Ein Haken und noch einer. Eine Kör­per­täu­schung und noch eine. Roman Hubnik wurde ganz schwin­delig. Jeden­falls hatte der Tscheche sicht­lich Pro­bleme, sich auf den Beinen zu halten. Roman Pawl­jut­schenko, Hub­niks Gegen­spieler, narrte den Ver­tei­diger von Hertha BSC nach Belieben. Um das Debakel für Hubnik per­fekt zu machen, häm­merte Pawl­jut­schenko den Ball im Auf­takt­spiel zwi­schen Russ­land und Tsche­chien auch noch in den Winkel. 4:1. Es war der glanz­volle Schluss­punkt einer glanz­vollen rus­si­schen Vor­stel­lung. Russ­land kom­bi­nierte, Russ­land rannte, Russ­land traf. Ein Sieg heute gegen Gast­geber Polen und der Einzug ins Vier­tel­fi­nale wäre per­fekt.

Die Art und Weise, die Leich­tig­keit, mit der die Russen ihr erstes Spiel in der Gruppe A gewannen, erin­nerte an die EM vor vier Jahren. Beim Tur­nier in Öster­reich und der Schweiz war Russ­land mit viel Tempo und schön anzu­se­hendem Kom­bi­na­ti­ons­fuß­ball bis ins Halb­fi­nale gestürmt. Die Mann­schaft ist die gleiche – nur vier Jahre älter. Per­so­nell gab es kaum Ver­än­de­rungen. Russ­lands Trainer Dick Advo­caat ver­traut einer ein­ge­spielten Ein­heit. Auf­fällig dabei: Bei­nahe alle Spieler stehen bei Ver­einen der hei­mi­schen Premjer Liga unter Ver­trag. Im EM-Kader befinden sich mit Marat Ismailow von Spor­ting Lis­sabon und Ful­hams Pawel Pogrebnjak nur zwei Spieler, die im Aus­land spielen. Gegen Tsche­chien kamen sie nicht zum Ein­satz.

Neben dem zwei­fa­chen Tor­schützen Alan Dsa­gojew waren es Andrej Arschawin und Juri Schirkow, die gegen Tsche­chien über­zeugten. Genau wie Pawl­jut­schenko nach seiner Ein­wech­se­lung. Arschawin, Schirkow, Pawl­jut­schenko – sie waren vor vier Jahren die sport­li­chen Ent­de­ckungen des Som­mers gewesen. Und überall in West­eu­ropa begehrt. In den Monaten nach der EM wech­selten sie nach London. Schirkow, der Dau­er­läufer von der linken Außen­bahn, zum FC Chelsea. Arschawin ging für viel Geld zum FC Arsenal und Pawl­jut­schenko suchte zwi­schen­zeit­lich bei Tot­tenham Hot­spur sein Glück.

Fernab der Heimat ver­loren sie jedoch zuerst ihre Form und dann ihre Spiel­freude. Wirk­lich durch­setzen konnte sich keiner. Kol­legen, die es eben­falls ins Aus­land zog, erging es ähn­lich. Pawel Pogrebnjak etwa wurde beim VfB Stutt­gart nie glück­lich. Die nega­tiven Erfah­rungen der Spieler in West­eu­ropa wirkten sich auch auf die Natio­nal­mann­schaft aus. Über­ra­schend ver­passte Russ­land die Welt­meis­ter­schaft in Süd­afrika. Inzwi­schen sind Arschawin, Schirkow und Pawl­jut­schenko wieder nach Russ­land zurück­ge­kehrt, zur Freude von Advo­caat.

Ent­span­nung und Block­bil­dung

Russ­lands nie­der­län­di­scher Trainer bevor­zugt eine Block­bil­dung. Im Mit­tel­feld spielen mit Igor Denissow, Roman Schi­rokow und Kon­stantin Sir­janow drei Spieler von Meister Zenit St. Peters­burg, in der Defen­sive sorgen Sergei Igna­sche­wisch und Alexej Bere­suzki von ZSKA Moskau für Sicher­heit. Um seine Spieler nach einer langen Saison mit teil­weise über 60 Pflicht­spielen in Form zu bringen, ließ Advo­caat nur einmal am Tag trai­nieren. Die Vor­be­rei­tung hat sich aus­ge­zahlt, sagte er nach dem Spiel gegen Tsche­chien. Das Ergebnis war sichtbar. Nicht nur für Roman Hubnik.