Seite 2: „Ich saß mit großen Augen im Bayern-Bus“

Wann gab es den ersten Kon­takt zum FC Bayern?
Im November 1993 hat Uli Hoeneß ange­rufen. Ich habe anfangs gedacht, dass der ört­liche Radio­sender sich einen Streich erlaubt. Sein erster Satz war: Können Sie sich vor­stellen beim FC Bayern zu spielen?“ Ich habe erst nach und nach rea­li­siert, dass tat­säch­lich Uli Hoeneß am anderen Ende der Lei­tung sitzt. Trotzdem habe ich vor­sichtig geant­wortet: Das muss ich mir erst mal über­legen.“

Wie groß war der Kul­tur­schock vom beschau­li­chen Karls­ruhe zum großen FC Bayern?

Der war riesig. Auch wenn wir mit dem KSC kurz­zeitig den Uefa-Cup erreicht hatten, trennten Karls­ruhe und Mün­chen immer noch Welten. Ich saß zu Beginn mit großen Augen im Bayern-Bus und musste mich erstmal an alles gewöhnen.

Wie ver­lief die erste Zeit in Mün­chen sport­lich?

Äußerst schwierig. In der Saison 1994/1995 sind wir am Ende unter Gio­vanni Trappa­toni ent­täu­schend Sechster geworden. Ich habe mir im November gegen Bayer Lever­kusen das Kreuz­band gerissen. Es gab zumin­dest einiges, was nicht unbe­dingt für die Kar­riere sprach, die es am Ende geworden ist.

Wenige Sportler ver­kör­pern das ste­tige Streben nach Erfolg so sehr wie Sie. Hat Ihnen diese Eigen­schaft in diesem Moment helfen können?

Das ist eine meiner Facetten, die mich wäh­rend meiner gesamten sport­li­chen Kar­riere begleitet hat. Auch nach Nie­der­lagen und Rück­schlägen wieder auf­zu­stehen und den unbe­dingten Willen zu ent­wi­ckeln, das Größt­mög­liche aus sich her­aus­zu­holen. Das hat mir zu dieser Zeit ganz beson­ders geholfen.

Haben Sie im Laufe Ihrer Kar­riere eigent­lich auch mit dem Gedanken gespielt, Mün­chen zu ver­lassen und bei einem anderen euro­päi­schen Top­klub zu spielen?

Ich hatte zwi­schen 2003 und 2005 eine Art spät­pu­ber­täre Phase“, in denen auf einmal viel andere Themen eine Rolle gespielt haben. Gerade in den Medien in Mün­chen gab es zu dieser Zeit viele auch pri­vate Neben­schau­plätze, die nichts mehr mit Fuß­ball zu tun hatten. In dieser Phase hatte ich Kon­takt zu Man­chester United und Sir Alex Fer­guson. 

Warum kam der Wechsel nicht zustande?

Ich wollte Mün­chen nicht durch die Hin­tertür ver­lassen und vor meinen Pro­blemen in Deutsch­land davon laufen. Das ist nicht meine Art. Ich habe Sir Alex Fer­guson dann absagen müssen. Er war ziem­lich belei­digt. Wer gibt schon einem so großen Verein wie Man­chester United eine Absage? 

Bereuen Sie es, nicht im Aus­land gespielt zu haben?

Das ist schwierig zu sagen. Im Nach­hinein wäre es viel­leicht nicht so schlecht gewesen noch die eine oder andere Erfah­rung mit­zu­nehmen. Ande­rer­seits habe ich es keine Sekunde bereut, bis zum Ende beim FC Bayern geblieben zu sein. Rück­bli­ckend stellt es für mich einen hohen Wert dar, nahezu seine gesamte Kar­riere bei einem Verein ver­bracht zu haben und mit vielen großen Spie­lern eine Ära mit­ge­prägt zu haben.