Seite 3: Eine Bank ausrauben mit dem BMP

Vor ein paar Jahren erlebten Berufs­si­mu­la­tionen einen echten Hype. Sie waren bei­nahe so pri­mitiv wie der BMP, und viele Leute fragten sich: Worin liegt eigent­lich der Reiz, sich nach getaner echten Arbeit noch vor dem Com­puter zu setzten, um einer vir­tu­ellen Arbeit nach­zu­gehen? Noch dazu einer Tätig­keit, bei der man den Algo­rithmen eines Com­pu­ters wehrlos aus­ge­lie­fert ist?

Die Ant­wort ist ein­fach: Am Com­puter kann man Dinge tun, die man eigent­lich nicht tun kann. Weil man keine Aus­bil­dung hat oder kein Stu­dium; weil man zu unbe­gabt oder zu ängst­lich ist. Am Com­puter aber kann man alles sein: Bus­fahrer oder Flug­zeug­pilot, Land­wirt oder Arzt, Astro­naut oder Dro­gen­dealer, Uli Hoeneß oder Jean Löring. Man kann den Rechner anschreien: Für die Scheiß­stim­mung seid ihr doch ver­ant­wort­lich!“, oder im Vor­bei­gehen non­cha­lant flüs­tern: Ich als Verein musste reagieren!“

Manager wurde man an der School of BMP

Der BMP war auch wie ein Blick in den Maschi­nen­raum des Fuß­balls, zumin­dest für mich, der fast sein gesamtes Wissen aus Pani­ni­heften und einem Fuß­ball­buch von Harry Vale­rien zur WM 1986 hatte. Mit dem BMP fühlte es sich zumin­dest an, als sei man nicht mehr nur ein pas­siver Kunde, man war Akteur, Macher und auch ein biss­chen Gott. Manager wurde man an der School of BMP.

Man musste dafür weder BWL stu­dieren, noch in irgend­wel­chen Zau­ber­wäl­dern Prin­zes­sinnen befreien oder gar Pilze und Sterne ein­sam­meln. Man brauchte keine Aus­bil­dung und keine Super­kräfte. Man war sofort mit­ten­drin im harten Fuß­ball der Neun­ziger: BSV Bran­den­burg gegen Bayer Uer­dingen 0:0 vor 3482 Zuschauern, und kurz vor Schluss bekommt Helmut Rahner die Rote Karte. Gab es jemals ein rea­lis­ti­scheres Spiel?

Und trotzdem konnte man ein wenig die eigene Fan-Sozia­li­sa­tion wei­terträumen. Denn end­lich mal sah man das Wappen des eigenen Klubs im Euro­pa­pokal der Lan­des­meister neben schil­lernden Namen wie Real Madrid oder Inter Mai­land. End­lich mal lief die eigene Mann­schaft in ein aus­ver­kauftes Sta­dion ein, was in der Rea­lität so gut wie nie vorkam.

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Nun also sitze ich am Schreib­tisch und gehe nicht mehr raus. Vor mir die weiße Wand, die Lego-Steine auf dem Boden. Ich würde gerne den Amiga 500 auf­bauen, er würde surren und ächzen, und ich würde ihn tät­scheln wie einen treuen Hund, aber leider habe ich ihn vor ein paar Jahren auf einem Floh­markt für 20 Mark ver­kauft. 

Es bleibt also nur, Danke zu sagen. Danke, lieber BMP. Nur durch dich kenne ich Ver­eine wie den KSV Bau­natal, Wormatia Worms oder den SV 1919 Irx­leben. Und Danke lieber Amiga 500. Ich weiß heute nichts mehr von Algebra oder dem Bau­ern­krieg. Ich spreche kaum noch ein Wort Fran­zö­sisch, obwohl ich es vier Jahre in der Schule gelernt habe. Aber egal, denn ich weiß immer noch, wo bei Gianna Sis­ters“ der erste Warp ver­steckt ist (Level 3) oder wie die Bar bei Leisure Suit Larry“ heißt („Lefty’s“).

Und ich weiß, dass man bei BMP 10.000 Mark ergau­nern konnte, wenn man im Menü Bank“ auf das Schild neben Ein­gang klickt. Und ich bin mir sicher, wenn ihr den Text bis hierhin gelesen habt: Ihr wusstet es auch.