Gerrit Star­cz­weski, Sie planen ein Fuß­ball­spiel, bei dem jeder im Sta­dion nackt sein soll. Was bedeutet Nackt­heit für Sie?
Nackt­heit bedeutet für mich Authen­ti­zität und Natür­lich­keit, denn nackt sind wir so, wie wir wirk­lich sind. Es geht darum, sich so zu akzep­tieren, wie man ist, und wenn man diesen Gedanken ver­in­ner­licht hat, kann man ent­spannter durchs Leben gehen. Das Pro­jekt ist dabei nicht auf Sexua­li­sie­rung aus­ge­richtet, es geht um Kunst und Fuß­ball­spielen. Ob da jetzt eine Frau mit beson­ders schönen Brüsten oder ein Typ mit großem Gemächt bei ist, ist absolut unwichtig – Körper ist Körper.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Fuß­ball­spiel zwi­schen Nackten zu ver­an­stalten?
Ich habe schon als kleiner Junge meine ersten Fotos im Fuß­ball­sta­dion gemacht und vor fünf Jahren mein erstes Nackt­pro­jekt insze­niert. Nun will ich meine beiden großen Lei­den­schaften zusam­men­bringen. Dabei geht es mir darum, Motive und Bilder zu pro­du­zieren, die es so noch nicht gibt. Bei meinen bis­he­rigen Fuß­ball­bil­dern habe ich den Blick meist in die Kurve und das Drum­herum gerichtet, weil mich die nor­malen Spiel­szenen lang­weilen. Nun inter­es­siert mich auch die Ana­tomie des Kör­pers. Wie sieht es aus, wenn ein Nackter einen Flug­kopf­ball oder Fall­rück­zieher macht?

Welche Aus­sage steht außerdem hinter Naked Fuß­ball?
Neben den genannten Aspekten soll das Spiel auch ein Pro­test gegen die immer zuneh­mende Kom­mer­zia­li­sie­rung des Fuß­balls sein – Stich­wort Red­Bull oder die Pläne, den Spieltag weiter zu zer­stü­ckeln. Des­halb findet der Naked Fuß­ball auch am Tag des Cham­pions-League-Finals statt, der Tra­di­tion wegen um 15:30 Uhr.

Wie viele poten­ti­elle Teil­nehmer haben sich bis­lang bei Ihnen gemeldet?
Ich habe mein Pro­jekt erst vor einer Woche publik gemacht und bisher 50 Anmel­dungen von Män­nern und Frauen erhalten, die Reso­nanz ist also positiv. Wenn aber jemand spontan beschließt, sich bei der Sache zu betei­ligen, ist er herz­lich will­kommen. Es geht aus­schließ­lich ums Fuß­ball­spielen. Die Teil­nahme ist kom­plett kos­tenlos, auch für die Zuschauer, ein­zige Bedin­gung für den Ein­lass ist die eigene Nackt­heit.

Gab es bisher auch Anfragen von Ex-Profis oder Pro­mi­nenten?
Ich habe E‑Mails von Frank Fah­ren­horst und Michael Schulz erhalten, die beide gerne mit­ma­chen würden. Ich bin mir nicht sicher, ob sich da jemand einen Spaß erlaubt, aber wenn man den Gerüchten glauben darf, sind beide Spieler sehr gut aus­ge­stattet und ich muss mir jetzt Gedanken um eine medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung machen, falls einer von beiden über sein drittes Bein stol­pert. (lacht.) Ich denke, dass Ansgar Brink­mann auch für eine Teil­nahme prä­de­sti­niert wäre. Ansonsten hat sich das Manage­ment von Micaela Schäfer bei mir gemeldet, aber die Frau hat herz­lich wenig mit Fuß­ball oder den Hin­ter­gründen des Pro­jektes zu tun, wes­halb ich da eher skep­tisch bin.

Sind Sie ernst­haft der Mei­nung, dass 22 nackte Fuß­baller und Fuß­bal­le­rinnen den Fuß­ball zurück zu alten Tugenden führen können?
Natür­lich werde ich mit dem Spiel nichts Gra­vie­rendes ver­än­dern. Es wäre uto­pisch zu glauben, man könnte den Kom­merz im Fuß­ball auf­halten. Mir ist es den­noch wichtig, ein Zei­chen zu setzen. Mich stört am heu­tigen Pro­fi­fuß­ball, dass die Kluft zwi­schen Fans und Spie­lern immer größer wird und es nur noch wenige Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­guren gibt. Letzten Endes sind die Leute aus der Kurve die Basis für den Fuß­ball, des­halb sollten deren Anliegen bei­spiels­weise bei der Ter­mi­nie­rung der Spiel­tage berück­sich­tigt werden.

Das Nackt-Fuß­ball­spiel soll im Sta­dion von West­falia Herne statt­finden. Wie kamen Sie auf diesen Ort?
Ich habe mich bewusst für das Sta­dion am Schloss Strün­kede ent­schieden, weil es einen fast schon mär­chen­haften Charme besitzt. Ein biss­chen marode, teils zugig, auf den Steh­stufen wächst Gras und an man­chen Stellen schim­melt es schon – herr­lich! Das Sta­dion ist auch bei vielen Groundhop­pern mehr als beliebt, die nun die ganz beson­dere Chance erhalten, das Sta­dion zu einem ein­zig­ar­tigen Spiel zu besu­chen.

Konnten Sie den Verein sofort von Ihrer Idee über­zeugen?
West­falia Herne war von der Idee sehr angetan, was ich bemer­kens­wert finde und so nicht erwartet hätte. Der Verein spielt in der Ober­liga, hat in der Hin­runde aus 17 Spielen gerade mal sechs Punkte geholt und sicher­lich andere Sorgen. Aber irgendwo passt es auch wieder, ein Fuß­ball­klub, der um das nackte Über­leben kämpft, koope­riert mit einem Künstler, der Nackt­pro­jekte orga­ni­siert.

Wie kann man sich das Spiel selbst vor­stellen?
Erst einmal sind alle, die im Sta­dion sind, nackt. Es wird über 90 Minuten mit flie­genden Wech­seln gespielt. Unab­hängig davon wie es nach 90 Minuten steht, wird es auf jeden Fall ein Elf­me­ter­schießen geben, das sind Motive, die ich schaffen will. Die Spieler laufen nur in Fuß­ball­schuhen und Stutzen auf, Rücken­num­mern werden auf­ge­malt.

Wie sieht es aus mit einem Schieds­richter?
Da habe ich bereits jemanden im Kopf, der weiß aller­dings noch nichts von seinem Glück. Der soll aber auch nackt sein und muss sich Gelbe und Rote Karten not­falls in die Stutzen ste­cken. Viel­leicht kann ich ihn mit einer Kiste Bier für die Sache gewinnen.

Spielen Sie selbst auch mit oder sind Sie zu sehr mit Akt­fo­to­grafie beschäf­tigt?
Nein, ich werde eher nicht aktiv gegen den Ball treten. Aber ich plane, bei dem Spiel den Flitzer zu machen. Als Ein­ziger mit Klei­dung über ein Spiel­feld voller Nackter zu rennen – diese ein­ma­lige Gele­gen­heit will ich mir nicht ent­gehen lassen.