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Die Alt­stars der Tra­di­ti­ons­mann­schaften stehen noch voll im Saft! In unserem Bun­des­liga-Son­der­heft stellen wir sieben von ihnen vor. Mit dabei sind unter anderem: Zecke Neu­en­dorf, Ailton und Charly Körbel. Die Aus­gabe bekommt ihr am Kiosk eures Ver­trauens oder direkt hier bei uns im Shop.

Charly Körbel, Sie haben 602 Bun­des­li­ga­spiele für Ein­tracht Frank­furt gemacht. Wie viele Par­tien mit der Trad­ti­onself kommen dazu?
Laut meinem Sta­tis­tik­büch­lein haben wir mit der Tradi 308 Spiele bestritten. Bei 290 stand ich auf dem Platz.

Als Vor­stopper?
In der Defen­sive. Mein Kopf­ball­spiel ist immer noch top. Ich kann super Eck­bälle ver­län­gern. Außerdem kann ich gut Abseits stellen. Das hat mir Gyula Lorant bei­gebracht. Wenn ich damals in der Bun­des­liga die Hand hob, pfiff der Schieds­richter. Es gab ja noch keinen Video­be­weis. Funk­tio­niert immer noch blen­dend, denn auch bei der Tradi, Sie ahnen es, gibt es keinen Video­be­weis.

Was macht die Physis?
Klar, ich bin immer noch nicht der Schnellste. Aber mit flinken Leuten wie Thomas Zam­pach an meiner Seite fällt das gar nicht auf. Ich bin jeden­falls noch fit.

Wann meldet sich Oliver Glasner?
Gutes Thema! Niko Kovac, Armin Veh und Adi Hütter haben mich ver­kannt. Nun hat es Olli selbst in der Hand. Ich hatte eben schon gehofft, dass er beim Foto-Shoo­ting vor­bei­schaut. Ich stehe jeden­falls bereit. Als Nach­folger für David Abraham oder Hinti. (Lacht.)

„Per Hacke aus sechzehn Metern in den Winkel – gar kein Thema!" Topfitte Altstars

Liebe Manager und Sport­di­rek­toren, ver­gesst den über­hitzten Trans­fer­markt und die genormten NLZ-Kicker. Die Spieler eurer Tra­di­ti­ons­teams stehen doch noch voll im Saft! Wir prä­sen­tieren sieben poten­ti­elle Neu­zugä …, pardon, Alt­zu­gänge für die nächste Saison.

Wie fing das eigent­lich an mit der Tradi bei Ein­tracht Frank­furt?
Vor etwa 15 Jahren kam Heri­bert Bruch­hagen zu mir und sagte: Charly, wir brau­chen eine Tra­di­ti­onself, und du machst das!“ Ich war damals als Leiter der Fuß­ball­schule ziem­lich aus­ge­lastet und wollte ablehnen, aber Heri­bert bestand drauf. Du hast alle Kon­takte zu den Alt­stars, du musst das machen!“ Also machte ich mich an die Arbeit.

Gegen wen spielt die Tradi?
Bunt gemischt. Wir haben ver­gan­genes Jahr die Kam­pagne Ein­tracht in der Region“ ins Leben gerufen. Über 200 Ver­eine aus Hessen, die beson­ders stark unter Corona gelitten haben, bewarben sich für Spiele gegen uns. Alle Ein­nahmen bleiben bei den Ama­teur­teams. Mitte Juli spielen wir zum Bei­spiel beim SV Rot-Weiß Wölf, einem Verein aus der Nähe von Fulda. Die haben ein gran­dioses Bewer­bungs­video geschickt, in dem sie das Frei­stoßtor von Lajos Detari aus dem Pokal­fi­nale 1988 nach­ge­stellt haben. Es ist per­fekt insze­niert, das müssen die wochen­lang geübt haben. Wir waren schwer beein­druckt. Nun hoffen wir natür­lich, dass wir Lajos für das Spiel gewinnen können. Er lebt in Ungarn.

Ist es schwer, die Ehe­ma­ligen zu moti­vieren?
Eigent­lich nicht. Die Atmo­sphäre ist ja meis­tens super. Zu den Spielen kommen 1000 bis 3000 Zuschauer. Wir haben eine nam­hafte Mann­schaft. Ioannis Amana­tidis, Alex Meier, Jay Jay Okocha, Uwe Bin­de­wald, Alex Schur und Uwe Bein laufen auf. Dann Ältere wie Nor­bert Nacht­weih und Rudi Bommer. Und noch Ältere wie ich, den die Jün­geren durch­schleppen müssen. Auch unsere Zukunft sieht rosig aus. Gerade ges­tern sagte Makoto Hasebe zur mir: Charly, ich bin bald dabei.“ Timothy Chandler wird auch irgend­wann mit­ma­chen. Hinti hat sich schon ange­kün­digt. Wir haben fast 65 Spieler im Kader.

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Na, wann kommt ihr zwei zu uns?“ Charly Körbel in Ver­hand­lungen mit zwei poten­zi­ellen Tradi-Neu­zu­gängen.

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Spielen Sie auch gegen Tra­di­ti­ons­mann­schaften von anderen Bun­des­li­gisten?
Ja, klar. Dem­nächst wieder gegen Schalke. Bei denen spielt Klaus Fischer mit – und der macht wirk­lich in jedem Spiel ein Fall­rück­zie­hertor. Dabei ist er schon über 70. In der Bun­des­liga hatte ich ja oft Schwie­rig­keiten mit ihm. Ich habe noch ein paar Rech­nungen offen. (Lacht.)

Und wie sieht es inter­na­tional aus? Ist die Tradi ähn­lich erfolg­reich wie die Profis?
Solche Spiele sollen kommen. Tra­di­ción Real Madrid gegen Tradi Ein­tracht Frank­furt – so was wäre schon toll.

Sie sind 67 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch spielen?
Mein Vor­bild war immer Horst Eckel. Wie der noch mit über 80 in Tra­di­ti­ons­mann­schaften gekickt hat, fand ich immer beein­dru­ckend. Einmal haben wir zusammen bei einem Hal­len­tur­nier gespielt. Er schien ziem­lich erschöpft, da sagte ich: Horst, lass dich aus­wech­seln.“ Und er: Nein, nein, der Her­berger will, dass ich wei­ter­mache.“

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Kick it like 1980 – mit Vor­stopper und ohne Schien­bein­schoner!
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Wie halten Sie sich fit?
Manchmal fragen mich jün­gere Spieler, ob das wirk­lich stimmt mit den 602 Spielen. Alex Meier sagte mal: Charly, du hast doch betrogen. So viele Spiele kann kein Mensch machen.“ Ich denke immer: So lange ich noch laufen kann, werde ich spielen. Aber natür­lich muss man was tun. Ich jogge jeden Tag im Taunus auf dem Feld­berg. Acht bis zehn Kilo­meter.

In den Neun­zi­gern gab es die Uwe-Seeler-Tra­di­ti­ons­mann­schaft, eine Art All-Star-Team aus ehe­ma­ligen Bun­des­li­ga­spie­lern. Heute unter­hält fast jeder Verein eine Tra­di­ti­ons­mann­schaft. Warum?
Weil die Geschichten wei­ter­leben müssen. Weil die Men­schen etwas Echtes wollen. Etwas zum Anfassen. Etwas, das sie zusam­men­bringt. Gerade in der heu­tigen Zeit mit Corona und der extremen Digi­ta­li­sie­rung finde ich es wichtig, dass man sich im echten Leben trifft.