Lang­weilig, so scheint es, wird es beim 1. FC Köln nie. Am Samstag hatte der Tra­di­ti­ons­verein aus der Dom­stadt noch auf den letzten Drü­cker den Klas­sen­ver­bleib in der Rele­ga­tion gegen Hol­stein Kiel gesi­chert, ehe sich der Klub einen Tag später von Geschäfts­führer Horst Heldt trennte. Am Montag standen dann der Vor­stand des Ver­eins um Werner Wolf und der ein­zige ver­blie­bene Geschäfts­führer Alex­ander Wehrle in einer zumin­dest nicht ganz lang­wei­ligen Pres­se­kon­fe­renz Rede und Ant­wort. Mit dabei waren auch der neue Inte­rims-Sport­chef Jörg Jakobs und der ehe­ma­lige Kölner Tor­hüter Thomas Kessler – beide sollen den FC nun fit­ma­chen für eine neue Saison in der ersten Liga.

Unzu­frieden mit der Kader­zu­sam­men­stel­lung und den Ergeb­nissen der sport­li­chen Leis­tung“ sei man gewesen, schil­derte FC-Prä­si­dent Werner Wolf die Gründe für die Tren­nung. Heldt hatte sein Amt im November 2019 ange­treten, zeit­gleich mit Markus Gisdol, den der FC im April ent­lassen hatte. Eine Ent­schei­dung, die für Skepsis bei der Presse und den Fans sorgte. Als lang­fris­tige Lösungen stellten sich in der Folge weder Heldt noch Gisdol heraus. Bei beiden hatte sich die jewei­lige Tren­nung schon im Vor­feld ange­deutet. Der FC hielt trotz immer lauter wer­dender Kritik aus dem Umfeld an beiden fest – und ver­län­gerte im Sommer 2020 sogar die Ver­träge mit beiden ohne Not bis 2023. Bei beiden wurden nun sie­ben­stel­lige Abfin­dungen fällig. Geld, das für einen Fuß­ball­verein in tiefen finan­zi­ellen Nöten eigent­lich an anderer Stelle besser auf­ge­hoben wäre.

18 Spiele ohne Sieg

Die Saison aus sport­li­cher Sicht ver­lief dann auch wenig berau­schend für die Geiß­böcke“. Nach der Unter­bre­chung durch die Corona-Pan­demie blieb der FC unter Markus Gisdol von März bis November 2020 satte 18 Par­tien ohne eigenen Sieg, ehe ein über­ra­schender Dreier bei Borussia Dort­mund für Hoff­nung sorgte. Doch auch danach blieben die Leis­tungen sehr wech­sel­haft, ver­nünf­tigen Vor­stel­lungen folgten hohe Nie­der­lagen wie ein 0:4 zuhause gegen Lever­kusen oder ein 0:5 in Frei­burg.

Gisdol ohne Glück und Leis­tungs­träger

Doch jedes Mal, als es beson­ders eng für Markus Gisdol zu werden schien, gewann der FC: Die Knack­punkt-Spiele auf Schalke, in Bie­le­feld und sogar in Mön­chen­glad­bach konnte die Mann­schaft für sich ent­scheiden, wirk­lich über­zeu­gend war sie aller­dings selten. Im April hatte der FC dann erneut acht Spiele nicht gewonnen, in akuter Abstiegs­ge­fahr trennte sich der Verein von Gisdol. Mit 1,02 Punkten pro Spiel gehört der Schwabe zu den Trai­nern in der langen FC-Geschichte, die am wenigsten erfolg­reich waren. Eine fuß­bal­le­ri­sche Wei­ter­ent­wick­lung war nicht zu erkennen, wobei Gisdol auch das Pech hatte, dass einige Schlüs­sel­spieler wie Jonas Hector, Sebas­tian Andersson oder Flo­rian Kainz lange fehlten.

Bereits bei der Nach­folger-Suche für Gisdol vor einigen Wochen war deut­lich geworden, dass der FC-Vor­stand nicht mehr voll­ends Heldt ver­traute. Der Geschäfts­führer Sport wollte eigent­lich Thorsten Fink mit einem Zwei-Jahres-Ver­trag aus­statten, ehe auf Anraten des Vor­stands und dessen Berater erst Fried­helm Funkel für eine (letzt­lich erfolg­reiche) Ret­tungs­mis­sion und dann Steffen Baum­gart für den Wie­der­aufbau in der Saison 2021/2022 ver­pflichtet wurden. Dass der FC nur haar­scharf dem Abstieg ent­rann, lag an einem End­spiel gegen den bereits abge­stie­genen FC Schalke 04, in dem Sebas­tiaan Bornauw kurz vor Schluss das wich­tige Siegtor erzielte.