Chris­to­pher Platt, was ist für Sie das Ästhe­tischste am Fuß­ball?
Da kann man keinen Aspekt her­aus­nehmen. Es ist die ganze Sache, denn der Fuß­ball bringt die Zuschauer auf eine Gefühl­sach­ter­bahn. Ich bin Liver­pool-Fan und war beim Cham­pions-League-Finale 2005 im Ata­türk Olym­pia­sta­dion in Istanbul. Als wir zur Halb­zeit 0:3 hinten lagen, begannen wir You’ll never walk alone“ zu singen. Ich musste heulen. Inner­halb von sechs Minuten gli­chen wir wieder aus. Das war unglaub­lich!

Wenn Sie aus dieser Partie etwas zeichnen müssten: Was wäre das?
Genau diese Szene: Die Fans wäh­rend der Halb­zeit­pause. So etwas Ein­drück­li­ches habe ich noch nie gehört. Es war wie ein Schrei nach Hilfe, wie in der Kirche, wie ein Gebet. Selbst wenn ich heute daran denke, stehen mir die Nacken­haare zu Berge.

Sie planen für April 2013 eine Fuß­ball­kunst­aus­stel­lung. Warum heißt die fan­ta­sista“?
In den späten acht­ziger und frühen neun­ziger Jahren wurde fan­ta­sista“ vor allem im ita­lie­ni­schen Fuß­ball gebraucht. Dieses Wort steht für den Spiel­ma­cher. Wir haben ihn gewählt, weil er der Künstler“ eines Fuß­ball­teams ist. Die Zehn ist der magi­sche Spieler mit den Instinkten und der Krea­ti­vität – wie Diego Mara­dona, Fran­cesco Totti, Ales­sandro Del Piero und der wohl Größte seiner Zeit: Roberto Baggio.

Der Unter­titel der Aus­stel­lung lautet ent­spre­chend: The art of the number ten“.
Für den Launch unserer Web­site hat Swar­brick eine Mara­dona-Video-Ani­ma­tion gemacht. In Deutsch­land wurde diese leider von You­Tube gesperrt. Aber wir haben auch anderes als nur Spiel­ma­cher, zum Bei­spiel eine Ani­ma­tion über den Clá­sico“.

Welche Art von Kunst­ob­jekten kann man bei Ihnen bestaunen?
Videos, Illus­tra­tionen und Foto­gra­fien. Viel­leicht wird es sogar Skulptur-Ele­mente geben. Der Künstler Richard Swar­brick macht große Öl-auf-Lein­wand-Gemälde. Er hat solche schon auf Anfrage von Klubs ange­fer­tigt. Auf einem ist zum Bei­spiel Wayne Rooney zu sehen, wie er per Fall­rück­zieher trifft.
 
Passen die Szenen denn wirk­lich zusammen: Kunst und Fuß­ball?
Zuge­geben: Künstler sind nor­ma­ler­weise sehr hoch­näsig, wenn es um Fuß­ball geht. Leute aus der Kunst­szene sind oft­mals keine Fuß­ball­fans. Wir können uns also sehr glück­lich schätzen einige nam­hafte Leute bekommen zu haben. Richard Swar­brick ist unser Haupt­künstler. Am Anfang hatten wir nur seine Werke, aber die Idee wuchs sehr schnell und dann beschlossen wir, Fuß­ball­künstler aus der ganzen Welt zusam­men­führen. Als Stanley Chow zusagte, ein DJ und Gra­fik­de­si­gner aus Man­chester, folgten plötz­lich viele andere aus Hong Kong, Japan, Argen­ti­nien, Ita­lien oder Spa­nien. Unter uns ist sogar ein Arsenal-Fan aus New York. Im Gesamten sind 14 Künstler und eine Top-Kunst­ku­ra­torin aus London dabei.

Was ver­bindet diese Künstler mit Fuß­ball?
Alle sind lei­den­schaft­liche Fuß­ball­fans. Richard Swar­brick ist etwa ein großer Tot­tenham-Fan. Sein erstes Werk zeigt Gareth Bale, wie er einen Hat­trick gegen den AC Mai­land schießt. Brian Caba­niss ist Arsenal-Fan, er hat des­wegen Arsène Wenger als Sujet gewählt.

» Bilder der Aus­stel­lung fan­ta­sista“

Was ist die Aus­sage der Aus­stel­lung?
Wir wollen, dass der Fuß­ball in Europa medial anders abge­han­delt wird. Er soll nicht mehr, wie in den letzten 20 Jahren, in Kli­schees und Sen­sa­tio­na­lismus gepackt werden. Es geht um Respekt für das Spiel und die Fans. Fuß­ball ist ein Spiel der Arbei­ter­klasse, das ist das Beste daran. Die Fans werden von den Ver­einen und den Medien teil­weise als doof dar­ge­stellt. Fuß­ball ist intel­li­gent und her­aus­for­dernd und das wollen unsere Künstler zeigen. Sie emp­finden näm­lich mehr Lei­den­schaft für den Fuß­ball als für ihr Künst­ler­da­sein. Auch wenn’s kit­schig klingt: Sie wollen mit diesen Werken ihrer Liebe für den Fuß­ball Aus­druck schenken.

Wann und wo wird fan­ta­sista“ zu sehen sein? 
Im April irgendwo im Zen­trum Lon­dons. Der Ort steht noch nicht genau fest, da wir den Ver­trag noch nicht unter­schrieben haben. Das wird unsere erste Aus­stel­lung sein, geplant sind aber mehr. Wir haben schon zwei Anfragen aus New York. Wäh­rend der WM 2014 werden wir auch in São Paulo ver­treten sein.

Haben Sie schon Reak­tionen aus der Fuß­ball­welt bekommen?
Ian Wright, der früher für Arsenal und Eng­land spielte, ist ein großer Fan von Swar­bricks Arbeit. Pres­se­an­fragen haben wir vor allem aus Argen­ti­nien bekommen, weil Diego Mara­dona das Sub­jekt unseres Wer­be­vi­deos für den Launch war.

Roberto Baggio hat man in Erin­ne­rung, wie er auf dem Poster von Zoran Lucic zu sehen ist: Gedan­ken­ver­loren nach dem WM-Finale 1994 gegen Bra­si­lien. Wieso war Baggio eine so große Inspi­ra­tion für die Aus­stel­lung?
Er hat diese Aus­strah­lung wie Tiger Woods, Michael Jordan oder Michael Jackson. Eine Sil­hou­ette, einen Cha­rak­ter­kopf – genau das ist für einen fan­ta­sista wichtig. 
Es wäre unser Traum, Roberto Baggio von unserem Pro­jekt und seinem Por­trät zu erzählen.