Mitte der 70er erlebte der Zwi­ckauer Fuß­ball nie wieder erreichten Glanz. Der BSG Sach­sen­ring gelang 1976 der Einzug ins Halb­fi­nale des Pokal­sie­ger­cups.


Es herrschte eine wahn­sin­nige Euphorie. Die Leute haben ihre Arbeits­zeiten getauscht, an anderen Tagen mehr gear­beitet, um zu den Spielen gehen zu können. Die Indus­trie war da sehr ein­sichtig. Die Schul­di­rek­toren gaben den Kin­dern frei. In Zwi­ckau habe ich so etwas nie wieder erlebt.

Was traute man der Mann­schaft von 1975/76 inter­na­tional über­haupt zu?

Wir waren eine Mann­schaft der ganz, ganz Kleinen. Der DFV (Deut­scher Fuß­ball Ver­band, Anm.d.Red.) und der DTSB (Deut­scher Turn- und Sport­bund, Anm.d.Red.) über­legten, ob sie uns über­haupt melden sollten, denn sie glaubten, wir seien für den Euro­pa­pokal zu schwach.

Bis zu 40000 Men­schen pil­gerten in das Sta­dion, um die Par­tien gegen Pan­athi­naikos Athen, AC Flo­renz, Celtic Glasgow und den RSC Ander­lecht zu sehen. Wie erlebten Sie diese Spiele?


Für mich war das nicht neu. Ich habe in der Natio­nal­mann­schaft mit Welt­stars regel­mäßig die Klingen kreuzen dürfen. Aber für meine Mit­spieler waren Auf­ein­an­der­treffen mit Gian­carlo Anto­gnoni, Kenny Dalg­lish, Rob Ren­sen­brink oder Arie Haan etwas ganz Beson­deres. Es spornte alle enorm an.

Auf­grund des lockeren Berg­bau­bo­dens sackt das Sta­dion all­mäh­lich ab. Ein Spie­gel­bild des Zwi­ckauer Fuß­balls, dessen FSV in der Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­sunken ist?

Wir haben mit dem Verein die Wie­der­ver­ei­ni­gungs­zeit und die Phase danach – zumin­dest in der west­säch­si­schen Region – gut über­standen und wären 1996 fast Bun­des­li­gist geworden. Danach gelang es, wie auf allen Gebieten, klugen“ Men­schen, auch aus den alten Bun­des­län­dern, die Füh­rung an sich zu reißen. Anspruch und Fach­kom­pe­tenz klafften viel zu weit aus­ein­ander. Es ist sehr schade, wenn es so einen Tra­di­ti­ons­verein trifft.

Lässt auch die Stadt den Verein samt Areal im Stich?

Es ist nicht gerade moti­vie­rend, in einem maroden Sta­dion zu spielen. Auf der anderen Seite ver­fügt die Stadt nicht über die Mittel, um dort eine umfas­sende Sanie­rung vor­an­zu­treiben. Die Leis­tungs­fä­hig­keit der Mann­schaft ist auch nicht so, dass man für eine solche Bau­maß­nahme Unter­stüt­zung erwarten dürfte.

Was müsste pas­sieren, damit sich daran etwas ändert?

Pro­ble­ma­tisch ist, wenn schon in der 4. Liga Fuß­ball-Söldner kommen, die ein Jahr da sind und im zweiten über­legen, ob sie wieder weg­gehen. Deren Herz kann ja gar nicht an diesem Klub hängen. Nur wenn jeder merkt, dass die Bur­schen sich zer­reißen, bringt man die regio­nale Wirt­schaft hinter sich.

Ihnen muss das Herz bluten, wenn Sie heute zu spär­lich besuchten Spielen in das marode Sta­dion gehen.

Wenn ich mich erin­nere, wie das Sta­dion einst gebro­delt hat, betrachte ich es schon mit Wehmut. Man sieht es an allen Ecken und Kanten, wie abge­wirt­schaftet das Sta­dion ist: Gerade die Tri­bünen sind beson­ders in Mit­lei­den­schaft gezogen.

Träumen Sie ins­ge­heim manchmal von einem sanierten Westsach­sen­sta­dion?

Ich bin beruf­lich viel in Deutsch­land unter­wegs und habe mir bei Bun­des­liga-Spielen und der WM fast alle Sta­dien ange­schaut. Vor 50000 Zuschauern wird dort Fuß­ball zele­briert. Das ist eine Wahn­sinns-Atmo­sphäre. So gesehen wäre ein neues Westsach­sen­sta­dion ein Traum.