1. Eigent­lich wollte Howard Webb vor kurzem nur einen schönen Abend mit Freunden in einer Bar in den Ver­ei­nigten Staaten ver­bringen. Leider hatte er seinen Aus­weis nicht mit­ge­nommen, sodass der Tür­steher sich gezwungen sah, Webb nicht her­ein­zu­lassen, wie der bri­ti­sche Daily Mirror“ berichtet. Denn die US-ame­ri­ka­ni­schen Gesetze schreiben nicht nur ein Min­dest­alter von 21 Jahren vor, son­dern auch eine Aus­weis­kon­trolle jeder ein­zelnen Person – also auch jener, die sich wie Webb offen­sicht­lich weit jen­seits der Jugend­lich­keit bewegen. Der frü­here Schieds­richter wollte bereits auf­geben, bis einer seiner Freunde dem Tür­steher den Wiki­pedia-Artikel des WM-Final-Schieds­rich­ters von 2010 zeigte – und der Mann an der Tür die Gruppe schließ­lich pein­lich berührt ein­treten ließ.

2. Howard Webb hat nicht nur als Schieds­richter gear­beitet, son­dern auch als Poli­zist – besser gesagt als Ser­geant der South York­shire Police in Shef­field – und stieß dabei auf nackte Tat­sa­chen: Webb fuhr wegen eines Ehe­streits raus, eine Frau hatte her­aus­ge­funden, dass ihr Mann sie betrügt, ihm ihr Wissen aber offen­sicht­lich zunächst nicht mit­ge­teilt. Auf dem Rückweg von einem Pub hatte sie vor­ge­schlagen, dass sie… was soll ich sagen… ein biss­chen… sexuell aktiv werden“, erzählte Webb dem Magazin Four­FourTwo“. Was der Poli­zist dar­aufhin vor­fand: Einen aus Rache nackt an einen Zaun geket­teten und wut­ent­brannten Mann.

3. Auf die Frage, ob er selbst mal ein Ver­bre­chen begangen hätte, beich­tete Webb im selben Inter­view, er habe hin und wieder Klo­pa­pier­rollen aus Hotels mit­gehen lassen. Wenn es zuhause knapp wird, packst du schon mal ein paar in deinen Koffer. Ich recht­fer­tige es so: Es ist nicht meine Schuld, wenn ich nicht genau wäh­rend meines Auf­ent­halts scheißen musste.“

4. Als Webbs Vater, selbst Schieds­richter, seinen 17-jäh­rigen Sohn fragte, ob er an einem Schieds­richter-Lehr­gang teil­nehmen wolle, war dieser nicht begeis­tert, erin­nert sich Webb in einem Gespräch mit dem Tele­graph“. Er wollte Fuß­ball­profi werden, Schieds­richter waren für ihn alle nur glatz­köp­fige alte Männer“.

5. Sein Vater über­zeugte ihn letzt­lich doch und so begann Howard Webb 1989 im Alter von 18 Jahren seine Schieds­rich­ter­kar­riere. Weil die Bezah­lung von Schieds­rich­tern nicht beson­ders streng gesehen wurde, gab Webbs Papa ihm noch einen wert­vollen Tipp mit auf den Weg: Dad sagte mir, ich solle den Spiel­ball so lange behalten, bis ich bezahlt wurde. Das war meine Ver­si­che­rung.“

6. Seitdem hat Howard Webb eine beein­dru­ckende Kar­riere hin­ge­legt: Er galt als einer der besten Schieds­richter der Welt, pfiff mehr als 500 Par­tien in der Pre­mier League, dazu unter anderem das Cham­pions-League-Finale 2010 und das Final­spiel der Welt­meis­ter­schaft im glei­chen Jahr. Als er dafür nomi­niert wurde, sagte seine dama­lige Frau Kay über ihren Mann: Er kann ja nicht mal seine Kinder kon­trol­lieren. Ich weiß nicht, wie er das auf einem Fuß­ball­platz hin­kriegt.“

7. Heute ist Howard Webb seit meh­reren Jahren von seiner Frau getrennt und mit der deut­schen Schieds­rich­terin Bibiana Stein­haus liiert. Ken­nen­ge­lernt haben sie sich im Herbst 2016, als Webb der deut­schen Schieds­richter-Elite in Köln den Video­be­weis vor­stellte. Einen ihrer ersten öffent­li­chen Auf­tritte hatte das Paar im Sta­dion: Gemeinsam schauten sie sich auf der Tri­büne der HDI-Arena ein Heim­spiel von Han­nover 96 an. Mehr Romantik geht nicht.

8. Nach eigener Aus­sage ist Howard Webb nicht beson­ders aber­gläu­bisch. Er litt aber schon als Kind unter extremen Zwangs­stö­rungen, die ihn später auch vor Spielen beglei­teten: Wenn ich mein Shirt anzog, wollte ich ein posi­tives Gefühl haben. Und wenn ich das nicht hatte oder an einen Fehler aus dem letzten Spiel denken musste, habe ich mein Shirt aus- und wieder ange­zogen“, erzählte er dem Tele­graph“. Das Spiel­feld war eine Zuflucht vor meinen Zwangs­stö­rungen, weil ich dort keine Zeit hatte, über andere Dinge nach­zu­denken.“

9. Die här­teste Ent­schei­dung, die Webb je getroffen hat: Ein Elf­meter für Öster­reich gegen Polen bei einem EM-Grup­pen­spiel 2008. Hart nicht des­wegen, weil die Ent­schei­dung ein­deutig falsch gewesen wäre, son­dern wegen der Kon­se­quenzen: Polen schied aus dem Tur­nier aus und Howard Webb wurde bedroht. Von pol­ni­schen Bou­le­vard­zei­tungen, die Todes­an­zeigen von Webb abdruckten, und indi­rekt auch vom dama­ligen pol­ni­schen Minis­ter­prä­si­denten Donald Tusk, der später sagte: Ich wollte jemanden umbringen, wie alle Polen. Jeder kann sich denken, wen ich meine.“ Der gelernte Poli­zist Webb und seine Familie bekamen Poli­zei­schutz, genau wie ein bri­ti­scher Inge­nieur, der auch Howard Webb heißt und zufällig aus dem Hei­mat­dorf des Schieds­rich­ters stammt.

10. Howard Webb ist WM-Rekord­halter: Kein Unpar­tei­ischer ver­teilte mehr Gelbe Karten in einem Finale als Webb 2010. Drei­zehnmal Gelb, einmal Gelb-Rot ist seine Bilanz aus dem Spiel der Nie­der­lande gegen Spa­nien. Unver­gessen bleibt Nigel de Jongs Kara­te­ein­lage, mit der er Xabi Alonsos Brust hätte zer­trüm­mern können. Der Schieds­richter ver­warnte de Jong zum Erstaunen vieler Zuschauer dafür ledig­lich. Später gab er in seinem Buch The Man in the Middle“ an, hinter Alonso gestanden und die Situa­tion des­wegen nicht so gut gesehen zu haben. Erst in der Halb­zeit sei ihm die Mög­lich­keit bewusst geworden, aus­ge­rechnet im Finale der WM einen ein­deu­tigen Platz­ver­weis nicht gegeben zu haben. Sein Kom­mentar im Buch: What a fucking night­mare!“