Oliver Kahn, in der Saison 1993/1994 standen Sie im Tor des Karls­ruher SC, als Jay-Jay Okocha sein Jahr­hun­derttor erzielte. Nervt es Sie eigent­lich, wenn man Sie auf dieses Tor anspricht?
Über­haupt nicht. Jay-Jays Tor war genial. Außerdem ist mir durch diese Szene erstmal auf­ge­fallen, wie beweg­lich ich war. Hoch, runter, wieder hoch, wieder runter! Ich war ver­dammt schnell… Das habe ich jeden­falls aus diesem Tor raus­ge­zogen.

Ihre Vor­der­leute haben aber nicht den Anschein gemacht, Ihnen helfen zu wollen.

Die haben das Schau­spiel aus der Distanz ganz wun­derbar beob­achtet und mir viel Glück gewünscht. (lacht) Aber dieses Tor ist mir mit einem Schmun­zeln in Erin­ne­rung geblieben und auf gar keinen Fall negativ besetzt.



Haben sich Ihre Abwehr­spieler nach dem Spiel kein Don­ner­wetter von Ihnen abholen müssen?

Nein, wem hätte ich da einen Vor­wurf machen können? Ich war nach dieser Situa­tion völlig ruhig – warum auch immer. Das war ein­fach ein richtig geiles Spiel und da pas­sieren eben auch solche Sachen.

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Das Tor hatte letzt­lich für das Spiel auch keine ent­schei­dende Bedeu­tung. Ein­tracht Frank­furt gewann mit 3:1. Welche Erin­ne­rungen haben Sie an den Abend?

Die Ein­tracht hatte damals mit Uwe Bein, Anthony Yeboah, Manni Binz oder Uli Stein eine sen­sa­tio­nelle Truppe. Außerdem hatten die Spiele gegen Ein­tracht Frank­furt einen leichten Derby-Cha­rakter. Das hat schon tie­risch Spaß gemacht, auch wenn es am Ende für uns schlecht aus­ge­gangen ist.

Diese Saison war gleich­zeitig Ihre letzte beim KSC. Am Ende wurden Sie Sechster, der KSC schied im Halb­fi­nale des Uefa-Cups aus und Sie gingen zum FC Bayern. Wie ver­lief der Abschied aus Karls­ruhe?

Die letzte Saison beim KSC war fan­tas­tisch und zählt zu den schönsten meiner Kar­riere. Damals war der Uefa-Pokal noch richtig wertig, da in der Cham­pions League nur die Meister gespielt haben.

Im Vier­tel­fi­nale war­tete der FC Valencia. Das Rück­spiel ist bis heute legendär.

Das kann man wohl sagen. Im Hin­spiel hat Edgar Schmitt kurz vor Schluss das Tor zum 1:3 rein­ge­stol­pert. Wir haben uns vor dem Rück­spiel gedacht, naja, warum nicht? Ein 2:0 zu Hause wäre doch mög­lich. Am Ende stand es 7:0. Das Spiel war eines der emo­tio­nalsten meiner Kar­riere. Die Zuschauer in Karls­ruhe kannten den Uefa-Cup doch nur aus dem Fern­sehen. Diese ehr­liche Freude in den Augen der Fans zu sehen, war groß­artig. Leider endete die Saison bescheiden.

Wieso?

Wir haben zunächst das Halb­fi­nale gegen Casino Salz­burg relativ unnötig ver­loren. Die hatten damals eine Art Jahr­hun­dert­truppe. Nachdem wir im ehe­ma­ligen Wiener Pra­ter­sta­dion 0:0 gespielt haben, hatten wir im Wild­park­sta­dion alle Trümpfe in der eigenen Hand – und spielten 1:1. Im Finale hätte Inter Mai­land gewartet, das war schon ein biss­chen schade.

Und in der Liga hat der KSC am letzten Spieltag den sicheren Uefa-Cup ver­passt.

Das war eigent­lich noch viel schlimmer. Das letzte Spiel der Saison, mein letztes Spiel für den KSC, und wir ver­lieren 5:1 gegen Wat­ten­scheid 09. Dadurch sind wir einen Platz abge­rutscht, Ein­tracht Frank­furt hat sich für den Uefa-Cup qua­li­fi­ziert und wir waren draußen. Das war schon bitter! Ich hätte mich lieber anders aus Karls­ruhe ver­ab­schiedet.