Seite 2: Warum Webb Polizeischutz bekam

6. Seitdem hat Howard Webb eine beein­dru­ckende Kar­riere hin­ge­legt: Er galt als einer der besten Schieds­richter der Welt, pfiff mehr als 500 Par­tien in der Pre­mier League, dazu unter anderem das Cham­pions-League-Finale 2010 und das Final­spiel der Welt­meis­ter­schaft im glei­chen Jahr. Als er dafür nomi­niert wurde, sagte seine dama­lige Frau Kay über ihren Mann: Er kann ja nicht mal seine Kinder kon­trol­lieren. Ich weiß nicht, wie er das auf einem Fuß­ball­platz hin­kriegt.“

7. Heute ist Howard Webb seit meh­reren Jahren von seiner Frau getrennt und mit der deut­schen Schieds­rich­terin Bibiana Stein­haus liiert. Ken­nen­ge­lernt haben sie sich im Herbst 2016, als Webb der deut­schen Schieds­richter-Elite in Köln den Video­be­weis vor­stellte. Einen ihrer ersten öffent­li­chen Auf­tritte hatte das Paar im Sta­dion: Gemeinsam schauten sie sich auf der Tri­büne der HDI-Arena ein Heim­spiel von Han­nover 96 an. Mehr Romantik geht nicht.

8. Nach eigener Aus­sage ist Howard Webb nicht beson­ders aber­gläu­bisch. Er litt aber schon als Kind unter extremen Zwangs­stö­rungen, die ihn später auch vor Spielen beglei­teten: Wenn ich mein Shirt anzog, wollte ich ein posi­tives Gefühl haben. Und wenn ich das nicht hatte oder an einen Fehler aus dem letzten Spiel denken musste, habe ich mein Shirt aus- und wieder ange­zogen“, erzählte er dem Tele­graph“. Das Spiel­feld war eine Zuflucht vor meinen Zwangs­stö­rungen, weil ich dort keine Zeit hatte, über andere Dinge nach­zu­denken.“

9. Die här­teste Ent­schei­dung, die Webb je getroffen hat: Ein Elf­meter für Öster­reich gegen Polen bei einem EM-Grup­pen­spiel 2008. Hart nicht des­wegen, weil die Ent­schei­dung ein­deutig falsch gewesen wäre, son­dern wegen der Kon­se­quenzen: Polen schied aus dem Tur­nier aus und Howard Webb wurde bedroht. Von pol­ni­schen Bou­le­vard­zei­tungen, die Todes­an­zeigen von Webb abdruckten, und indi­rekt auch vom dama­ligen pol­ni­schen Minis­ter­prä­si­denten Donald Tusk, der später sagte: Ich wollte jemanden umbringen, wie alle Polen. Jeder kann sich denken, wen ich meine.“ Der gelernte Poli­zist Webb und seine Familie bekamen Poli­zei­schutz, genau wie ein bri­ti­scher Inge­nieur, der auch Howard Webb heißt und zufällig aus dem Hei­mat­dorf des Schieds­rich­ters stammt.

10. Howard Webb ist WM-Rekord­halter: Kein Unpar­tei­ischer ver­teilte mehr Gelbe Karten in einem Finale als Webb 2010. Drei­zehnmal Gelb, einmal Gelb-Rot ist seine Bilanz aus dem Spiel der Nie­der­lande gegen Spa­nien. Unver­gessen bleibt Nigel de Jongs Kara­te­ein­lage, mit der er Xabi Alonsos Brust hätte zer­trüm­mern können. Der Schieds­richter ver­warnte de Jong zum Erstaunen vieler Zuschauer dafür ledig­lich. Später gab er in seinem Buch The Man in the Middle“ an, hinter Alonso gestanden und die Situa­tion des­wegen nicht so gut gesehen zu haben. Erst in der Halb­zeit sei ihm die Mög­lich­keit bewusst geworden, aus­ge­rechnet im Finale der WM einen ein­deu­tigen Platz­ver­weis nicht gegeben zu haben. Sein Kom­mentar im Buch: What a fucking night­mare!“