Seite 2: Nicht sehr europameisterlich

Einzig die Wechsel brachten etwas Schwung ins Spiel. Kingsley Coman (58., für Payet) drib­belte die linke Seite ent­lang und hatte einige gute Szenen. Seine Rolle als drib­belnder Links­außen ergänzte sich gut mit den Über­zahlen, die Sis­soko her­stellte.

Mit Andre-Pierre Gignac kam ein fri­scher Stürmer, der etwas mehr Bewe­gung in den Straf­raum brachte.

Santos schraubte der­weil weiter an seinem System. Mou­t­inho (66., für A. Silva) brachte etwas mehr Ball­si­cher­heit ins Mit­tel­feld. Stürmer Eder sollte wie­derum phy­si­sche Prä­senz in den Straf­raum bringen.

Viel­leicht war das am Ende der ent­schei­dende Unter­schied: Wäh­rend Didier Deschamps nur Spie­ler­typen inner­halb seines Spiel­sys­tems aus­tauschte, passte Santos immer wieder sein System und auch die Spiel­weise seiner Mann­schaft in Details an. Eder wurde mit seinem Tor zum Held des Abends.

Por­tugal ist der Sieger, den diese EM ver­dient

Por­tu­gals EM-Tri­umph wirkt auf den ersten Blick unge­recht­fer­tigt. Die Por­tu­giesen haben selten über­zeugt, sie haben kein ein­ziges Grup­pen­spiel gewonnen, und in der K.o.-Phase gingen drei ihrer vier Par­tien in die Ver­län­ge­rung. Das klingt nicht sehr euro­pa­meis­ter­lich.

Por­tu­gals Titel passt aber zu einer EM, die haupt­säch­lich geprägt war durch Defen­siv­taktik und Kom­pakt­heit. Ab der K.o.-Phase hat Santos seinen Spie­lern ein total defen­sives System ein­ge­trich­tert. Von Spiel zu Spiel passte er seine Mann­schaft dem Gegner an, um stets eine Über­zahl im Mit­tel­feld zu haben. Nur dann können Por­tu­gals Man­n­ori­en­tie­rungen greifen.

Dass sich mit Ronaldo der Super­star des Teams bereits in der ersten Halb­zeit ver­letzte, war daher auch kaum ein Pro­blem; er ist für das Herz­stück der Por­tu­giesen, der Defen­sive, nicht ent­schei­dend. Nach seiner Aus­wechs­lung konnten die Por­tu­giesen sogar noch einen Tick defen­siver spielen, die Fran­zosen noch stärker nerven.

Es hat sich bezahlt gemacht: Por­tugal feiert den ersten Titel seiner Fuß­ball­ge­schichte. Und wir Zuschauer können feiern, dass diese über­lange, an Höhe­punkten arme EM end­lich vorbei ist. Es war sicher­lich nicht die EM, die wir ver­dient haben.