Zeit zur Besin­nung haben die Fuß­ball-Profis auf der bri­ti­schen Insel nicht. Am Hei­ligen Abend wird trai­niert, am 1. Weih­nachts­fei­ertag beschert – und am 26. Dezember wieder die Arbeit auf­ge­nommen. Der Boxing Day ist so heilig wie das Weih­nachts­fest selbst, in Eng­land und Schott­land rollt der Ball.



Natio­nal­mann­schafts­ka­pitän Michael Bal­lack eröffnet mit Pre­mier-League-Spit­zen­reiter FC Chelsea zur Lunchtime am Samstag das all­jähr­liche Spek­takel mit dem Gast­spiel bei Bir­mingham City, Robert Huth tritt mit Stoke City wenig später bei Man­chester City an.

Bal­lack eröffnet zur Lunchtime

»Das war eine Rie­sen­um­stel­lung. Eine Win­ter­pause wie in Deutsch­land gibt es dort nicht. Als ich aktiv war, haben wir in dieser Zeit bis zu 14 Spiele gemacht«, erzählt Chris­tian Ziege. Der Euro­pa­meister von 1996 spielte jeweils ein Jahr für den FC Midd­les­brough (1999÷2000) sowie Rekord­meister FC Liver­pool (2000÷2001) und ver­brachte dann drei Jahre bei Tot­tenham Hot­spur (2001 bis 2004). »Der Boxing Day ist eigent­lich ein Tag, an dem man den Armen hilft«, sagt der 37-Jäh­rige: »Aber es ist ein großer Fuß­ball-Tag, ein Festtag für die Fans. Die Väter gehen mit den Söhnen ins Sta­dion. Vorher geht man in den Pub und trinkt ein Bier. Es ist eine ganz beson­dere Atmo­sphäre. Für die Spieler auf dem Platz ist es eigent­lich nichts Beson­deres.«

Eigent­lich ver­bindet Chris­tian Ziege mit dem Boxing Day die schwär­zeste Stunde seiner Kar­riere. »Wenn ich auf den Boxing Day ange­spro­chen werde, kommt alles wieder hoch. Ich habe dort die schlimmste Ver­let­zung meiner Kar­riere erlitten, die später auch der Grund für das Ende meiner aktiven Lauf­bahn war«, erklärt Ziege. Am 26. Dezember 2002 spielen die Spurs an der White Hart Lane gegen Charlton Ath­letic. »In der ersten Halb­zeit bekomme ich einen Pfer­de­kuss auf den Ober­schenkel. Ich habe dann bis zur 89. Minute durch­ge­halten. Dann wurde ich mit der Gelb-Roten Karte des Feldes ver­wiesen. Es war die zweite Gelb-Rote inner­halb von drei Spielen, so etwas ist mir nie wieder pas­siert‘« erzählt der 72-malige Natio­nal­spieler.

Am Boxing Day ein Drama

Aus einer eigent­lich harm­losen Blessur ent­wi­ckelte sich in der Folge ein Drama. Ziege wurde ins Kran­ken­haus gebracht. »Das war nicht mehr witzig. Ich habe kaum noch mit­be­kommen, was mit mir pas­siert. Die Ärzte erzählten mir später, wenn ich 45 Minuten später ein­ge­lie­fert worden wäre, hätten sie ampu­tieren müssen«, erklärt der ehe­ma­lige Mit­tel­feld­spieler mit dem starken linken Fuss. Ein soge­nanntes Kom­part­ment Syn­drom war ver­ant­wort­lich für die äußerst kri­ti­sche Situa­tion. Es han­delt sich um einen Zustand, in dem der erhöhte Gewe­be­druck zu einer Min­der­durch­blu­tung des Gewebes führt. »13 Monate« musste Ziege danach pau­sieren. Erst Sport­di­rektor, dann Co-Trainer 2004 wech­selte er von Tot­tenham dann zurück in die Bun­des­liga zu Borussia Mön­chen­glad­bach und machte noch 13 Spiele. Danach ging es nicht mehr. Ziege wurde Trainer der U15 beim fünf­ma­ligen deut­schen Meister, danach Sport­di­rektor und später bis Dezember 2008 Co-Trainer von Hans Meyer.

Trotz des schwarzen Tages hat Ziege über­wie­gend gute Erin­ne­rungen an seine Zeit in Eng­land. »Man gibt in 90 Minuten alles, bis es nicht mehr geht. Außer­halb des Platzes wird einem viel Respekt ent­ge­gen­ge­bracht. Die Hilfs­be­reit­schaft in allen Lebens­lagen ist bemer­kens­wert. Es gibt keinen Neid. Die Leute erkennen einen auf der Straße, respek­tieren aber auch, dass man eine Pri­vat­sphäre hat. Es ist schön, als Deut­scher so auf­ge­nommen zu werden«, sagt der Ex-Profi. Chris­tian Ziege, der mitt­ler­weile in Düs­sel­dorf lebt, absol­viert zur Zeit den Fuß­ball-Lehrer-Lehr­gang an der Hennes-Weis­weiler-Aka­demie in Köln. Im März will er dann mit der Fuß­ball-Lehrer-Lizenz ins Trai­ner­ge­schäft ein­steigen. »Ich hoffe, dass ich eine Chance bekomme, eine Mann­schaft zu trai­nieren, in der 2. Liga, 3. Liga oder Regio­nal­liga. Das ist egal«, erzählte er. Und mit einem Auge blickt Ziege natür­lich über den Ärmel­kanal: »Wenn ich die Mög­lich­keit hätte, als Trainer zurück­zu­kehren, würde ich das sofort tun. Hier habe ich die schönste Zeit meiner Kar­riere erlebt.«

Die Spiel­plan am Boxing Day

(Samstag, 26. Dezember):
Bir­mingham City – FC Chelsea (13.45 Uhr) FC Fulham – Tot­tenham Hot­spur West Ham United – FC Ports­mouth (beide 14.00 Uhr) FC Burnley – Bolton Wan­de­rers (15.00 Uhr) Man­chester City – Stoke City FC Sun­der­land – FC Everton Wigan Ath­letic – Black­burn Rovers (alle 16.00 Uhr) FC Liver­pool – Wol­ver­hampton Wan­de­rers (18.30 Uhr)

Dazu die letzten beiden Spiele am Sonntag, 27. Dezember: FC Arsenal – Aston Villa (14.30 Uhr) Hull City – Man­chester United (17.00 Uhr)