Es war so viel dis­ku­tiert worden vor dieser Saison über die vielen neuen Trainer in der Bun­des­liga. Die Neuru­rers, die Röbers und Ber­gers, sie alle sind der­zeit nicht Will­kommen, statt­dessen holten sich die Klubs Hilfe aus Hol­land oder von den ewigen Nörg­lern, die schon seit Jahren klagen, dass der deut­sche Fuß­ball unter den Neuru­rers und Röbers längst den Anschluss an die Welt­spitze ver­loren habe. An vor­derster Front: der ehe­ma­lige Bun­des­trainer Jürgen Klins­mann und der Natio­nal­mann­schafts-Beur­teiler Jürgen Klopp.



Nun wollten es die Klubs aus Mün­chen und Dort­mund, dass die beiden selbst ernannten Experten des modernen Fuß­balls ihr Wissen der Bun­des­liga zur Ver­fü­gung stellen. Und der Spiel­plan wollte es, dass die beiden Jürgen schon am zweiten Spieltag auf­ein­an­der­treffen. Konnte man nun in diesem frühen Sta­dium neuen Fuß­ball erwarten?

Das 1:1 zeigte, dass das mit den Reformen wohl doch ein wenig länger dauert. Die Bayern spielten eine schwache, behä­bige erste Halb­zeit, in der sie das 0:1 und eine Gelb-Rote Karte (van Bommel) kas­sierten. Dort­mund konnte das hohe Anfangs­tempo nicht halten und verlor in Über­zahl auch die spie­le­ri­sche Linie. »Wir haben den Sieg heute ver­schenkt«, sagte Kapitän Sebas­tian Kehl. Das Spiel seiner Mann­schaft sei nach der Hin­aus­stel­lung für van Bommel völlig zum Erliegen gekommen.

20-jäh­riger Debü­tant


Sein Trainer Jürgen Klopp setzte in Dort­mund fort, seine Abwehr­reihe zu refor­mieren. Auch gegen den Meister ver­traute er mit Neven Subotic (19) und Mats Hum­mels (19) der jüngsten Innen­ver­tei­di­gung der Liga, den ver­letzten Dede auf links ersetzte er mit dem 20-jäh­rigen Debü­tanten Marcel Schmelzer. »Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn beneide. Mein erstes Spiel war in Olden­burg und er beginnt seine Profi-Kar­riere vor 80.000 gegen Bayern«, sagte Klopp. Dazu brachte Klopp nur Tage nach dessen Ver­pflich­tung seinen Zög­ling aus Mainzer Tagen, Mohamed Zidan, im Angriff.

Jürgen Klins­mann hin­gegen ver­traute auf bekannte Kräfte: Für den 18-Jäh­rigen Toni Kroos (Mus­kel­pro­bleme) bil­dete Andreas Ottl im Mit­tel­feld die bis­lang ver­schmähte Doppel-Sechs (zusammen mit van Bommel) vor der Abwehr. Und vorne griffen der gene­sene Luca Toni neben Miroslav Klose an. Lukas Podol­skis Weg führte wie häufig auch unter Ottmar Hitz­feld zunächst auf die Bank.

Auch auf dem Spiel­feld hatte Borussia Dort­mund zunächst mehr Über­ra­schungen zu bieten. Die Gast­geber agierten mit Selbst­ver­trauen, Ein­satz, Stra­tegie und Offen­siv­hal­tung. Mit allem, was Jürgen Klopp vor nur wenigen Wochen ver­spro­chen hatte. In der Abwehr spielten Subotic und Hum­mels mit grim­miger Cool­ness und ließen in der ersten Halb­zeit keine Tor­chance der bekannten Gegen­spieler zu.

Die agilen Dort­munder dagegen pro­vo­zierten immer wieder Kon­fu­sion in der zuletzt schon unsi­cheren Bayern-Abwehr. Eine nutzte Jakub Blasz­c­zy­kowski mit einem ful­mi­nanten Schuss bereits nach acht Minuten zum 1:0. An der Stz­raf­raum­grenze kam er vor Lucio an den Ball, Nelson Valdez sprang der Pass vom Fuß, doch Blasz­c­zy­kowski regierte am schnellsten und zir­kelte den Ball mit dem Außen­rist in den ent­fernten Tor­winkel.

Mit Tim Borowski und viel Glück erkämpfen zehn Münchner ein 1:1 in Dort­mund. Hof­fen­heim ver­tei­digt die Tabel­len­füh­rung, Schalke und Bremen teilen sich die Punkte. Der Live­ti­cker.

Die Innen­ver­tei­di­gung mit Lucio und Daniel van Buyten sowie Rechts­ver­tei­diger Chris­tian Lell boten in schön Regel­mä­ßig­keit wei­tere Angriffs­flä­chen für geg­ne­ri­sche Angreifer, bis zur Pause ver­gaben Zidan (14., nach einem Hajnal-Frei­stoß) und Valdez (45., nach Lucio-Fehler) in aus­sichts­rei­chen Posi­tionen das 2:0. Dass Dort­mund zur Pause den­noch schon wie der sicherer Sieger aussah, dafür war Bay­erns Kapitän Mark von Bommel ver­ant­wort­lich zu machen.

Der Nie­der­länder, der so genannte aggres­sive leader, wollte offen­sicht­lich aggres­sive Zei­chen setzten in der Phase der Unter­le­gen­heit. Nach 20 Minuten streckte er die Stollen seines Schuhs an den Knö­chel von Sebas­tian Kehl – die erste gelbe Karte. Nur drei Minuten später traf van Bommel mit seinem Unterarm Valdez am Kopf. Schieds­richter Her­bert Fandel wer­tete es als absicht­liche Aktion und gab Gelb-Rot. Es war der dritte Aus­schluss des Nie­der­län­ders in seinen ver­gan­genen zehn Pflicht­spielen.

»Jetzt geht’s wieder nach vorne«


In der Halb­zeit­pause ent­schloss sich dann auch die Bayern, etwas Neues zu ver­su­chen. Klins­mann brachte den Zugang Tim Borowski für Klose, außerdem bestä­tigte der neuen Bayern-Trainer seinen Ruf als Moti­vator. »Wir haben gesagt, jetzt geht’s wieder nach vorne«, berich­tete Klins­mann aus der Kabine. Seine Mann­schaft kam denn auch wild ent­schlossen aus der Kabine, trotz Unter­zahl rückten die Gäste immer näher ans Dort­munder Tor heran. Die Unter­zahl war kaum mehr zu erkennen. Wenn­gleich von neuem Fuß­ball aller­dings keine Rede sein konnte. Viel­mehr ging es nach der bewährten Hitz­feld­schen Taktik: Wenn alles nichts hilft, so oft wie mög­lich den Ball hoch nach vorne auf Luca Toni oder einen auf­ge­rückten Innen­ver­tei­diger.

Damit kamen die Dort­munder Ver­tei­diger nun in Schwie­rig­keiten, van Buyten köp­felte die ersten Flanken über das Tor. Und der Meister ließ sich auch von einer Groß­chance der Borussia nicht mehr irri­tieren: Flo­rian Kringe schoss aus einem Meter nicht ins Tor, son­dern Bas­tian Schwein­s­teiger ans Bein (61.). Die Mög­lich­keit zur Ent­schei­dung war dahin. Wenig später resul­tierte aus der Luft­über­le­gen­heit der Münchner das 1:1. Ein Eck­ball lan­dete auf dem Kopf von Lucio und Tim Borowski schoss aus fünf Metern ein (74.). »In dieser Phase haben wir ein­fach zu viele Bälle leicht ver­loren«, sagte BVB-Trainer Klopp später. Klins­mann hin­gegen sprang und jubelte fast wie einst, als im glei­chen Sta­dion Oliver Neu­ville zum 1:0 gegen Polen getroffen hatte. Nur ein Punkt aus den ersten zwei Spielen hätte den neuen Bayern-Trainer schon arg in Not gebracht.

Auch der starke Regen in den letzten Minuten ver­half den Dort­mun­dern nicht mehr zu neuer Fri­sche. Auch mit einem Mann mehr auf dem Platz bauten sie nach der Pause immer mehr ab, die Kraft ließ am Ende deut­lich nach. Da hilft dann auch die größte tak­ti­sche Reform­eifer eines neuen Trainer nichts. Und so erhielten bekannte Flos­keln neue Stärke: »Wir können hoch zufrieden sein, hier mit zehn Mann noch Unent­schieden gespielt zu haben«, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß, die Leis­tung war in Ord­nung.“