Seite 2: „Das hätte ich nicht tun sollen“

Wie waren die Reak­tionen Ihrer Freunde nach dem ver­passtem 4:4?
Mein Kumpel Marcel war wirk­lich richtig sauer. Wahr­schein­lich ist er es immer noch. Andere Freunde meinten, dass sie es schon ver­ständ­lich fanden, bei so einem Spiel­stand zu gehen. Teil­weise sind sie auch selbst früher aus der Kneipe raus. Aber es gab natür­lich viele, die mich damit auf­ge­zogen und ver­arscht haben. Vor allem bei der Arbeit war viel Scha­den­freude dabei, weil ich das Spiel des Lebens ver­passt habe.

Sind Sie gene­rell ein Pech­vogel? 
Ich war in dieser Spiel­zeit bei zwei­ein­halb Aus­wärts­spielen dabei. In Han­nover, Hof­fen­heim und den ersten 25 Minuten in Dort­mund. Dabei hat Schalke sieben Treffer kas­siert und kein ein­ziges Tor geschossen. In Berlin, Frei­burg, Bremen und der zweiten Hälfte gegen Dort­mund war ich nicht da und da hat Schalke 9 Tore geschossen und nur einen Treffer kas­siert. Also irgendwie ist es wie ver­hext. 

Hauen Sie jetzt immer bei Rück­stand ab, damit Schalke gewinnt?
Ich habe mir gesagt: Ich bleibe erst mal so lange weg, bis Schalke wieder ver­loren hat. Dann weiß ich, dass es nicht an mir liegt (lacht). Aber wenn es helfen würde, dann würde ich immer früher gehen, wenn Schalke dann gewinnt. Aber das kann man eben nie sicher sagen.

Hätte Schalke den Rück­stand auch auf­ge­holt, wenn Sie im Sta­dion geblieben wären?
Ich bin nicht aber­gläu­bisch, ich denke daher ja (lacht). Aber irgendwie war es vor­pro­gram­miert, dass ich nicht dabei war. 

Sind Sie jetzt glück­lich oder sauer?
Bei mir über­wiegt eigent­lich der Stolz über die Leis­tung der Mann­schaft. Die Frage ist nur: Darf ich stolz darauf sein, wenn ich nur 25 Minuten lang im Sta­dion war? Viele werden nein sagen. Ich beiße mir natür­lich selbst in den Arsch, dass ich nicht dabei war. Für mich ist es schlimm, dass ich gegangen bin. Das hätte ich nicht tun sollen, auch nicht, wenn wir 6:0 ver­loren hätten. 

Werden Sie also nicht noch mal früher gehen?
Nein, das pas­siert mir bestimmt nicht noch einmal. Denn eines ist klar: Dieses Spiel werde ich nie ver­gessen.