Neu­lich musste ich das erste Mal seit län­gerem mal wieder einen soge­nannten Face­book-Freund eli­mi­nieren. Nicht, dass der mir per­sön­lich kaum bekannte Geselle zur Tier­por­no­gra­phie auf­ge­rufen oder acht Mal täg­lich über den Stand seiner Ver­dauung infor­miert hätte. Es ging eigent­lich bloß um einen ein­zigen Satz, ange­le­gent­lich einer wei­teren Nie­der­lage für den 1. FC Köln. Der Satz lau­tete sinn­gemäß so: Ich bin so ver­zwei­felt, ein Verein wie der FC gehört ein­fach in die Bun­des­liga, wer will dort schon Greu­ther Fürth sehen?“

Mit jemandem, der solche däm­li­chen Sätze schreibt, möchte ich nicht befreundet sein, nicht einmal bei Face­book. Wenn man den Mann fragen würde, warum denn der 1. FC Köln eher in die erste Bun­des­liga gehört als die Spiel­ver­ei­ni­gung Greu­ther Fürth, so würde wahr­schein­lich ein ste­reo­typer Sermon über Tra­di­tion, Flair und tolle Fans kommen, wogegen Fürth graue Maus, kaum Zuschauer und über­haupt.

Man muss das jetzt nicht im Ein­zelnen sezieren und kann sich die klug­schei­ßende Bemer­kung, dass Fürth ebenso oft Deut­scher Meister geworden ist wie der große FC aus Kölle, geflis­sent­lich sparen. Und natür­lich hat Köln mehr Fans und unbe­streitbar einen gewissen Gla­mour, auch wenn der inzwi­schen doch ein biss­chen streng riecht. Aber gibt dies dem Klub und seinen Anhän­gern die Legi­ti­ma­tion, sich als natür­lich gebo­rener Erst­li­gist zu fühlen? Oder gehört nicht auch ein biss­chen dazu, ver­nünftig Fuß­ball zu spielen?

Rat­ten­schwanz aus Tra­di­tion, Flair und tollen Fans erschwert den Erfolg

Viel­leicht ist es sogar so, dass dieser ganze Rat­ten­schwanz aus Tra­di­tion, Flair und ach so tollen Fans Kölner Erfolge wenn nicht ver­un­mög­licht, dann doch zumin­dest erheb­lich erschwert. Glei­ches gilt, damit wir uns nicht miss­ver­stehen, auch für den Ham­burger SV und Hertha BSC. Alle­samt Ver­eine in einer großen Stadt, mit tollen Fans, einer beein­dru­ckenden Ahnen­ga­lerie – und im Moment schreck­lich erfolglos.

Wenn man sich die Tabellen der ersten drei deut­schen Ligen anschaut, könnte man leicht auf die Idee kommen, dass sich im pro­vin­zi­ellen Kon­text leichter erfolg­rei­cher Fuß­ball pro­du­zieren lässt als im über­hitzten Umfeld der in den großen Metro­polen ansäs­sigen Tra­di­ti­ons­ver­eine.

Der Abstieg der ver­staubten Groß­stadt­klubs wäre am Ende gerecht

Wäh­rend im Ober­haus Köln und Berlin ums Über­leben kämpfen, haben Klubs wie Frei­burg und Augs­burg trotz zwi­schen­zeit­lich kri­ti­scher Lage den Klas­sen­er­halt mitt­ler­weile so gut wie sicher. In der zweiten Liga haben die bereits erwähnten Für­ther den Auf­stieg per­fekt gemacht und ein Nie­mand wie der SC Pader­born nach wie vor beste Chancen, wäh­rend die wesent­lich popu­lä­reren Aachener, Karls­ruher und Ros­to­cker zwei­ein­halb Absteiger unter sich aus­ma­chen. Sollten alle drei runter müssen, ist es nicht unmög­lich, dass sie von Sand­hausen, Aalen und Hei­den­heim ersetzt werden: drei (pardon!) Käf­fern irgendwo aus Baden-Würt­tem­berg, die bis­lang noch nie groß im Pro­fi­fuß­ball in Erschei­nung getreten sind.

Offenbar ist es so, dass sich bei den Groß­klubs eitle Selbst­dar­steller von einer auf­ge­regten Presse und nach ver­gan­genem Glanz dürs­tenden Fans zu einer Ver­eins­po­litik treiben lassen, die nur selten von Nach­hal­tig­keit und fach­li­chen Erwä­gungen getrübt ist, wäh­rend sich in eher ver­schla­fenen Nes­tern in aller Ruhe wer­keln lässt – wobei von Wirt­schafts-Multis ali­men­tierte Ver­eine wie Wolfs­burg, Hof­fen­heim und Red Bull Leipzig aus­drück­lich aus­ge­nommen seien.

Zurück zum Anfang: Mag sein, dass es unter folk­lo­ris­ti­schen Gesichts­punkten schade ist, wenn ein Klub wie der 1. FC Köln (oder Hertha oder der HSV) aus der Bun­des­liga ver­schwindet. Aber es wäre auch fol­ge­richtig und furchtbar gerecht.