Seite 2: Umgehung verbotener Transferhandlungen?

Ver­eins­ko­ope­ra­tionen sind im heu­tigen Fuß­ball nichts Neues, auch nicht für Hof­fen­heim. Vor einem Jahr etwa, ver­riet Tomislav Stipic, ehe­ma­liger Trainer beim chi­ne­si­schen Nan­tong Zhiyun, gegen­über Spox, dass die Tri­kots, die Spiel­weise und die Geschäfts­stelle des chi­ne­si­schen Ver­eins“ denen der TSG Hof­fen­heim ähneln sollten. Damals hatte der Klub eine Koope­ra­tion mit Hopps Unter­nehmen SAP und Rogon abge­schlossen. Das Pro­jekt wurde aller­dings nach ein paar Jahren wegen Unstim­mig­keiten auf Eis gelegt. Holger Kliem, Medi­en­chef bei Hof­fen­heim, demen­tierte damals übri­gens Sti­pics Aus­sagen, er hätte ein Chef­trainer-Angebot der TSG vor­liegen gehabt. Und auch vom Rest der Geschichte ist bei uns keinem etwas bekannt“, so Kliem. 2017 gingen die Sins­heimer dann eine Koope­ra­tion im Jugend­be­reich mit dem chi­ne­si­schen zweit­li­gisten Meizhou Hakka Foot­ball Club ein.

Doch die Zusam­men­ar­beit mit dem Barra FC scheint eine andere Dimen­sion anzu­nehmen: Denn es steht der Ver­dacht im Raum, dass der Klub über Hopp und Rogon mit einem von einer Bera­ter­agentur gegrün­deten Verein koope­riert. Ist diese Zusam­men­ar­beit gar eine Art des 2015 von der FIFA ver­bo­tenen TPO-Sys­tems? TPO steht für Third-Party-Ownership und funk­tio­niert wie folgt: Eine dritte Partei wie bei­spiels­weise eine Spie­ler­be­ra­ter­agentur erkauft sich die Rechte eines Spie­lers und kann so an einem spä­teren Ver­kauf des Spie­lers ver­dienen. Dadurch wird das finan­zi­elle Risiko der Ver­eine redu­ziert. Aller­dings wird das System oft als eine Form von modernem Skla­ventum kri­ti­siert, da es einen oft noch sehr jungen Spieler zu einem Quasi-Lei­be­genen ver­schie­dener Betei­ligter redu­ziert“, sagt Hans-Joa­chim Eckert, ehe­ma­liges Mit­glied der FIFA-Ethik­kom­mis­sion, gegen­über dem Kicker.

Im Fall Barra-Rogon sieht man am Bei­spiel Yann Rolim, wie das in der Praxis funk­tio­neren kann: Durch sein Enga­ge­ment bei Barra konnte Rogon sich die Trans­fer­rechte des Spie­lers erwerben. Ob auch die TSG Hof­fen­heim direkt oder indi­rekt von der Hopp-Rogon-Barra-Ver­bin­dung pro­fi­tiert und sogar mög­li­cher­weise in ver­bo­tene TPO-Geschäfte ver­wi­ckelt ist, ist unklar.

Der Fall Roberto Fir­mino

Dass Hof­fen­heim und Rogon bereits lukra­tive Geschäfte machen konnten, die eben­falls unter TPO-Ver­dacht stehen, wurde im Fall Roberto Fir­mino klar: Die Spie­ler­be­ra­ter­firma Trans­fair, die von Dietmar Hopp mit­be­gründet wurde und 15 Pro­zent der Trans­fer­rechte am heu­tigen Liver­pool-Stürmer hält, erwarb 2014 für 20 Mil­lionen Euro auch die rest­li­chen 85 Pro­zent. Laut Ent­hül­lungen der Foot­ball Leaks über­wies Hof­fen­heim nach Fir­minos Transfer zum FC Liver­pool 70 Pro­zent der Trans­fer­summe an Trans­fair. In anderen Worten: Die TSG aus Hof­fen­heim war schon in der Ver­gan­ge­heit in dubiose Geschäften ver­wi­ckelt. Und auch die kom­pli­zierten Ver­stri­ckungen zwi­schen Dietmar Hopp, Rogon und dem Barra FC werfen mehr Fragen auf als sie beant­worten.